Europameisterschaften 2017 - News, Teams, Zeitplan
Pikeur & Eskadron - Hauptsponsor der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V. (FN) - Bundesverband für Pferdesport und Pferdezucht
Veterinärmedizin - Tierschutz, Medikation, Arzneimittelrecht, Foto: Christiane Slawik

Anmelden

Melden Sie sich an, um im FN-Shop zu bestellen oder die vielen Vorteile einer Persönlichen Mitgliedschaft zu nutzen.

Hygiene im Stall und auf dem Turnier

Gesundheitsvorsorge

Zur grünen Saison stehen bei Reitern und Pferden Trainingseinheiten als Turniervorbereitungen auf dem Programm. Verantwortungsvolle Turnierteilnehmer haben aber auch das Thema Hygiene auf dem Schirm. Denn Turniere bedeuten auch das Aufeinandertreffen von Pferden aus verschiedenen Beständen und damit ein Risiko für die Gesundheit der Vierbeiner. Wie man sein Pferd und auch die der anderen vor ansteckenden Krankheiten schützen kann, darum geht es in diesem Beitrag.

Grundsätzlich beginnt das Hygiene-Management schon im heimischen Stall mit dem Ziel, einen optimalen Gesundheitsstatus der Pferde in guter Kondition, mit starkem Immunsystem zu gewährleisten sowie dem Ziel, die pathogenen Erreger im Stall und seiner Umgebung stetig zu verringern.

Das Schlagwort in diesem Zusammenhang ist „Biosecurity“ beziehungsweise „Biosicherheit“. Aber was genau ist Biosecurity? Warum müssen sich Reiter, Pferdebesitzer und -halter damit befassen? Weil es um die Gesundheit des Pferdes geht. Biosecurity beschäftigt sich mit der Eindämmung von infektiösen Mikroorganismen und damit, wie man den Kontakt mit Pathogenen und Giften vermeiden kann.

Das Konzept ist weder neu, noch sind die daran gekoppelten Maßnahmen teuer oder schwierig umzusetzen. Häufig reicht es, einfache Dinge und Abläufe im Stall zu verändern, um einen großen Fortschritt im Hygienemanagement und damit mehr Biosicherheit im Pferdebetrieb zu erreichen. Jeder Einzelne kann täglich zu mehr Hygiene und damit zu mehr Biosicherheit im Stall beitragen. Da an den Abläufen in einem Pferdestall aber häufig zahlreiche Personen beteiligt sind, sind eine gute Zusammenarbeit und die gemeinsame Formulierung von Hygienestandards der beste Weg, um ein erfolgreiches Hygienemanagement zu fahren. Hierbei sollten Stallbesitzer, Reiter, Tierarzt und Schmied an einem Strang ziehen.

Pferdebetriebe, die ihre Biosecurity-Maßnahmen vernachlässigen, können eine Gefahr für Pferde auf dem Turnier, auf Lehrgängen, Ausritten und sonstigen Veranstaltungen mit vielen Pferden aus unterschiedlichen Betrieben darstellen.

1. Pferde-Management (dauerhaft eingestellte Pferde, Turnierpferde, neue Einstaller)
Neuankömmlinge im Stall sollten idealerweise die ersten zehn Tage abgesondert von den anderen Pferden gehalten werden. Ein separater Quarantänestall ist hierfür am besten geeignet. Kranke Pferd sollten so schnell wie möglich von den übrigen Pferden getrennt werden, um eine Ansteckung zu vermeiden. Kontaktpferde müssen unter Beobachtung bleiben. Auch Pferde, die von einem Turnier heimkehren, müssen noch eingehender unter Beobachtung stehen hinsichtlich eventueller Krankheitsanzeichen. Das gemeinsame Impf- und Entwurmungsmanagement gehören selbstverständlich zu einer guten Hygienepraxis dazu.

2. Personen-Management (Stallbetreiber, Mitarbeiter, Reiter, Besucher, Tierarzt, Schmied…)
Ein weiterer Baustein ist das Personenmanagement. Hier wird das Augenmerk auf alle Personen gelegt, die Zutritt zum Stall haben: die Stallmitarbeiter, die Reiter und Besucher, Tierärzte und Schmiede etc. In einem typischen Pensionsstall herrscht jeden Tag ein reger Publikumsverkehr, was immer zu einer Einschleppung und Verschleppung von Keimen führen kann.

Das Personal eines jeden Reitstalles sollte geschult sein im Hinblick auf das routinierte Durchführen der täglichen Hygienepraxis. Ein einfaches, aber oft unterschätztes Beispiel hierfür ist das richtige und effektive Händewaschen sowie auch das Desinfizieren von Gegenständen und Stallungen. Auch das frühzeitige Erkennen von erkrankten Pferden muss geübt sein, damit diese schnell von den Gesunden abgesondert werden können.

Sind Pferde im Stall erkrankt, gilt das Prinzip: erst die Gesunden füttern und misten, dann die Kranken! Beim Verlassen des Krankenstalls sind Hygienemaßnahmen wie Kleiderwechsel, Schuh- und Handhygiene unbedingt einzuhalten. Eine Desinfektionswanne sollte am Ein- bzw. Ausgang installiert sein.

Besucher oder Reiter, die täglich auf den Hof kommen, sollten nach Möglichkeit nur einen Zugang zum Gelände haben sowie idealerweise weder Schuhe noch Kleidung tragen, die bereits durch andere Stallungen oder Pferde verschmutzt wurden.

Ein Parkplatz in einiger Entfernung zum Stall ohne Pferdekontakt ist sinnvoll, um den Eintrag von Keimen über die Reifen zu verringern. Auch umherlaufende Hunde und Katzen können Krankheiten von einem Pferd zum anderen tragen, indem sie beispielsweise von einem Pferd ausgehusteten Schleim über die Pfoten durch den Stall verteilen.

Besteht eine erhöhte Seuchengefahr, muss der Zutritt zum Stall auf das Nötigste reduziert werden.

3. Umwelt-Management (Stall- /Reitanalage, Wiesen, Paddocks, Parkplätze)
Die dritte wichtige Säule der Hygiene im Stall stellt das Umwelt-Management dar. Ganz wichtig sind die ausnahmslos gute Qualität des Futters und dessen saubere und trockene Lagerung. Benutzte Einstreu ist grundsätzlich ein Risiko und sollte deshalb unzugänglich in Entfernung zum Stall und zum Futter gelagert werden. Trecker, Schubkarren, Mistgabeln, Besen und andere Gerätschaften müssen regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden. Ist eine ansteckende Krankheit auf dem Hof ausgebrochen, empfiehlt es sich, die Einstreu erkrankter Pferde in verschlossenen Containern zu lagern, um die Verbreitung pathogener Erreger über Luft und Wasser zu vermeiden. Ställe, Futterkrippen, Tränken und Plätze sollten stets sauber und frei von stehendem Wasser gehalten werden. Eine regelmäßige mechanische Reinigung und Desinfektion leisten hier gute Dienste. Dies sollte vor allem vor jeder Neubelegung einer Box geschehen. Auch die Ausrüstung eines jeden Pferdes ist ein Übertragungsweg für Krankheiten. Halfter, Putzzeug, Decken, Trensen und so weiter sollten immer zum Pferd gehören und niemals untereinander getauscht werden. Wer dies nicht einhält, leistet zum Beispiel der Verbreitung von Hautpilzerkrankungen Vorschub. Und Pilz kann im gesamten Stall zu einem Problem führen.

Woran ein Pferdebesitzer erkennt, dass in seinem Stall Hygieneregeln beachtet werden:

  • Für neue Pferde wird ein Gesundheitszeugnis vom Tierarzt verlangt.
  • Neue Pferde werden zu Quarantänezwecken die ersten zehn Tage separat von den anderen Pferden gehalten.
  • Alle Pferde müssen gegen Influenza geimpft sein, dies wird im Pferdepass kontrolliert.
  • Es gibt einen separaten Bereich für die Absonderung von kranken Pferden.
  • Der Stallbesitzer fordert die Umsetzung eines gemeinsamen Entwurmungskonzeptes 
  • Das Futter wird trocken und sauber gelagert, Medikamente werden nicht im Futterwagen umhergefahren.
  • Die benutzte Einstreu wird separat gelagert ohne Kontakt zu Pferden oder Futter.
  • Neben dem Misten werden die Boxen auch von Zeit zu Zeit desinfiziert.
  • Tränken und Futtertröge sind in gutem Zustand.
  • Es gibt einen Schädlingsbekämpfungsplan.
  • Die Weiden werden regelmäßig abgeäppelt, es gibt Leerzeiten und Wechselweide mit anderen Tierarten wie zum Beispiel Rindern.

4. Turnier und Hygiene
Auch wenn im heimischen Stall alles richtig gemacht wird: Jede Reise und jede Turnierteilnahme stellt eine Herausforderung für das Immunsystem des Pferdes dar. Aber auch hier kann der Reiter an kleinen Hygiene-Stellschrauben drehen und viel bewirken. Es beginnt mit einem Check am Tag des Turniers: Ist das Pferd fit? Hat es gefressen? Wie ist die Temperatur? Macht es einen munteren Eindruck? Fallen die Antworten positiv aus, steht einem erfolgreichen Turniertag nichts mehr im Weg.

Der Anhänger sollte hell, sauber und frisch eingestreut und das Heunetz mit staubarmen und gegebenenfalls nassem Heu gefüllt sein. Die Mitnahme von eigenem Futter und sauberen Eimern zum Tränken ist Pflicht.
Während der Fahrt ist auf eine ausreichende Belüftung des Anhängers zu achten. Bei längeren Fahrten, sollten regelmäßige Pausen eingelegt werden, in denen das Pferd die Gelegenheit hat, mit dem Kopf am Boden zu fressen. So können eingeatmete Keime einfacher aus den Luftwegen entfernt werden und einem „Reisefieber“ (sogenanntes Shipping fever) vorgebeugt werden.

Auf dem Turnierplatz angekommen, sollte der Reiter den direkten Kontakt zwischen seinem Pferd und anderen Pferden vermeiden, auch wenn dies manchmal hart erscheinen mag. Neben der Gefahr einer Krankheitsübertragung besteht auch immer ein großes Verletzungsrisiko.

Wird das Pferd auf dem Turnier getränkt, dann nur aus eigenen Eimern und mit Wasser in Trinkwasserqualität. Saufen aus einer gemeinsamen Tränke wie beispielsweise einer Badewanne ist tabu. Beim Befüllen der Eimer ist darauf zu achten, dass der Wasserschlauch nicht in den Eimer gelegt wird. Häufig ist der Schlauch ein Reservoir für Keime, die so in das Wasser gelangen würden.

Übersicht der für Pferde ansteckenden Krankheiten 
Es gibt für Pferde ansteckende Krankheiten, die keiner gesetzlichen Regelung unterliegen wie Borna (Meldepflicht 2011 aufgehoben), Druse (siehe Infoblatt Druse), Herpes, Influenza, Pilz…sowie anzeigepflichtige und meldepflichtige Krankheiten. Wichtige Informationen zum Umgang mit Infektionskrankheiten finden Pferdesportler und Turnierveranstalter in den "Hinweisen zum Umgang mit nicht gesetzlich geregelten Infektionskrankheiten".

Für Pferde relevante anzeigepflichtige Erkrankungen sind:

  • Afrikanische Pferdepest
  • Equine Infektiöse Anämie
  • Beschälseuche (Dourine)
  • West-Nile-Virus
  • Pferdeenzephalomyelitis (alle Formen)
  • Rotz
  • Tollwut
  • Stomatitis vesicularis
  • Milzbrand

Für Pferde relevante meldepflichtige Erkrankungen sind:

  • Contagiöse Equine Metritis
  • Equine Virus Arteritis
  • Leptospirose

Bei anzeige-/meldepflichtigen Krankheiten schreibt der Gesetzgeber vor, welche Maßnahmen unter Überwachung der zuständigen Behörden verpflichtend sind. Je nach Krankheit sind das Maßnahmen wie Sperre des Betriebes, Verhängung einer Quarantäne, Beobachtung von Kontakttieren durch Verlaufsuntersuchungen bis hin zum schlimmsten Fall: der Tötung des erkrankten Pferdes.

Im Falle nicht-gesetzlich geregelter Krankheiten liegt die Verantwortung für eine Eindämmung der Krankheit beim Stallbetreiber und den Pferdebesitzern. Ein transparenter Umgang mit der Situation und mit dem Tierarzt abgestimmte Hygienemaßnahmen sind der beste Weg, die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern und andere Pferde zu schützen.

Ansprechpartner

Foto von Dr. Henrike Lagershausen

Dr. Henrike Lagershausen

Tel 02581/6362-136
Fax 02581/6362-543

E-Mail

Alte Helden

Alte Helden - Filmreihe über ehemalige Olympiapferde, Foto: Stefan Lafrentz

Spitzenpferde im Ruhestand

Sie haben ihre Reiter zu sportlichen Erfolgen getragen und für sie um Titel gekämpft. Bonaparte, Cento, Marius, Satchmo und Shutterfly. Wir haben uns gefragt, was machen die "Alten Helden" eigentlich.

Filme ansehen...