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Umwelt und Pferdehaltung - Ausreiten, TREC, Naturschutz - Foto: Christiane Slawik

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Pferdeverhalten: Ethologie des Pferdes

Das Pferd als Herden-, Flucht- und Steppentier

Das gesamte Verhalten des Pferdes ist an das Leben als Flucht- und Herdentier in den Weiten der Steppe angepasst. Das Leben in der Herde mit vielen aufmerksamen Mitgliedern bietet dem Pflanzenfresser Pferd viel besseren Schutz vor Fressfeinden als das Leben als Einzelgänger. Innerhalb der Herde gibt es eine klare Hierarchie, an deren Spitze ein sozial starkes Leittier steht. Dabei ist die Position innerhalb der Herde nicht in Stein gemeißelt, sondern kann sich im Laufe der Zeit verändern. Das Alter der Pferde und die Dauer der Gruppenzugehörigkeit spielen eine wichtige Rolle bei der Rangordnung. Diese Veränderbarkeit der Rangordnung zwischen den Pferden muss sich der Mensch im Umgang immer wieder vor Augen führen. Für das Pferd ist der Mensch ein Teil der Herde und sollte als ranghöheres Mitglied akzeptiert sein, um gefährliche Zwischenfälle zu vermeiden. Dafür muss der Mensch die „Sprache“ des Pferdes kennen und seine eigene Körpersprache bewusst und klar verständlich einsetzen. Es gehört also zum „Reiten lernen“ unbedingt dazu, sich mit der Mimik und Körpersprache des Pferdes vertraut zu machen.

Das Pferd hat sich im Laufe der Entwicklung optimal an das Leben als Fluchttier angepasst. Durch hochsensible Sinnesorgane und große Schnelligkeit kann es Gefahren rechtzeitig erkennen und flüchten. Dabei ist der Fluchtinstinkt bei Pferden unterschiedlich stark ausgeprägt, aber immer präsent - eine Tatsache, die der Mensch im Umgang und in der Ausbildung stets berücksichtigen muss.

In seinem natürlichen Lebensraum ist das Pferd als Steppentier bis zu 16 Stunden pro Tag mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt. Dafür legt es hauptsächlich im Schritt bis zu 40 Kilometer täglich zurück. Der Verdauungsapparat ist auf diese kontinuierliche Nahrungsaufnahme eingestellt: Lange Fresspausen von mehr als vier Stunden können zu gesundheitlichen Problemen führen. An das Leben in der Steppe hat sich das Pferd auch äußerlich perfekt angepasst: So toleriert es große Temperaturschwankungen und fängt den erhöhten Energiebedarf im Winter mit einem dichten Winterfell ab. Dabei fühlt das Pferd sich im Bereich von +25 bis -15 Grad Celsius am wohlsten. Wer einmal Pferde auf der Weide beobachtet, wird schnell feststellen, dass Wind und Wetter die Tiere nur selten zum Unterstand treiben, wohl aber die pralle Mittagshitze im Hochsommer und die damit einhergehenden Insekten.

Funktionskreise des Pferdes

Um dem Pferd eine artgerechte Haltung zu ermöglichen, muss jeder Pferdehalter die Bedürfnisse des Pferdes und das daraus resultierende arttypische Verhalten kennen. Denn jedes Verhalten eines Pferdes hat eine Funktion. Die Verhaltensbiologie des Pferdes gliedert sich in die sogenannten Funktionskreise. Sie beschreiben, was Pferde von Natur aus brauchen. Wer Pferde artgerecht halten möchte, kann sich bestens an diesen Funktionskreisen orientieren.

  • Sozialverhalten
    Pferde sind Herdentiere: Das Zusammenleben in der Gruppe ist für Pferde in freier Wildbahn überlebenswichtig. Um Teil einer Gruppe zu sein, lernt ein Pferd die Körpersprache und das artgerechte Verhalten kennen. Das geschieht in der Auseinandersetzung mit Artgenossen und im Spiel. Deshalb müssen insbesondere Fohlen und Jungpferde in einer Gruppe gehalten werden.
  • Ernährungsverhalten
    In der Steppe wuchs vor allem energiearmes, faserreiches Futter. Um ausreichend Energie zu sich zu nehmen, müssen Wildpferde den ganzen Tag fressen und viel kauen. So entwickelte das Pferd einen Verdauungsapparat, der auf zeitintensives, bodennahes Fressen ausgelegt ist.
  • Fortbewegungsverhalten
    Futter und Flucht: Diese zwei Motive bestimmen das Fortbewegungsverhalten der Pferde. In der Steppe bewegen sich Wildpferde ständig im Schritt fort, um dabei zu fressen. Den Weg zur entfernten Wasserstelle legen sie aber auch im Trab oder Galopp zurück. Erschrecken sich Pferde und treten die Flucht an, geschieht dies ebenfalls im Trab oder Galopp.
  • Komfortverhalten
    Wie jedes Lebewesen streben auch Pferde im Sinne des individuellen Erhaltungstriebes nach Wohlbefinden und Gesunderhaltung. Wälzen, scheuern, kratzen und gegenseitiges Fellkraulen dienen der Körperpflege und Hygiene. Sich sonnen und Klimareize regen zudem den Stoffwechsel an.
  • Ruheverhalten
    Jedes Lebewesen muss sich erholen, entspannen und regenerieren, um gesund zu bleiben. Pferde erreichen dies mit dösen und schlafen. Als Fluchttier erholen sie sich durch viele kurze Schlafeinheiten. Wenn sie sich sicher fühlen, zum Beispiel im Stall oder in der Gruppe auf der Weide, legen sie sich zum Schlafen auch hin.
  • Erkundungsverhalten
    Wenn Flucht eine Überlebensstrategie ist, sollte man seine Umgebung genau kennen. Deshalb sind Pferde von Natur aus neugierig. Sie erkunden und beobachten ihre Umgebung, um echte Gefahren zu erkennen. Schließlich möchten sie sich nicht unnötig erschrecken und ohne Not Weglaufen.
  • Ausscheidungsverhalten
    Pferde sind saubere Tiere. Sie koten und urinieren nicht in Futternähe oder in ihrem Liegebereich. Und wenn sie urinieren, dann immer auf weichen Untergrund. Pferde mögen es nicht, wenn es spritzt. Und sie können Zeichen setzen – mit Pferdeäppeln etwa. Hengste markieren damit zum Beispiel ihr Revier.

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