Deutsche Reiterliche Vereinigung

Reiten für Erwachsene

Spät- und Wiedereinsteiger

Reiten ist eine Lifetime Sportart. Manche Teilnehmer an Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften sind älter als 60 Jahre – das gibt es in keiner anderen Sportart. Und tatsächlich ist es auch nie zu spät, mit dem Reiten anzufangen. Auch im späteren Erwachsenen-Alter können durch entsprechendes Training altersbedingte Einschränkungen und Leistungsrückgänge in Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit nicht nur aufgehalten, sondern wieder verbessert werden. 

Neben dem Alter sind immer auch die individuellen Faktoren wie Fitness, Lebensführung und Gesundheit beim Reiten lernen zu berücksichtigen. Wer generell viel Sport treibt, sich gesund ernährt und keine gesundheitlichen Einschränkungen mitbringt, lernt natürlich deutlich schneller reiten als ein übergewichtiger Bewegungsmuffel.

Familienausritt - Foto: Holger Schupp

Zu unterscheiden ist zwischen Spät- und Wiedereinsteigern. Bei Späteinsteigern handelt es sich um „echte“ Reitanfänger, die erst im Erwachsenenalter den Pferdesport für sich entdecken. Der Wiedereinsteiger ist oft im Vorteil, denn die im Kindesalter erworbenen Fähigkeiten bilden eine solide Basis, auf der aufgebaut werden kann. Dabei ist das Ziel beim Reiten lernen zumeist identisch: der Erwachsene möchte so gut reiten lernen, dass er sich möglichst konfliktfrei mit dem Pferd verständigen kann und sich auf dem Pferderücken wohl und sicher fühlt. Es geht also beim Reitunterricht für Erwachsene primär um die Vermittlung der Grundlagen von Horsemanship, Sitz und Einwirkung. Individuelle Ziele und Wünsche können darauf aufbauend angestrebt werden.

Pferde tun Menschen gut. Und zwar auf allen Ebenen. Der Umgang mit dem Pferd löst eine innere Freude aus, entspannt und fördert Konzentration und Aufmerksamkeit. Pferde kommunizieren non-verbal: wer sich mit dem Pferd harmonisch verständigen möchte, lernt durch Körperhaltung und Körpersprache klare, unmissverständliche Signale zu geben. Das stärkt die Wahrnehmung und das Selbstbewusstsein. Und der Umgang mit dem Pferd bringt Bewegung in das Leben. Beim Führen, Putzen, Pflegen und Versorgen kommt der Kreislauf in Schwung, werden alle großen Muskelgruppen aktiviert und gelockert.

Reiten ist im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten sehr symmetrisch: es werden beide Körperhälften gleichermaßen beansprucht und ohne Einseitigkeit trainiert. Beim Reiten wird der Körper dreidimensional bewegt: nach vorne und hinten, unten und oben, links und rechts. Das bringt erste muskelkräftigende Effekte besonders für die Rücken- und Bauchmuskulatur und bereits beim Schritt reiten. Später kräftigt das Reiten im Schritt, Trab und Galopp alle Muskelgruppen, fördert Gleichgewicht und Bewegungsgefühl und führt zu einer verbesserten körperlichen Leistungsfähigkeit.

Dr. Gero Kärst ist mit seinen mehr als 50 Jahren selbst aktiver Reiter und Späteinsteiger. Als Arzt ist er ein großer Befürworter des Reitsports auch im Alter. Voraussetzung ist für ihn einerseits genügend Grundkondition des Reiters und Aufwärmgymnastik vor dem Reiten, andererseits auch regelmäßiges Training. Und er nennt weitere positive Aspekte des Reitens: "Schon das Reiten in Harmonie mit dem Pferd im Schritt fordert bzw. fördert die komplexe statische Achse (Wirbelsäule/Becken) und trainiert so die Körperhaltung." Reiten ist überdies gelenkschonend: "Es ist wie beim Radfahren eine Entlastung von Hüfte, Knie und auch den Fußgelenken gegeben. Und auch Leichttraben ist sehr förderlich für die Gelenke durch die Zirkulationsanregung der Gelenkflüssigkeit", so Dr. Kärst.

Auch die soziale Komponente des Pferdesports darf nicht außer Acht gelassen werden. Geritten wird fast immer in einer Gruppe mit Gleichgesinnten. Neue Kontakte, fröhliches Beisammensein auch nach der Reitstunde und gemeinsame Unternehmungen außerhalb des beruflichen oder familiären Umfelds fördern das Wohlbefinden und die Freude am Reiten.

Immer mehr Menschen entscheiden sich erst spät im Leben für den Pferdesport und das Reiten. Die Gründe dafür sind vielfältig. Oft ist es der Wunsch nach einem eigenen Hobby, nachdem über viele Jahre die Bedürfnisse und Aktivitäten der eigenen Kinder im Vordergrund gestanden haben. Oder die erlangte finanzielle Unabhängigkeit ebnet ihnen den Weg zum Pferd. Und grundsätzlich ist es für das Reiten lernen auch nie zu spät.

Pferde üben nun mal auf alle Menschen eine große Faszination aus und laden zu den unterschiedlichsten Begegnungen ein. Ob beim gemütlichen Ausritt mit Freunden, beim intensiven Dressur- oder Springtraining oder bei einer Kutschfahrt durch schöne Landschaften – es gibt für jeden das passende Angebot zur Beschäftigung mit dem Pferd.

Einen besonders hohen Stellenwert hat gerade beim Späteinsteiger die Dreiecksbeziehung zwischen Reiter, Lehrpferd und Ausbilder. Nur wenn hier ein Vertrauensverhältnis herrscht, das Pferd gutmütig, gut ausgebildet und angenehm zu sitzen ist, können die Grundfertigkeiten des Pferdesportes sicher erlernt und gefestigt werden.

Doch egal, mit welcher Motivation der Erwachsene zum Pferd kommt, in einer Sache sind alle „Ü 40“ gleich: nachlassende konditionelle und koordinative Fähigkeiten erschweren das Erlernen neuer Bewegungen. Das kann zu Ernüchterung führen, denn ab einem gewissen Alter sind Fortschritte tatsächlich nur noch langsam zu erzielen. Umso wichtiger ist es, dass durch entsprechende Funktionsgymnastik und Ausgleichs- und Ergänzungssport die Grundfitness verbessert oder erhalten wird. Regelmäßiger Ausdauersport wie Schwimmen, Laufen oder Radfahren sowie gezielte Dehn- und Kräftigungsübungen unterstützen das Reiten lernen und verhelfen zu mehr Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit. Bei einigen Vorerkrankungen macht es übrigens durchaus Sinn, vor dem Start ins Reiterleben ärztlichen Rat einzuholen.

Im Vergleich zum Späteinsteiger ist der Wiedereinsteiger oft im Vorteil. Bewegungen, die bereits im Kindesalter erlernt und gefestigt wurden, sind im Gehirn abgespeichert. Mit ein bisschen Übung und dem passenden Setting - sprich Lehrpferd, Ausbilder, Lernumgebung – lässt sich in den meisten Fällen recht schnell wieder anknüpfen an bereits Gelerntes. Sportliche Techniken wie das Leichttraben etwa können schon bald wieder abgerufen werden. Da ist Reiten zum Glück wie schwimmen und radfahren - Einmal gelernt, bleiben die Bewegungsabläufe über viele Jahre im Gedächtnis.

Aufbauend auf die vorhandenen Grundlagen kann der Wiedereinsteiger dann in Absprache mit dem Ausbilder entsprechend seiner Motivation Ziele setzen. Das kann der mehrstündige Ausritt in einer Gruppe sein oder auch die Absolvierung eines Reitabzeichens. Die Möglichkeiten, sich auch im Alter mit dem Pferd sportlich zu betätigen sind vielfältig. Mit einem systematischen, kleinschrittigen Aufbau, dem passenden Lehrpferd und einem einfühlsamen Ausbilder stehen sie auch dem Erwachsenen bis ins hohe Alter offen.

Und wenn der Wiedereinstieg doch länger dauert als gedacht, weil die eigene Fitness zu wünschen übrig lässt, bieten sich auch hier gezielte Gymnastik und Ausdauersport zu Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit an. 

Ihr Ansprechpartner

Lina Sophie Otto

Tel: 02581/6362-177
Fax: 02581/6362-7177

lotto@fn-dokr.de

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Stand: 25.06.2020