Deutsche Reiterliche Vereinigung

Geländereiten und Ausreiten

Ausbildung von Reiter und Pferd im Gelände

Das Reiten im Gelände ist von unschätzbarem Wert für die Ausbildung von Reiter und Pferd. In der Natur ist das Pferd zu Hause, dort fühlt es sich wohl und dort lassen sich natürlichen Verhaltensweisen des Pferdes direkt erleben und verstehen. Das ist wichtig für die Sicherheit des Reiters und das Vertrauen zum Pferd. Viele Bewegungen sind nur im Gelände und situativ zu erfahren und nicht in der Reitbahn nachzustellen.

Ausbildung von Reiter und Pferd - Foto: Lafrentz

Reitmeister Martin Plewa, ehem. Bundestrainer der deutschen Vielseitigkeitsreiter, betont: "Wer nur Dressur reitet, der verpasst 70 Prozent der Bewegungsmöglichkeiten, die das Pferd bietet." Er fordert alle Ausbilder auf, sich wieder vermehrt auf eine vielseitige Grundausbildung im Sinne der klassischen Reitlehre zurückzubesinnen. Dazu gehört neben der Grundausbildung in Dressur und Springen eben immer auch das Reiten im Gelände. Denn nur ein Reiter, der sein Pferd auch im Gelände in jeder Situation vor sich und an den Hilfen hat, ist ein sicherer Reiter. Darüber hinaus bringt das Reiten im Gelände Abwechslung in die Ausbildung, macht Spaß und fördert die Motivation.

Im Sinne einer vielseitigen Ausbildung der Reiter fördert und verbessert das Reiten im Gelände vor allem das Gleichgewicht und die Losgelassenheit des Reiters. Im Gelände passt sich der Reiter ständig vielen verschiedenen Bewegungsanforderungen an, zum Beispiel beim Reiten über einen Hügel, bei unterschiedlichen Bodenverhältnissen (Gras-Sand, hart-matschig etc.), bei geländetypischen Hindernissen wie Wurzeln, Pfützen oder Engpässen.

Darüber hinaus führt das Reiten im Gelände zu einer Erweiterung der Kenntnisse rund ums Pferd. Der Reiter lernt sein Pferd in dessen natürlichen Lebensraum kennen und seine Reaktionen einzuschätzen. Das erhöht die Sicherheit und das Vertrauen. Und zu guter Letzt dient Ausreiten auch dem Naturerlebnis. Gerade im städtischen Bereich haben viele Reiter heute keinen Bezug mehr zur Natur. Sie erleben auf dem Pferderücken oft erstmalig den Wechsel der Jahreszeiten, den Einfluss von Wetter, Temperatur und Umweltreizen direkt und unmittelbar.

Und auch das Pferd profitiert auf vielfältige Weise vom Reiten im Gelände. Martin Plewa formuliert es so: "Das Reithaus ist nicht das natürliche Bewegungsumfeld des Lauf- und Fluchttieres Pferd." Durch die wechselnden Belastungen mit langen Schrittphasen, Trab- oder Galoppreprisen auf unterschiedlichen Böden wird der gesamte Organismus abgehärtet und gesund erhalten. Insbesondere die mental ausgleichende Wirkung des Ausreitens darf nicht unterschätzt werden. Gerade ältere Lehrpferde, denen die Freude an der frischen Vorwärtsbewegung durch Jahre in der Reitbahn abhandengekommen ist, blühen im Gelände oftmals wieder auf. Und der unruhige Jungspund entspannt an der Seite eines erfahrenen Begleitpferdes schon bald. Pferde, die oft im Gelände geritten werden, sind zudem abgehärtet in Bezug auf Umweltreize. Scheuen vor bunten Blumen im Dressurviereck gehört schnell der Vergangenheit an, wenn das Pferd regelmäßig auf Wiesen und Feldern gearbeitet wird. Und natürlich beeinflusst das Reiten im Gelände auch die körperliche Entwicklung nachweislich positiv: Gleichgewicht, Beweglichkeit und Kondition werden verbessert, Haut, Hufe, Immunsystem und Atemwege gestärkt und die Trittsicherheit und Geschicklichkeit gefördert. Das alles dient der Gesunderhaltung und zeigt wieder einmal: Gutes Reiten ist praktizierter Tierschutz.

Pferd und Reiter profitieren vom Reiten im Gelände - Foto: Lafrentz

In der Natur ist das Pferd zu Hause. Trotzdem brauchen viele – gerade ältere – Pferde oft eine systematische Gewöhnung an das Reiten in der Natur. Idealerweise findet schon die Bodenarbeit im Außengelände statt und bietet so vom Boden aus die Möglichkeit, das Pferd mit vielen verschiedenen Situationen vertraut zu machen. Es lernt zum Beispiel Wasserstellen, unterschiedliche Böden und Begegnungen mit Radfahrern, Hunden und mit dem Straßenverkehr kennen. Bei ersten Ausritten im Schritt ist ein ruhiges, erfahrenes Führpferd von unschätzbarem Wert. Bald schon können die Ausritte mit dem Reiten von Übergängen, Wendungen und anderen Übungen wie Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen und Überstreichen kombiniert werden. Nach und nach erfolgen dann Ausritte auch in größeren Gruppen, mal hintereinander, mal nebeneinander. Für das Reiten im Verband bietet sich das erste Üben auf einem großen Außenplatz an. Dort kann auch das Gegeneinander reiten und das Wegreiten von der Gruppe zunächst im Schritt, später auch in Trab und Galopp geübt werden.

Für erste Sprünge im Gelände wird ein Außenplatz mit einladenden festen Hindernissen gewählt. Einfache Baumstämme sind für den Einstieg gut geeignet, weil sie auch bei niedriger Höhe vom Pferd ernstgenommen und entsprechend aufmerksam überwunden werden. Eine seitliche Begrenzung durch Fänge oder Flaggen verhindert ein Vorbeilaufen. Die Wege vor und nach dem Sprung sind gerade und lang genug zu wählen, damit die Aufgabe einfach bleibt. Komplexere Anforderungen wie Springen aus einer Wendung, am Hang oder in Verbindung mit einem Wechsel des Untergrundes kommen später hinzu, ebenso wie unterschiedliche Hindernistypen.

Hier gilt das Motto "So früh wie möglich, so oft wie möglich!". Es gibt für das Reiten in der Natur kein zu früh. Am Führzügel mit einem Voltigurt, später dann auch mit Sattel kann schon ab der ersten Reitstunde auf einem ruhigen und erfahrenen Pferd ein kleiner Spaziergang gemacht werden. Später kann zum Beispiel der Unterricht an der Longe auf dem Außenplatz stattfinden oder erste Ausritte auf dem Handpferd absolviert werden, bis dann bei entsprechender Sicherheit das freie Reiten im Gelände folgt. Die Entwicklung des leichten Sitzes steht bei der Ausbildung im Vordergrund – aus dem leichten Sitz heraus kann der Reiter sich schnell und geschmeidig an die wechselnden Situationen im Gelände anpassen. Auch erste Sprünge kann der lernende Reiter bereits am Führzügel kennenlernen. Niedrige Baumstämme überwindet das erfahrene Pferd im Schritt ohne echten Sprung – ideal um Vertrauen auf und Angst abzubauen. Die Nähe zum Ausbilder gibt Sicherheit und Kontrolle. Dadurch erleben gerade erwachsene Reitanfänger das Springen am Führzügel oder später an der Longe über kleine feste Hindernisse als positive Springerfahrung, auf die sie im weiteren Verlauf ihrer Ausbildung aufbauen können.

Entwicklung des leichten Sitzes - Grafik aus Richtlinien Band 1, FNverlag

Um einen längeren Ausritt oder eine Ausbildungseinheit im Gelände durchführen zu können, sind bezüglich der Planung und Organisation einige Punkte zu berücksichtigen:

  • Zusammenstellung der Gruppe: Diese sollte möglichst homogen in Bezug auf Ausbildungsstand und Fähigkeiten sein.
  • Basierend auf der Gruppe wird die Strecke ausgewählt und geplant. Die Auswahl richtet sich nach dem schwächsten Reiter-Pferde-Paar.
  • Information über Zeitpunkt, Strecke, erwartete Rückkehr, beteiligte Reiter und Pferde hinterlassen
  • Kontrolle der Ausrüstung von Reitern und Pferden
  • Kontrolle der Pferde (insbesondere Hufe, Gliedmaßen, Sattellage, Kopf)
  • Berücksichtigung von Wetter, Bodenverhältnisse, sonstige äußere Bedingungen (z.B. Treibjagd, Verkehrslage)
  • Bei längeren Ausritten sollten Pausen an geeigneten Stellen eingeplant werden, um die Pferde mit Wasser zu versorgen
  • Idealerweise werden vor dem ersten Ausritt theoretische Kenntnisse zum Reiten im Gelände vermittelt, wie das Verhalten in Gruppen, in Verbänden, im Straßenverkehr, im Wald, auf Wegen und in Notsituationen. Der Pferdeführerschein Reiten bietet hier einen entsprechenden Kompetenznachweis.

Reiten im Wald: Naturerlebnisse für Kinder


Reiten im Gelände: Wasserdurchritt

Ihr Ansprechpartner

Kathrin Krage

Tel: 02581/6362-120
Fax: 02581/6362-208

kkrage@fn-dokr.de

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Stand: 19.08.2020