Deutsche Reiterliche Vereinigung

Gefahr Wolf: Sorge vor Übergriffen auf Pferde

Position und Aktivitäten der FN zur Rückkehr des Wolfes

Seit einigen Jahren ist der Wolf in Deutschland wieder heimisch geworden. Meldungen über Wolfsrisse geben auch Pferdehaltern allen Grund zur Sorge. Im Dezember 2018 riss ein Wolf in Niedersachsen erstmals ein Ponyfohlen auf der Weide und verletzte die Mutterstute. Auch die Sorge davor, dass Pferde in Panik vor dem Wolf durch Weidezäune brechen, auf Straßen laufen und für Mensch und Tier tödliche Unfälle verursachen könnten, ist immens. An den Diskussionen zum Thema Wolf beteiligt sich die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) bereits seit dem Jahr 2015 sehr intensiv (siehe dazu auch Artikel im PM-Forum 7/2015: Die Wölfe sind zurück). Die FN vertritt eine klare Position zur Rückkehr des Wolfes: Sie darf nicht auf Kosten von Haus- und Nutztieren geschehen. Die FN steht bei der Debatte über das Raubtier in engem Schulterschluss mit anderen Interessenvertretern wie dem Aktionsbündnis Pro Pferd, dem Deutschen Bauernverband und verschiedenen Nutztier-Zuchtverbänden. Gemeinsam stehen die Verbände in einem intensiven Austausch mit den zuständigen Ministerien und Behörden und setzen sich dafür ein, dass die Belange der Tierhalter berücksichtigt werden.

Die Ausgangslage: Artenschutzklassifikation des Wolfes

Derzeit ist es noch so, dass der Wolf entsprechend des EU-Rechts in die höchste Kategorie aller schützenswerten Tier- und Pflanzenarten eingestuft ist. Dies ist die Gruppe IV und in dieser gilt absoluter Schutz vor menschlichen Eingriffen. Etwas weniger streng ist die Gruppe V, die es unter bestimmten Voraussetzungen gestattet, "Tiere oder Pflanzen zu entnehmen", wie es heißt. Der Wolf hat vor allem durch diese aktuelle Artenschutzklassifikation und das derzeit geltende generelle Jagdverbot bedingt keine natürlichen Feinde. Er verliert demnach zunehmend seine ohnehin kaum vorhandene Scheu und dringt immer wieder - auch potentiell menschengefährdend - in bewohnte Gebiete ein. Die FN will erreichen, dass der Wolf von Gruppe IV nach V wechselt, aber das ist ein langwieriger Prozess auf EU-Ebene. Die FN begrüßt deshalb jüngste Vorstöße, eine punktuelle Bejagung des Wolfes bei Bedarf zuzulassen. Anlässlich der Amtschefkonferenz der Agrarministerien Anfang 2019 forderte das Aktionsbündnis Forum Natur (AFN), zu dessen Mitgliedern auch die FN zählt, eine Bejagung des Wolfes nach dem Vorbild der skandinavischen Schutzjagd. Grundlage dafür soll eine sogenannte wildökologische Raumplanung sein. Für die sich schnell ausbreitenden Wölfe empfiehlt das Forum außerdem einen Akzeptanzbestand. Die Verbände unter dem Dach des AFN haben dazu ein neues Managementkonzept für den Wolf vorgelegt und fordern für die Zukunft ein aktives Eingreifen in die Wolfsbestände.

Die AFN-Verbände haben zudem die Initiative „WOLF BLEIBT WOLF – Verantwortung für Mensch, Tier und Natur!“ ins Leben gerufen, um aktiv über den Wolf in Deutschland aufzuklären. Ziel ist ein praxisorientiertes Wolfsmanagement zur Erhaltung der Kulturlandschaft. Dabei soll ein konfliktfreies Zusammenleben der ländlichen Bevölkerung und dem Wolf sichergestellt werden. Mehr dazu: www.wolfbleibtwolf.de

Konsequenter Schutz von Weidetieren vor dem Wolf

Zur Umweltministerkonferenz im Mai 2017 formulierte die FN mit den bereits angesprochenen Interessenvertretern eine gemeinsame Erklärung über die Ausbreitung des Wolfes, in der die Verbände deutlich den konsequenten Schutz der Weidetiere vor dem Wolf einfordern. Tenor: Die Wiederansiedlung des Raubtieres Wolf darf nicht uneingeschränkt und um jeden Preis vorangetrieben werden.

Aktivitäten auf politischer Ebene

Ein Jahr später, zur Umweltministerkonferenz 2018, legten die Verbände ihren "Aktionsplan Wolf" vor. Gemeinsam forderten sie von den Umweltministern von Bund und Ländern, dass der Schutz des Menschen eindeutig Priorität vor der Ausbreitung des Wolfes in Deutschland habe und die Weidetierhaltung flächendeckend möglich bleiben muss.

Zur Sitzung des Bundestagsausschusses für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit im April 2018 legte die FN eine Stellungnahme zur "Gefahr Wolf" vor. Eine der zentralen Forderungen darin ist, dass der Schutz der Weidetierhaltung Kernanliegen des Naturschutzes werden muss und nicht dem "Wolfsschutz" untergeordnet oder gar geopfert werden darf.

Im Mai 2019 wenden sich zehn nordrhein-westfälische Pferdezucht- und Pferdesportverbände, darunter die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN), aufgrund der Ausbreitung des Wolfs an Politik und Öffentlichkeit. „Wir sind in Sorge um die uns anvertrauten Pferde und Ponys, deren Wohl und Schutz unsere Aufgabe ist“, heißt es in der Stellungnahme. Das Papier richtet sich vor allem an Bundes-, Landes- und Kommunalpolitiker in Nordrhein-Westfalen.

Eine Frage der Entschädigung

Diese Sitzung zeigte, dass sich auch in der Politik etwas tut. Es wird sich damit auseinandergesetzt, dass der Wolf in Deutschland angekommen ist und sich ausbreitet. In dieser Debatte spielt neben Schafen und Ziegen auch das Pferd zunehmend eine Rolle. Es passiert also etwas, aber noch nicht genug. Zum Beispiel werden im Fall der Fälle derzeit in einigen Bundesländern ausschließlich gewerbliche Pferdehalter entschädigt. Von Beginn der Debatte an war es aber die Forderung der FN, dass alle Pferdehalter entschädigt werden müssen. Daran arbeiten die Verbände auf politischer Ebene intensiv weiter.

Hauptstadtbüro, Parlamentskreis, Runder Tisch – der Wolf ist Thema in der Politik

Seit November 2017 ist die FN mit einem Hauptstadtbüro in Berlin vertreten. Dadurch kann der Verband jetzt noch intensiver in unmittelbarer Nähe zu den politischen Entscheidungsträgern die Interessen der Pferdehalter vertreten. Dazu gehört, dass diese vor Wolfsangriffen geschützt und im Fall der Fälle angemessen entschädigt werden. Die Gründung des Parlamentskreises Pferd zeigte, dass die FN mit ihrer Arbeit auf dem richtigen Weg ist und ihre Argumente im politischen Berlin gehört werden. Dies geschieht übrigens auch am "Runden Tisch" zum Thema Wolf, den das Bundesumweltministerium 2014 ins Leben rief. Dort tauschen sich alle Interessensgruppen aus, die sich mit dem Thema Wolf beschäftigen, auch die FN. Ebenso lädt die FN jedes Jahr Abgeordnete des Bundestages zu ihrem "Parlamentarischen Abend" in Berlin ein und bringt den Politikern in großer Runde und im persönlichen Gespräch die Interessen der Pferdehalter näher.

Hoffnung in Forschungsprojekt zum Thema Wolf und Pferde

Im November 2018 organisierte die FDP-Landtagsfraktion im schleswig-holsteinischen Landtag eine Veranstaltung zum Thema "Wolf neu denken. Von Wolfsgebieten lernen". An der Diskussion beteiligte sich auch FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau. Er brachte dort eine der größten Sorgen der Pferdehalter zur Sprache, nämlich davor, dass Pferde in Panik vor dem Wolf durch Weidezäune brechen, auf Straßen laufen und für Mensch und Tier tödliche Unfälle verursachen könnten. Auch mit Praktikern wie Friedrich Noltenius, Wolfssachverständiger in Sachsen, der einen Impulsvortrag im Rahmen dieser Veranstaltung hielt, steht die FN in engem Austausch. Die FN setzt Hoffnung in ein neues Forschungsprojekt, das von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen wissenschaftlich begleitet wird. Die FN unterstützt das Projekt auch finanziell und erhofft sich fundierte, wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie Pferde auf die Anwesenheit und Bedrohung durch Wölfe reagieren. Mit Hilfe der Ergebnisse können hoffentlich noch weitere und gezieltere Maßnahmen zum Schutz der Pferde entwickelt werden.

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Stand: 04.11.2019