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Veterinärmedizin - Tierschutz, Medikation, Arzneimittelrecht, Foto: Christiane Slawik

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Impfungen für Pferde

Gesundheitsvorsorge

Veterinärmedizin, Pferdesport, Pferdekrankheiten, Infektionsprophylaxe, Tiergesundheit, Tierschutz - Foto: Jürgen Stroscher

Neben pferdegerechter Haltung und Fütterung spielt die Gesundheitsvorsorge eine wichtige Rolle für die Leistungs- und Lebensfähigkeit des Pferdes. Nur noch selten leben Pferde in konstanten Pferdebeständen, sondern verlassen für Ausritte, Training oder Turnier den Stall und treffen in der Regel auch auf andere Pferde. Damit einhergehen die Immunabwehr schwächender Stress und die Wahrscheinlichkeit, sich mit neuen Krankheitserregern anzustecken. Eine Möglichkeit, sein Pferd und damit weitere Pferde zu schützen, ist die Impfung.

Gegen welche Krankheiten die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) die Impfung bei Pferden vorschreibt oder empfiehlt, lesen Sie hier:

Was bedeutet Impfen?
Impfen, im Sinne der Schutzimpfung, ist eine der ältesten medizinischen und zugleich erfolgreichsten prophylaktischen Maßnahmen, um Infektionen und Erkrankungen zu verhindern, auch wenn es um die Kontrolle und/oder die Unterbindung der Ausbreitung von bakteriellen oder viralen Infektionen geht. Impfen ist eine wichtige Maßnahme, um die Gesundheit von Pferden zu erhalten.

Was passiert beim Impfen?
Pferde haben wie alle Säugetiere ein Immunsystem, das sie vor Krankheitserregern schützt, die in den Körper eindringen. Zum einen wendet dieses System die Bildung von Antikörpern und Abwehrzellen als eine Abwehrstrategie an, zum anderen kann das Immunsystem Gedächtniszellen bilden, so dass es die gleichen Erreger auch nach Jahren noch erkennen und bekämpfen kann. Diese Fähigkeit ist die Grundlage für das Impfen. Die Impfung trainiert das Immunsystem zur Abwehr gegen spezifische Krankheitserreger, indem abgeschwächte oder abgetötete Erreger oder deren Bestandteile per Impfung in den Körper verbracht werden, auf die der Körper mit entsprechenden Abwehrmechanismen reagiert.

Wie wird geimpft?
Ein wirksamer Impfschutz beginnt mit der Grundimmunisierung. Sie besteht in Abhängigkeit vom verwendeten Impfstoff meist aus drei Impfungen. Auffrischungsimpfungen müssen in unterschiedlichen Zeitabständen vorgenommen werden, wie dies bei den einzelnen Impfstoffen aufgezeigt wird. Aufgrund der Immunverhältnisse des Saugfohlens sollte die Grundimmunisierung mit allen derzeit verfügbaren Impfstoffen nicht vor dem abgeschlossenen sechsten Lebensmonat erfolgen. Nach der Erstimpfung folgt nach sechs bis acht Wochen die zweite, nach sechs oder zwölf Monaten die dritte Impfung. Wird eine solche Auffrischungsimpfung versäumt, kann eine komplette Grundimmunisierung erforderlich werden.

Was ist beim Impfen zu beachten?
Für einen wirksamen Impfschutz, sind die vorgegebenen Impfintervalle einzuhalten. Damit der Körper des Pferdes auf die Impfung mit der optimalen Immunantwort reagieren kann, dürfen nur gesunde und parasitenunbelastete Tiere geimpft werden. Vor der Impfung ist das Pferd daher vom Tierarzt zu untersuchen und die Impffähigkeit festzustellen. Prinzipiell sollten Entwurmungen vor den Impfungen erfolgt sein. Nach der Impfung soll das Pferd einige Tage leicht bewegt werden.

Welche Impfungen bei Pferden müssen sein?
Es gibt zwei Impfungen, die ein Muss für Pferde sind: Die Impfungen gegen Tetanus und Influenza. Ob weitere Impfungen sinnvoll sind, ist zum einen seuchenabhängig wie beispielsweise im Falle der Tollwut. Hier ist eine Impfung nur in tollwutgefährdeten Regionen sinnvoll. Zum anderen ist es eine Frage der Wirksamkeit der Impfung und/oder des damit einhergehenden Impfzieles.

Ist die Impfung gegen Tetanus wirklich nötig?
Tetanus – auch Wundstarrkrampf genannt – ist eine bakterielle Infektion (Bakterium: Clostridium tetani), die über die Bildung eines Neurotoxins die muskelsteuernden Nervenzellen schädigt und häufig zum Tode führt. Das Bakterium kommt nahezu überall in der Umwelt – insbesondere im Boden – vor und gelangt in der Regel durch Wunden in den Organismus. Pferde sind besonders anfällig für das Toxin dieses Bakteriums. Die Impfung gegen Tetanus bei Pferden ist eine Selbstverständlichkeit. Ein Unterlassen der Tetanusimpfung verstößt gegen den Tierschutz und ist unverantwortlich, da die Impfung der einzig wirksame Schutz gegen die Erkrankung an Tetanus ist.

Warum ist die Influenza-Impfung so wichtig?
Die Influenza ist eine Virus-Erkrankung des gesamten Atmungsapparates. Sie ist hoch ansteckend und gefährdet ganze Bestände vor allem nicht oder nicht korrekt geimpfter Pferde. Die Symptome sind starker Husten, hohes Fieber, Nasenausfluss und geschwollene Lymphknoten. Im Extremfall führt die Influenza zu chronischem Husten und bleibenden Schäden am Atemweg. Influenzaviren sind weltweit verbreitet. Alljährlich erkranken Pferde auf Grund einer Infektion mit diesen Viren, zumeist handelt es sich in diesen Fällen um nicht geimpfte Pferde. Teilweise erkranken auch geimpfte Pferde, vor allem dann, wenn sie mit Impfstoffen geimpft wurden, die nicht die aktuell kursierenden Influenzaviren enthalten. Grund dafür ist die Fähigkeit dieser Viren, ihre immunogenen Eigenschaften von Zeit zu Zeit zu verändern. Daher sind wiederkehrende Überprüfungen von den Proben der Atemwege erkrankter Pferde untersuchter Viren notwendig, um die aktuell im Feld verbreiteten Virenstämme zu erfassen, die verfügbaren Impfstoffe hinsichtlich ihrer immunitätsbildenden Fähigkeit zu überprüfen und/oder gegebenenfalls neue Impfstämme in die Impfstoffe zu übernehmen.

Wieso gibt es die Influenza-Impfpflicht für Turnierpferde?
Für Pferde, die am Turniersport teilnehmen, schreibt die FN die Influenza-Impfung nach erfolgter Grundimmunisierung alle sechs Monate vor. Der Grund ist einfach: Die Impfung gegen Influenzavirusinfektionen ist nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft die einzige Maßnahme, um speziell bei Pferden im Sport, die Infektion, das Auftreten der Erkrankung und deren Ausbreitung zu verhindern. Geregelt ist die Impfvorschrift in der Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO), § 66 Allgemeine Teilnahmebeschränkungen von Pferden. Nähere Informationen finden sich in den Durchfuehrungsbestimmungen

Kann man gegen Herpes impfen?
Bei Pferden in der ganzen Welt kommen mehrere Herpesviren mit unterschiedlichen Krankheitsmöglichkeiten vor. All diese Infektionen verlaufen latent, d. h. auch wenn das einmal infizierte Pferd nicht erkrankt, bleibt es über lange Zeiträume Virusträger und -ausscheider und somit eine permanente Infektionsquelle. Die für Pferde in Zusammenhang mit dem Thema Impfung relevanten Equinen Herpesviren sind EHV1, das in erster Linie den Virus-Abort verursacht, und EHV4, der Erreger einer Atemwegsinfektion vor allem bei Absetzfohlen und jungen Pferden. Im Gegensatz zur Influenzainfektion, bei der das Pferd entweder nach überstandener Infektion oder Impfung mit schutzverleihender Immunität nach einer gewissen Zeit wieder frei von Virus ist, bleiben einmal mit Herpes infizierte Pferde ein Leben lang Virusträger und Ausscheider. Das trifft auf rund 80 Prozent aller Pferde weltweit zu. Dies ist derzeit durch keine Impfung zu beeinflussen.
Der einzige verfügbare, in Deutschland zugelassene Impfstoff auf Basis eines EHV1-Lebendvirus bewirkt im geimpften Pferd lediglich die Bildung von Antikörpern, die die klinischen Symptome einer Atemwegsinfektion abmildern und zur Reduktion der Virusausscheidung aus dem Atemweg beitragen sollen. Diese Impfung bewirkt keinen zuverlässigen Immunschutz des Pferdes. Sie führt zwar zur Bildung von Antikörpern, kann aber die Infektion, die Viruslatenz und den Ausbruch der Erkrankungen ebenso wie die Virusausscheidung entweder über den Atemweg oder im Falle des Abortes über sämtliche Nachgeburtsteile nicht verhindern. Trotz Impfung bleibt also ein unkalkulierbares Infektionsrisiko sowohl für das geimpfte Pferd sowie alle mit diesem Tier in Kontakt kommenden Pferde.
Nach aktuellem Wissenstand ergibt sich folgendes Fazit: Der in Deutschland verfügbare Impfstoff EHV1-Lebendvirus verfügt wegen mangelnder Wirksamkeit seit Jahren nicht mehr über die Zulassung zur Verhinderung des Virus-Abortes. Es gibt keinen Impfstoff, der vor Herpesinfektion und/oder dem Ausbruch der Erkrankung schützt. Aus diesen Gründen gibt es auch keine Impfverpflichtung gegen Herpes für Sport- bzw. Turnierpferde, wie es sie gegen Influenza gibt. Gegen Influenza stehen Impfstoffe zur Verfügung, die den Anforderungen an Immunschutz verleihende Impfstoffe – im Gegensatz zu Herpes – auch wirklich entsprechen. Dies gilt sowohl für den Lebendimpfstoff als auch für sogenannte inaktivierte Impfstoffe. Somit bleibt es jedem Pferdebesitzer selbst überlassen, ob er sein Pferd gegen EHV impfen lassen will.

Impfempfehlung für Pferde in der Übersicht: 

Tetanus Influenza


Impfen

ja ja (für Turnierpferde verpflichtend)
Grundimmunisierung

1. Impfung: im Alter von abgeschlossenem 6. Lebensmonat

2. Impfung: 6-8 Wochen nach1. Impfung

3. Impfung: 12 Monate nach 2. Impfung

1. Impfung: im Alter von 6 Monaten


2. Impfung: 6-8 Wochen nach 1. Impfung

3. Impfung: 5-7 Monate nach 2. Impfung

Auffrischungsimpfung

Wiederholungsimpfungen im Abstand von 5 Jahren

Wiederholungsimpfungen im Abstand von 6 Monaten

Ansprechpartner

Foto von Angelika Stephan

Angelika Stephan

Tel 02581/6362-237
Fax 02581/6362-543

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