Weltreiterspiele 2018: Teams, Zeitplan, News
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Disziplinen - Vielseitigkeit, Foto: Ronald Hogrebe

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Sicherheit in der Vielseitigkeit

Vielseitige Ausbildung, Ausrüstung, Geländeaufbau und medizinische Versorgung

Das Thema Sicherheit spielt in der Vielseitigkeit schon lange eine wichtige Rolle. Entsprechend hat sich der Sport über die Jahrzehnte verändert. Den stärksten Wandel erfuhr die Disziplin Anfang 2000. Die Entwicklung führte weg vom Ausdauersport mit Schwerpunkt Gelände hin zu einem echten Mehrkampf aus den drei nahezu gleichwertigen Teilprüfungen Dressur, Springen und Geländeritt. Die Strecken wurden verkürzt, das Regelwerk und die Qualifikationskriterien verschärft, die Ausrüstung von Reiter und Pferd verbessert. Dieser Prozess wird seither fortgeführt und alle sicherheitsrelevanten Faktoren des Sports regelmäßig auf den Prüfstand gestellt.

Bereits 1999 wurde vom Weltreiterverband das FEI-Safety Committee zur Verbesserung der Sicherheit im Sport gegründet. 2007 wurde ein entsprechendes Vielseitigkeits-Sub-Komitee eingerichtet. Seit 2008 beruft jede nationale Pferdesportföderation einen "National Safety Officer" (für Deutschland Philine Ganders-Meyer). Diese treffen sich mindestens einmal jährlich zum Austausch.

In Deutschland befasst sich seit 2013 eine Task Force Sicherheit Vielseitigkeit mit mehreren Expertengruppen mit den sicherheitsrelevanten Fragen des Sports, wie Ausbildung, Humanmedizinische Versorgung und Protektoren, Veterinärmedizin, Geländeaufbau und Regelwerk. Seit 2015 ist die Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport im Rahmen ihres Projekts "Mit SICHERHEIT besser reiten" maßgeblich an der Umsetzung der diversen Sicherheitsmaßnhamen beteiligt. 

Gute Ausbildung bedeutet aktive Sicherheit
Gute Ausbildung sorgt für Sicherheit - Foto (c) Jürgen Stroscher

Die wichtigste und beste Maßnahme in Sachen Sicherheit im Pferdesport ist eine gute Ausbildung von Reiter und Pferd. Die Entwicklung der Vielseitigkeit zum Dreikampf ging einher mit einer besseren Ausbildung der Vielseitigkeitsreiter in den Spezialdisziplinen und sorgte gleichzeitig für eine bessere Geländeausbildung. „Kamikaze“-Reiter haben in dieser Sportart keine Erfolgschancen. Ein guter Geländereiter zeichnet sich vor allem durch die Fähigkeit aus, reflexartig Sitz und Position zu korrigieren. Welche Sitzpositionen es im Gelände gibt und worauf dabei zu achten ist, zeigt das im Februar 2018 erschienene LehrvideoChris Bartles Geländetraining – Der sichere Sitz“. Der Reiter sollte einen Sitz einnehmen, der ihm ein Maximum an Sicherheit bietet und seinem Pferd gleichzeitig die Chance gibt, sowohl über dem Sprung als auch beim Landen das Gleichgewicht zu behalten.

Ebenfalls auf die Erfindung des ehemaligen Bundestrainers geht der "Rock on Ruby“ zurück, ein wie eine Wippe funktionierendes Gerät, das bei Kader-Lehrgängen am DOKR-Bundesleistungszentrum regelmäßig zur Schulung von Sitz und Gleichgewicht in verschiedenen Sitzpositionen eingesetzt wird.

Neben Lehrgängen am DOKR, die in der Regel den Kaderreitern vorbehalten sind, bieten die FN-Abteilung Ausbildung und Wissenschaft und der Bereich Persönliche Mitglieder (PM) auch offene Seminare für Ausbilder und Reiter zum sicheren Reiten im Gelände an. Dazu gehören auch Empfehlungen zur richtigen Ausrüstung (u.a. Zäumung, Bügellänge, Sattelbeschaffenheit).

Es wird außerdem empfohlen, für Einsteigerprüfungen Geländebesichtigungen mit einem erfahrenen Trainer anzubieten. Die sorgfältige Besichtigung der Geländestrecken ist eine wichtige Voraussetzung für den sicheren Ritt.

Fitness der Pferde
Verfassungsprüfung - Foto (c) Ronald Hogrebe

Durch die Entwicklung des Sports haben sich die Anforderungen an Vielseitigkeitspferde verändert. Gefragt sind vielseitige Talente mit guter Veranlagung für Dressur und Springen sowie Galoppiervermögen, Mut und Leistungsbereitschaft. Auch wenn die Ausdauer im modernen Vielseitigkeitssport eine etwas geringere Rolle spielt als noch vor 20 Jahren, ist eine gute Kondition von Pferd und Reiter nach wie vor eine wichtige Voraussetzung für einen sicheren und gelungenen Ritt. Die Verfassung der Pferde wird bei Vielseitigkeitsturnieren gleich mehrfach durch die Richter und Tierärzte kontrolliert: noch vor der Dressurprüfung sowie nach dem Geländeritt. Damit soll sichergestellt werden, dass nur Pferde an den Start gehen, die fit für den Einsatz sind.

Fitness der Reiter
Sicherheit durch Fitness - Foto (c) Stefan Lafrentz

In unserer bewegungsarmen Zeit kommt der Kontrolle der Reiterfitness eine immer größere Bedeutung zu. Seit 2010 wird beim Bundesnachwuchschampionat Vielseitigkeit und – heute auch bei der Goldenen Schärpe – als sechste Disziplin ein Konditionstest der Reiter in Form von Geländelauf oder Schwimmen verlangt. Ziel ist es, gerade den Nachwuchsreitern die Wichtigkeit der eigenen Fitness bewusst zu machen und diese zu verbessern. Mitglieder der Bundeskader sind darüber hinaus seit 2012 verpflichtet, jährlich einen sportmotorischen Test zu absolvieren, aus dem ein individuelles Trainingsprogramm für jeden abgeleitet wird.

Da gerade bei Geländeprüfungen die Leistungsfähigkeit des Reiters eine ebenso große Rolle spielt die des Pferdes, haben Mannschaftsarzt Dr. Manfred Giensch und Mannschafts-Psychologin Dr. Gaby Bussmann Leitfäden zu den Themen Ernährung und mentale Stärke in Prüfungssituationen erstellt. Diese gibt es als Anlage unten auf dieser Seite.

Im Falle eines Falles
Falltraining - c) Foto Kaup

Wer gelernt hat, sich bei einem Sturz reflexartig und geschickt abzurollen, kann Verletzungen vermeiden oder zumindest reduzieren. Bereits 2008 wurde ein Übungs- und Trainingsprogramm zum Reflex- und Falltraining für (Vielseitigkeits-)Reiter entwickelt. In vielen Landespferdesportverbänden wird dieses Falltraining im Rahmen der Kaderlehrgänge angeboten, darüber hinaus gibt es auch private Initiativen einzelner Reitvereine. Besonders bewährt hat sich die Kooperation mit Trainern asiatischer Kampfsportarten, wie zum Beispiel Judo, bei denen das richtige Fallen Bestandteil der Grundausbildung ist.

Ausrüstung Pferd und Reiter
Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport

Zusätzlich zur guten Ausbildung und körperlichen Fitness lässt sich durch die entsprechende Ausrüstung die Sicherheit von Reiter und Pferd erhöhen. Das Tragen eines Helmes (bruch- und splittersicherer Reithelm mit Drei- beziehungsweise Vierpunktbefestigung im Gelände) ist schon seit vielen Jahren Vorschrift. Dabei wird der Sicherheitsstandard immer weiter erhöht und unter maßgeblicher Beteiligung des TÜVs, des DIN-Normenausschusses und der FN regelmäßig weiter entwickelt und verbessert. Seit 2000 ist im Gelände auch das Tragen einer Schutzweste vorgeschrieben, seit 2008 wird der höchste Sicherheitslevel "3" empfohlen. Häufig werden diese mit Airbagwesten kombiniert (EN 1621:4), die sich im Falle eines Sturzes aufblasen und dadurch einen besseren Schutz gewährleisten. Empfehlungen Aktuell zur optimierten Anpassung der Ausrüstung gibt es als Anlage zu dieser Seite.

 Die Ausrüstung wird insbesondere unter Sicherheitsaspekten ständig weiterentwickelt. Beratend wirkt hier eine Forschungsgruppe der Uniklinik Hamburg-Eppendorf unter dem Vorsitz von Prof. Norbert Meenen und unter Beteiligung von DOKR-Mannschaftsarzt Dr. Manfred Giensch.

Medizinische Betreuung
Notfallversorgung - Foto (c) Ronald Hogrebe

Als Mindestanforderung für Geländeprüfungen schreibt die LPO (§ 40) die Anwesenheit eines Sanitätsdienstes (mindestens eine Person mit der Mindestqualifikation "Sanitätshelfer") plus eines Arztes vor, der seit 2013 auch zwingend Erfahrung in der Versorgung schwererer Verletzungen mitbringen muss. Bei Vielseitigkeitsprüfungen wird diese Mindestanforderung in der Regel übererfüllt. Die FN hat Checklisten zur Einsatzabsprache zwischen Veranstalter und Arzt/Sanitätsdienst erstellt, die regelmäßig aktualisiert und optimiert werden.

Der Verbesserung der medizinischen Notfallversorgung hat sich auch der Club Deutscher Vielseitigkeitsreiter (CDV) auf die Fahnen geschrieben. Der CDV bietet regelmäßige Fort- und Ausbildungen von Turnierärzten an (www.ärzte-im-reitsport.de). 

Ein spezielles Lehrvideo für Turnierärzte, Sanitäter und Vielseitigkeitsveranstalter informiert über die Abläufe im Notfall, demonstriert die Ausrüstung und gibt hilfreiche Tipps für eine die Organisation der Notfallvorsorgedienste. Der Film kann über den FN-Shop angefordert werden.

Veterinärmedizinische Betreuung
Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport

Bei allen Prüfungen im Gelände gilt laut LPO, dass grundsätzlich ein Tierarzt während der gesamten Prüfung anwesend sein muss. Auch diese Auflage wird bei Vielseitigkeitsprüfungen meistens übererfüllt.

Verfassungsprüfungen dienen der gesundheitlichen Überprüfung und damit der Sicherheit des Pferdes zu Beginn der Veranstaltung und nach dem Geländeritt. Diese offiziellen Vet-Checks sind fester Bestandteil der Prüfung.

Darüber hinaus werden insbesondere die im Spitzensport eingesetzten Pferde regelmäßig „sportmedizinischen Gesundheitsüberprüfungen“ unterzogen, um sicher zu stellen, dass nur gesunde und von ihrer Konstitution den Anforderungen gewachsene Pferde trainiert und in den Prüfungen eingesetzt werden. Ein Forschungsprojekt zur Leistungsdiagnostik von Pferden inklusive Laktat-, Temperatur- und Pulsfrequenzmessung wurde bereits vor einigen Jahren eingerichtet. Die Daten sind pferde- und personenbezogen und stehen den Reitern zum persönlichen Gebrauch zur Verfügung. Ziel ist es, das Training und den Kenntnisstand über den konditionellen Zustand des Pferdes zu optimieren und damit Ermüdungserscheinungen vorzubeugen.

Um die Todesursache verunglückter Pferde besser zu erforschen und daraus ggf. Präventionsmaßnahmen ableiten zu können, wurde 2015 eine obligatorische Obduktion verunglückter Pferde in allen Disziplinen eingeführt (das Einverständnis der Besitzer vorausgesetzt). Die Kostenübernahme erfolgt durch die FN.

Sicherheit durch Geländeaufbau

Konstruktion und Design

Die passende Deko trägt zur Sicherheit bei. Beispiel aus FN-Broschüre

Der moderne Geländeaufbau hat als oberstes Ziel, Stürze aller Art zu vermeiden. Gefragt sind Rittigkeitsaufgaben, wie insbesondere sehr schmale oder versetzte Hindernisse, die im Fehlerfalle nach Möglichkeit ein Vorbeilaufen oder eine Verweigerung, jedoch keinen Sturz provozieren.

Durch die Abschaffung von Rennbahn und Wegestrecken wurde die Gesamtstrecke der Geländeprüfung drastisch vermindert und damit der Ausdaueraspekt einer Vielseitigkeitsprüfung verringert.

Ein Parcourschef hat viele Möglichkeiten, auf die Sicherheit Einfluss zu nehmen, z.B. durch

  • die Profile der Hindernisse (z.B. runde oder angeschrägte Fronten, etc.)
  • den Standort der Hindernisse (z.B. am Hang, auf gebogener Linie, vom Dunklen ins Helle, etc.)
  • den Zeitpunkt („Das richtige Hindernis zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle“)
  • Heckensprünge (sind immer Sicherheitssprünge, da meistens der feste Teil tiefer als die eigentliche Sprunghöhe liegt; springt ein Pferd einmal nicht hoch genug, kann es durch die Hecke „wischen“)
  • die Dekoration (Optische Verbesserung durch z.B. Blumen, Bäumchen und andere Dekorationselemente)

Zu nennen sind in diesem Zusammenhang auch die Entwicklung von Richtlinien in der FN-Broschüre "Der Geländeaufbau" und die "Dokumentation der Geländestrecke der WM Aachen unter Sicherheitsaspekten".

Sicherheitshindernisse
MIM-Sicherheitssystem - Foto: FN

Der Geländekurs zeichnet sich traditionell durch seine naturähnlichen festen Hindernisse aus. Seit einigen Jahren befinden sich verschiedene Sicherheitsmaterialien und Zubehörteile entweder schon im Einsatz oder in der Erprobung, die ein Abwerfen oder eine Deformation des Hindernisses hervorrufen. Dazu zählen insbesondere der in Schweden entwickelte MIM-Clip sowie die vorwiegend in Großbritannien verwendete Sicherheitspins. Die Kosten für diese MiM-Systeme werden seit 2015 komplett von der Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport getragen. Bis Mitte 2018 wurden 145 Veranstaltungs- und Trainingsorte mit 550 MiM-Systemen ausgestattet.

Das MIM-System wird bislang vorwiegend bei Steilsprüngen und offenen Oxer angewandt. Weniger verbreitet ist das Patent bei Ecken- und Tischsprüngen. Ein im DOKR-Gelände befindlicher MIM-Tisch wurde während einer Prüfung im Frühjahr 2018 erstmals ausgelöst. Ein Video (siehe Video) beweist die Wirksamkeit des Systems, ein ansonsten sehr wahrscheinlicher Sturz wurde vermieden.

Ein weiteres Sicherheitssystem, das sich in der Praxis und durch den kostengünstigen Einbau bewährt hat, ist das nach seinem Erfinder benannte Klengel-System. Dies ist jedoch noch nicht FEI zertifiziert, daher nur in nationalen Prüfungen zugelassen und wird aktuell u.a. mit den Forschungsmitteln der Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport von der Hochschule Nürtingen Geislingen getestet, weiterentwickelt und auf eine FEI-Zertifizierung vorbereitet. Das unter Federführung des internationalen Parcourschefs Gerd Haiber weiterentwickelte „Klengel 2.0“-System“ bewirkt ein durch Federspannung verursachtes beschleunigtes Herunterfallen der Stangen.

Darüber hinaus hat der ehemalige Championatsreiter Christian Zehe Modelle für weitere Hindernistypen entwickelt, wie beispielsweise einen Baumstamm mit Kippmechanismus oder eine mit Magneten verbundene offene Ecke. Wille und Erfindergeist sind also an vielen Stellen vorhanden, um die Geländeritte auf immer sicherere Füße zu stellen.

Geländesicherheit ist Teamwork
Parcourschef und TD - Foto (c) Ronald Hogrebe

Die Verantwortung für den Geländeaufbau liegt nicht beim Parcourschef allein, dieser wird – seit 2013 auch national - von sogenannten Technischen Delegierten unterstützt. Dieser überprüft die Qualifikationen der Reiter und hat die Aufgabe, die Prüfungsplätze und insbesondere die Geländestrecke hinsichtlich Schwierigkeitsgrad und Sicherheit der Hindernisse bei den Vorbesichtigungen zu beurteilen, sich mit dem Parcourschef zu beraten und sie dann gemeinsam mit der Richtergruppe abzunehmen. Die Freigabe des Kurses obliegt dann der Richtergruppe. Damit beschäftigen sich bereits im Vorfeld der Geländeprüfung viele fachkundige und mehrfach geschulte und geprüfte Personen mit den Geländestrecken. Das kann auch bedeuten, dass oft noch kurz vor dem Start (aber auch während der laufenden Prüfung) etwas am Kurs geändert wird, z.B. können bei entsprechenden Witterungsverhältnissen Hindernisse komplett aus der Prüfung genommen werden. Intensive regelmäßige Schulungsmaßnahmen der Richter, TD und Parcourschefs werden sowohl seitens der FN als auch der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) angeboten. Nicht zuletzt sorgen obligatorische Reitervertreter bei internationalen Prüfungen dafür, dass die Wünsche der Aktiven bei den Verantwortlichen Gehör finden.

Während des Geländeritts sind neben der eigentlichen Richtergruppe eine große Anzahl von Hilfsrichter im Einsatz, die die einzelnen Hindernisse beobachten und die Ritte dokumentieren und an Kontrollzentrum weitergeben. Seit 2018 gibt es eine Hindernisrichter-App für iPhone und Android-Smartphones geschaffen, mit deren Hilfe sich Hindernisrichter auf ihre Aufgabe vorbereiten und in bestimmten Situationen Rat holen können.

Sicherheit durch Qualifikation
Nur dafür qualifizierte Reiter dürfen an den Start gehen - Foto (c) Martin Förster

Jeder Reiter muss bestimmte Vorleistungen bringen, wenn er an Vielseitigkeitsprüfungen teilnehmen und in die nächsthöhere Klasse wechseln will.

Seit 2000 reicht als Vorleistung die Beendigung der Prüfung alleine nicht aus. Eine erbrachte Leistung zählt nur dann als Qualifikationsergebnis (international MER), wenn der Reiter nach einer passablen Dressur (mindestens 50 Prozent) fehlerfrei im Gelände bleibt und nicht mehr als vier Abwürfe im Springen hat. Zur Erfassung der Qualifikationsergebnisse hat die FEI eine Datenbank eingerichtet, in der die Starts aller Reiter/Pferde mit allen Ergebnissen dokumentiert werden, z.B. auch, wenn eine Prüfung nicht beendet wurde.

Seit 2013 gilt außerdem für internationale Prüfungen die „Reverse Qualification“: Bei mehr als zweimaligem Ausscheiden in Folge oder dreimaligem innerhalb von zwölf Monaten wird das betreffende Pferd/der betreffende Reiter durch die FEI der FN gemeldet und ggf. „zurückgestuft“ und muss erst wieder Vertrauen auf niedrigerem Niveau gewinnen. Für erfahrene Reiter ist ein solches Verhalten in den allermeisten Fällen ohnehin selbstverständlich.

National wurde mit der LPO 2018 eine verschärfte Qualifikation für Vielseitigkeits- und Geländeprüfungen der Klasse L eingeführt.

Watchlist
Reiter auf der Watchlist stehen unter Beobachtung - Foto (c) R. Hogrebe

Seit 2014 haben der Technische Delegierte (TD) und die Richtergruppe die Möglichkeit, „auffällige“ Reiter unter künftige Beobachtung zu stellen. Die „Watch List" wird bei der FN geführt und allen TDs vor der nächsten Veranstaltungen mitgeteilt. Der nächste TD kann dann entweder – bei gutem Reiten – den Reiter wieder von der Watch List entfernen lassen oder – bei wiederholt unbefriedigendem Reiten – eine Empfehlung für das weitere Vorgehen geben (z.B. Brief d. FN/LK mit der Empfehlung um Rückstufung, Abstimmung von Geländetraining usw.). Eine Veröffentlichung der Watch List erfolgt nicht.

Debriefing

Nach dem Turnier ist vor dem Turnier

Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport

Neu eingeführt wurde im Jahr 2014 das sogenannte Debriefing. Zur Analyse der Geländeprüfung organisiert der TD im Anschluss an die Geländeprüfung verpflichtend eine Feedback-Runde mit dem Parcourschef, den verantwortlichen Richtern und ein bis zwei erfahrenen Reitervertretern, um wichtige Erkenntnisse zum Geländeaufbau der Prüfung, aber auch zum Geländeaufbau im Allgemeinen zu sammeln. Diese werden dann über den TD-Bericht an LK und FN weitergegeben.

Safety first gilt auch fürs Regelwerk
Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport

Reiter und Pferde können auch aus Sicherheitsgründen jederzeit von einer Prüfung ausgeschlossen werden. Gemäß Regelwerk führt zum sofortigen Ausschluss eines Reiters:

  • ein Sturz des Pferdes
  • ein Sturz (Herunterfallen) des Reiters
  • die dritte Verweigerung am selben Hindernis oder auf dem Kurs
  • Gefährliches Reiten (mangelnde Kontrolle, Erschöpfung Pferd/Reiter) kann mit 25 Strafpunkten geahndet werden oder direkt zum Ausschluss führen.
  • Nach entsprechender Entscheidung durch die Richtergruppe:
  • Teilnehmer mit stark herabgesetzter Leistungsfähigkeit (z.B. nach schwerem Sturz) oder offensichtlichem Unvermögen oder unvorschriftsmäßiger Ausrüstung
  • Pferde, die den Anforderungen offensichtlich nicht gewachsen sind, z.B. nach schwerem Sturz, oder Pferde, die vor oder im Verlauf der Prüfung für lahm befunden werden oder bei Erschöpfung des Pferdes
  • Pferde, die sich im Verlauf einer LP oder auf dem Vorbereitungsplatz mehrfach der Einwirkung des Teilnehmers entziehen.

Diese Regeln lassen sich jederzeit erweitern. Dazu werden regelmäßig auch sicherheitsorientierte Regelwerksdetails aus dem Ausland studiert, bezüglich ihrer Tauglichkeit für den nationalen Sport eingeschätzt und ggf. umgesetzt.

2014 wurden national die Sanktionsmaßnahmen bei gefährlichem Reiten erweitert. Wurde bisher dieses Verhalten je nach Schwere mit Ausschluss oder Vergabe von 25 Strafpunkten geahndet, können nun in minder schweren Fällen 10 Strafpunkte vergeben werden.

Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport
Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport

Die Umsetzung all dieser genannten Maßnahmen - von der Entwicklung deformierbarer Hindernissen, der Ausstattung von Vielseitigkeitsstrecken mit MIM-Sicherheitselementen über die Verbesserung der Notfallversorgung, der Anschaffung eines Lehrgeräts für Falltraining bis hin zur Videoanalyse von Stürzen und Beinah-Stürzen - kostet Geld. Ermöglicht wird das u.a. durch die Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport, die für das Projekt „Mit SICHERHEIT besser reiten“ die Schirmherrschaft übernommen hat und das Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR) drei Jahre lang in dem Bemühen unterstützt, die Sicherheit im Pferdesport zu verbessern. Verbesserungen in der medizinischen Notfallversorgung werden darüber hinaus durch das Benjamin-Winter-Spendenkonto finanziert, außerdem sind die Persönlichen Mitglieder (PM) Partner des Projekts.

Ansprechpartner

Foto von Philine Ganders-Meyer

Philine Ganders-Meyer

Tel 02505/927903

E-Mail

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