Deutsche Reiterliche Vereinigung

Ehrenamt im Pferdesport

Die wichtigste Ressource des Vereins sind seine Ehrenamtler

Jeder Verein ist auf das ehrenamtliche Engagement seiner Mitglieder angewiesen. Es ist die wichtigste Ressource des Vereins. Durch ehrenamtliches Engagement und solidarische Zusammenarbeit gestalten die Mitglieder den Verein nach ihren Vorstellungen. Obwohl die ehrenamtliche Mitarbeit Grundvoraussetzung für das Funktionieren eines Vereins ist, gehört sie nicht zu den Mitgliederanforderungen. Doch wer sich ehrenamtlich engagiert, profitiert auch von seiner Arbeit: Freundschaft, Unterstützung, Ansehen, Anerkennung, persönliche Erfahrung und berufliche Bildung sind nur einige der positiven Aspekte, die die Vereinsarbeit mit sich bringt.

In vielen Pferdesportvereinen wird es trotz größter Anstrengungen immer schwieriger, genügend Ehrenamtliche für die Mitarbeit zu finden. Vor allem die zunehmende Individualisierung in unserer Gesellschaft ist für das ehrenamtliche Engagement wenig förderlich. zu wenig Zeit, Desinteresse, Angst vor allzu starker Einbindung und veralteten Vereinsstrukturen sind einige Gründe für Absagen. Es gilt also Wege und Möglichkeiten zu finden, die die ehrenamtliche Arbeit wieder aufwerten und attraktiv machen.

Ohne freiwilliges Engagement kommt kein Verein aus. Müssten alle Leistungen vergütet werden, wäre er ein reiner Wirtschaftsbetrieb, deren Leistungen für viele nicht mehr bezahlbar wären. Doch auch über die reine ökonomische Seite hinaus gibt es viele Gründe:

Wer ein Ehrenamt übernimmt, erhält damit nicht nur eine Verantwortung, sondern auch eine Möglichkeit zur aktiven Mitgestaltung. Er hat bei wichtigen Entscheidungen ein Mitspracherecht und kann sein Amt auch nach seinen eigenen Vorstellungen ausgestalten und wird zum Vorbild. Im Verein engagiert er sich für Menschen mit gleichen Interesse und erhält eine gute Grundlage, um neue Kontakte zu knüpfen: Gemeinsame Ziele verbinden und bringt die Leute zusammen. Organisatorischen oder handwerkliche Begabungen, die im Beruf und zu Hause oft nicht umgesetzt werden können, sind im Verein oft hoch willkommen. Der persönliche Erfolg und Spaß stehen dabei im Vordergrund.

Wie kann ich mich ehrenamtlich engagieren?
Viele schrecken davor zurück, gleich einen formellen Posten im Verein anzunehmen. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, sich in die Vereinsarbeit einzubringen. Freiwillige Helfer können Projekte wie die Organisation einer Weihnachtsfeier oder eines Reitturniers planen oder auch bei kleinen, ebenso wichtigen Aufgaben, wie der Kuchenverkauf am jährlichen Turnier, helfen.

Wie viel Zeit benötige ich als Ehrenamtler?
Die Zeit, welche für ein Ehrenamt benötigt wird, kann sehr unterschiedlich sein. Bevor man sich für eine Übernahme einer Tätigkeit in einem Pferdesportverein entscheidet, sollte man überlegen, wie viel Zeit in der Woche oder Monat für den Verein zur Verfügung stehen: Eine Arbeitsüberforderung schadet beiden Seiten. Ein derzeit amtierender Ehrenamtler hilft bei der Zeitplanung gerne weiter.

Von wem werde ich in meinen Aufgabenbereich eingearbeitet?
Nach Übernahme eines Ehrenamts sollte der Vorgänger seinen Nachfolger in die zukünftigen Aufgaben einweisen. Das Organisationshandbuch oder die verfassten Arbeitsanweisungen des Vereins geben eine weitere detaillierte Beschreibung der Tätigkeiten, an denen man sich orientieren kann. In jedem Fall gilt: Niemand kann erwarten, dass man einen neu übernommen Posten vom ersten Tag an perfekt ausfüllen kann.

Kompetenzgerangel gehört zu den größten Problemen in der Vorstandsarbeit – gerade in Vereinen, in denen viele Ehrenamtliche aktiv sind. Vermeiden lässt sich das nur durch klare "Arbeitsplatzbeschreibungen". Jeder muss wissen, was er in seiner Position entscheiden darf, wem gegenüber er weisungsberechtigt ist und an wen er sich bei welchen Fragen wenden soll und muss.

Kann ein Ehrenamt auch geteilt werden?
Die Vorstandsämter dürfen laut Satzung nur einmal besetzt werden. Dies bedeutet, dass ein bestimmtes Aufgabengebiet nur einer Person zugeordnet wird, der für diesen Bereich verantwortlich ist. Aufgrund der wachsenden und umfangreichen Aufgaben eines jeden Vereines ist es allerdings möglich, einen zweiten freiwilligen Engagierten zu finden, der dem eigentlichen Amtsträger in seiner Arbeit unterstützt. Die Arbeit kann dadurch auf mehrere Schultern verteilt werden und eventuelle Nachwuchskräfte herangezogen werden.

Ist Engagement auch ohne festes Amt möglich?
Es muss nicht gleich eine Ehrenamtsposition im Vorstand des Pferdesportvereins sein. Im Verein muss eine Menge an vielfältigen Aufgaben bewältigt werden, die zeitlich begrenzt und nicht von langer Dauer sind. Kleinere Projekte wie Waffeln verkaufen, Kuchen backen, Fotos bei Veranstaltungen schießen, einen Zeitungsartikel schreiben, Betreuung auf einem Ausflug oder das Mitwirken an großen Projekten wie die Organisation eines Turniers – jeder Helfer ist willkommen.

Ein freiwilliger Helfer in einem Verein kann die folgenden Dinge erwarten:

  • eine Tätigkeit mit einer sinnvollen Aufgabenstellung
  • Versorgung mit notwendigen Informationen
  • Informationen über die Belange und Ereignisse in der Organisation
  • Berücksichtigung der eigenen Wünsche
  • eine Struktur, die Lernen und Wachsen fördert
  • Einführung und Training
  • Unterstützung und Hilfe durch den Vorstand
  • Anerkennung der eigenen Leistung, auch bei einem kurzzeitigen Engagement
  • wenn möglich Unkostenerstattung

Allerdings übernimmt er auch eine Reihe von Pflichten. So muss er:

  • die eigenen Grenzen kennen
  • Absprachen akzeptieren
  • den Grundlinien der Organisation folgen
  • sich auf jede Arbeit vorbereiten
  • die Zeit sinnvoll einsetzen und akzeptieren, dass Training und Fortbildung notwendig sind
  • im Kreis der Vorstandschaft Probleme oder Unklarheiten ansprechen und klären
  • konstruktives Feedback geben
  • keine Geschenke oder Trinkgelder von Mitgliedern annehmen

 

 

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten sich innerhalb eines Ehrenamts weiter- bzw. fortzubilden. So vielfältig wie das Vereinsleben ist, sind auch die Angebote, die für eine bessere Umsetzung der Vereinsarbeit dienen.

Eine wichtige Möglichkeit ist die Ausbildung zum Übungsleiter. Die Grundlage dafür bildet die Ausbildung zum Trainerassistenten, Beritt- oder Wanderreitführer. Eine andere Möglichkeit, insbesondere für den Vorstand und andere Vereinsfunktionäre ist die Ausbildung zum Vereinsmanager Pferdesport.

Informationen zu allen Fortbildungsmaßnahmen gibt es auch bei den Landespferdesportverbänden.

Obwohl eigentlich alle Vereinsmitglieder vom Ehrenamt profitieren, wird es immer schwieriger, engagierte Freiwillige zu gewinnen. Das wachsende Angebot von Freizeitaktivitäten, berufliche Belastungen, aber auch die Angst vor schlecht zu kalkulierenden Risiken und hohem Aufwand lassen viele von einem Amt oder einer Aufgabe im Verein zurückschrecken. So ist es inzwischen oft notwendig geworden, aktiv auf Mitglieder zuzugehen und sie für das Ehrenamt zu begeistern, denn Ehrenamtsarbeit und freiwilliges Engagement machen Spaß und lohnen sich!

Wie motiviert man Mitglieder zum Mitmachen?
Bei dem Werben für ein Ehrenamt sollten die positiven Aspekte und der persönliche Nutzen der freiwillig Engagierten im Vordergrund stehen:

  • gemeinsame Ziele verbinden
  • Kontakte und wertvolle Beziehungen zu interessanten Menschen werden aufgebaut - der Pferdesportverein wird zu einer echten Heimat
  • Herausforderungen, bei denen die persönlichen Fähigkeiten erfolgreich eingesetzt werden, sorgen für ein hohes Maß an Zufriedenheit.
  • Es wird das gute Gefühl vermittelt, im Team auch mal "Unmögliches" möglich zu machen.
  • Es wird eine Abwechslung vom Alltagstrott geboten.
  • Es besteht die Chance, eine Aufgabe in Eigenverantwortung frei zu gestalten.
  • Es werden wichtige Erfahrungen im Umgang mit Menschen gesammelt.
  • Mitglieder können Ideen einbringen und gestalten – eine Idee zu haben, diese mit Vereinskollegen zu diskutieren und gemeinsam umzusetzen, wirkt oft über viele Jahre nach und ist ein Stück weit sogar mit dem eigenen Namen verbunden – Anerkennung tut gut und motiviert für weiteres Engagement.
  • Mitarbeit im Verein bietet die Möglichkeit, selber zu lernen und sich persönlich weiterzuentwickeln.
  • Eine ehrenamtliche Tätigkeit ermöglicht, im wahrsten Sinne des Wortes, etwas zu bewegen und das im Kreise Gleichgesinnter: viele Menschen arbeiten in Büros und freuen sich darauf, sich körperlich oder handwerklich zu betätigen.

Wie führt man Mitglieder in ein Ehrenamt ein?
Soll Arbeit Spaß machen, darf sie nicht gleich überfordern. Wer zunächst kleine Aufgaben an einzelne oder mehrere Personen überträgt und dabei auf die Wünsche und Bedürfnisse der Mitglieder eingeht, wird sie damit nicht überlasten.
In manchen Städten gibt es Freiwilligenagenturen und -börsen, die Menschen vermitteln, die sich gerne in ihrer Stadt ehrenamtlich engagieren und etwas bewegen wollen. Auch wenn eine gewisse Überzeugungsarbeit fast immer nötig sein wird - ein Mitglied, das zu einem Amt überredet werden muss, wird darin oft nicht glücklich werden und es im Zweifelsfall bald wieder niederlegen.

Wer kann für welches Amt angesprochen werden?
Je mehr ein Vorstand über die Begabungen, Fähigkeiten und Interessen seiner Mitglieder weiß, desto einfacher ist es auch die richtigen Kandidaten für ein Ehrenamt zu finden. Deshalb ist es beispielsweise sinnvoll einen Fragebogen zur Abfrage zu erstellen. Zunächst mag es sinnvoll erscheinen, Mitglieder anzusprechen, die das berufliche Know-How für bestimmte Aufgaben mitbringen. Viele Mitglieder könnten Spaß haben, ihre besonderen beruflichen oder andere spezielle Kenntnisse einzubringen. Andere Ehrenamtliche suchen jedoch einen Freizeitausgleich zu ihrem Beruf und somit eine Abwechslung zu ihrer normalen Tätigkeit. Genauso unterschiedlich wie die Motivationen und Hintergründe sind, genauso bunt und abwechslungsreich sind die Aufgaben im Verein. Seien Sie kreativ und setzen Sie Ihre Vereinsmitglieder anhand deren Interessen ein. Ein Fragebogen zur Ermittlung der bevorzugten Einsatzbereiche kann hier ebenfalls helfen.

Die Aufgaben müssen möglichst genau und detailliert beschrieben sein.

  • Es muss klar sein, wie viel Zeit pro Woche, pro Monat und insgesamt aufgebracht werden soll.
  • Die Vorstellungen des Vorstands an die Erfüllung der Aufgabe mitteilen.
  • Die mit der Aufgabe verbundene Verpflichtung muss genau formuliert werden.
  • Die für die Aufgabe zugrunde liegende Verantwortung muss klar festgelegt werden.
  • Mit der Wahrnehmung der Tätigkeit wird die Verantwortung übertragen.
  • Die eigenständige Erledigung der Aufgaben muss sichergestellt werden.
  • Die kompetente Einführung in die Tätigkeit muss gewährleistet werden.
  • Ein fester Ansprechpartner für Nachfragen muss zur Verfügung stehen.

Die Motivation erhalten

Auch wenn viele Mitglieder sich langjährig und freiwillig im Pferdesportverein engagieren, darf man ihre Arbeit nicht als selbstverständlich sehen. Mit einer Reihe von Maßnahmen kann ein Vereinsvorstand die Motivation erhalten, zum Beispiel:

  • Ehrenamtliche sollen an wichtigen Entscheidungsprozessen in der Vereinsarbeit teilnehmen. Das trägt zur Verbesserung der Zusammenarbeit bei.
  • Klare zeitliche Absprachen und eindeutige Stellen- und Aufgabenbeschreibung sind eine gute Voraussetzung für eine problemlose Kommunikation untereinander. Flexible Vorschriften werden besser angenommen als strikte Anweisungen.
  • Die Erstattung von entstandenen Ausgaben zeigt den engagierten Helfern, dass sie im Rahmen ihres Amts keine zusätzlichen Kosten haben.
  • Feiern und Veranstaltungen bieten einen guten Rahmen für eine emotionale und öffentliche Anerkennung der ehrenamtlichen Arbeit, z. B. durch Urkunden oder Wahl zum ehrenamtlichen Mitarbeiter des Jahres. Zudem sollte die Leistung der Ehrenamtler auch in der Öffentlichkeitsarbeit des Vereins ihren Niederschlag finden.
  • Tagungen, Seminare, Workshops, Fortbildung und bescheinigte Fähigkeiten helfen freiwilligen Helfern, sich weiterzuentwickeln und überprüfbare Qualifikationen zu erwerben.
  • Kommunikation ist wichtig! Wer sich über das Vereinsgeschehen oder Entscheidungszusammenhänge nicht ausreichend informiert, verliert schnell die Motivation. Deshalb muss genau festgelegt werden: Wer informiert wen worüber auf welche Weise und bis wann.
  • Sehr wichtig ist auch die eigene Einstellung des Vorstands zu Vereinsarbeit: Er muss Vorbild sein und allen zeigen, dass die Übernahme einer ehrenamtlicher Tätigkeiten Spaß macht und einen persönlichen Gewinn bringt.

 

Generell ist der Vorstand durch die Organhaftung nach § 31 BGB vor Haftungsdurchgriffen geschützt. Der Vorstand schließt Rechtsgeschäfte nicht in eigenem Namen, sondern im Namen des Vereins als dessen gesetzlicher Vertreter ab. Dies bedeutet, dass keine persönliche Haftung bei den typischen wirtschaftlichen Risiken der Vereinstätigkeit besteht.
Diese Haftung greift nur dann nicht, wenn das handelnde Vorstandsmitglied sich über eine im Vereinsregister eingetragene Haftungsbeschränkung hinweggesetzt oder offensichtlich außerhalb des Vereinszwecks handelt.

Zu welchem Zeitpunkt kann ich mein Amt niederlegen?
Die Geschäftsführung des Vorstandes endet im Allgemeinen mit dem Ablauf der Amtsperiode. Die Dauer der Amtszeit ist in der Satzung oder Geschäftsordnung niedergelegt. Ist dies nicht der Fall, können Sie die Amtsdauer bei einem Vorstandsmitglied erfragen und besprechen, gegebenenfalls auch neu vereinbaren. Für den Anfang kann der Einsatz auch zeitlich begrenzt werden.

Die Angst, nach Übernahme eines Ehrenamts nicht mehr aus der Verantwortung entlassen zu werden, ist also unberechtigt: Die Niederlegung des eigenen Amtes ist zu jedem Zeitpunkt mit einer Begründung möglich. Jedoch sollte man sich bewusst sein, dass ein frühzeitiger Ausstieg zu einer erheblichen Mehrbelastung und zu umfangreicheren Aufgabenbereichen seitens des Vorstandes führen kann. Die Absicht, ein Amt aufzugeben, sollte man also rechtzeitig bekannt geben.

Ihr Ansprechpartner

Flavia Lehmkämper

Tel: 02581/6362-239
Fax: 02581/6362-7239

flehmkaemper@fn-dokr.de

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Stand: 26.05.2020