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Pferdesport - Breitensport, Turniersport, Spitzensport - Foto: Julia Rau

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Reiten lernen - Was Erzieher und Lehrer wissen wollen

Die Anforderungen an Erzieher und Lehrer sind in den letzten Jahren stark gewachsen. Die Bildungsarbeit beginnt schon im Kindergarten. Die Schulen sind seit der ersten Pisa-Studie vor 15 Jahren in einer Dauerreform.

Eroberten Kinder und Jugendliche noch vor 30 Jahren ihre Welt in konzentrischen Kreisen – Elternhaus, Garten, Straße, Wohnviertel/Dorf, Stadt etc. – so ist diese Art der „Welterfahrung“ und Erkenntnis leider verloren gegangen. Die Kindheit wird heute in vielen verschiedenen Räumen gelebt. Kinder erfahren die Welt nicht mehr als Einheit, sondern sie lernen Elternhaus, Schule, Verein, Musikschule, Freundeskreis als voneinander getrennte Bereiche kennen. Sie können diese Räume häufig nicht mehr selbstständig und sicher aufsuchen aufgrund der weiten Entfernungen oder des erhöhten Autoverkehrs. Eltern fahren ihre Kinder deshalb mit dem Auto häufig von Ort zu Ort. Aus diesem reduzierten Bewegungsleben verbunden mit dem inzwischen hohen Konsum von elektronischen Medien wie Fernseher und Computer und dem Leben in Kleinfamilien resultieren Bewegungs- und soziale Probleme. Annähernd 65% der Schuleintrittskinder weisen Haltungsschwächen und schäden, etwa 40% Prozent Koordinationsstörungen (vor allem Gleichgewichtsprobleme), cirka 30% Herz-Kreislauferkrankungen und über 30% Fettleibigkeit auf.

In dieser Situation kann das Pferd Kindern bezüglich der Bewegungsförderung, Wahrnehmungsschulung und Lebenserfahrung fundamentale Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Als Erzieher oder Lehrer haben Sie sicher ein paar Fragen, die wir nachfolgend beantworten wollen.

  1. Was kann das Pferd in der Bildungsarbeit leisten kann?
  2. Welchen Zielsetzungen und pädagogischen Begründungen gibt es für den Einsatz von Pferden in der Bildung?
  3. Wie kann ich als Erzieher oder Lehrer das Pferd in die Bildungsarbeit einbinden?
  4. Wer kann mir weiterhelfen?

Frau mit Kind und Pony - Foto: Holger Schupp








1. Einzigartig: Das Pferd als (Bewegungs)-Erzieher

Seit über 20 Jahren setzt sich die Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (FN) dafür ein, dass Reiten in den Schulalltag integriert wird. Im Jahr 2013 sind dem FN-Arbeitskreis Schulsport etwa 1.800 Schulen und Kindergärten bekannt, die bundesweit eine Kooperation mit Pferdesportvereinen oder Pferdebetrieben eingegangen sind und Reiten und Voltigieren als Angebot in Schulen und Kindergärten integrieren.

Der Pferdesport bietet für die körperliche und geistige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen einzigartige Möglichkeiten. Was „Pferdeleuten“ und Eltern reitender Kinder schon lange bekannt ist, hat auch eine Studie nachgewiesen: Reiten fördert die charakterliche und soziale Entwicklung. Reiten ist die einzige Sportart, die mit einem Lebewesen in partnerschaftlicher Weise gelernt und ausgeübt wird. Dadurch kann das Selbstwertgefühl der Kinder und Jugendlichen gestärkt und die Konzentrationsfähigkeit sowie das Verantwortungsbewusstsein geschult werden. Das Erlernen des Reitens kann die Lernbereitschaft fördern und sich so positiv auf die schulischen Leistungen auswirken.

Ebenso wird die Beweglichkeit und Koordination der Schüler verbessert, wodurch dem Reitsport auch gesundheitsfördernde Aspekte zukommen. Der Umgang mit Pferden und Ponys erfordert ein großes Maß an Verantwortung und Sorgfalt, er beschert jedoch dem Pferdesportler auch eine Fülle von Erlebnissen und Freuden, die es in kaum einem anderen Lebens- und Bildungsbereich gibt.

 2. Zielsetzungen und pädagogische Begründung

Die Beziehung des Kindes zum Pferd
In der Alltagswelt finden Schüler heute kaum noch das ehemalige Nutztier Pferd. Wenn Kinder und Jugendliche Pferde in ihrer natürlichen Umgebung sehen, sind sie von ihnen fasziniert. Das Pferd im Schulsport kann jungen  Menschen eine ihnen nicht mehr bekannte Erlebniswelt erschließen helfen.

Pferdegerechter Umgang
Schüler erwerben grundlegende Kenntnisse der Pferdehaltung und des Tierverhaltens, sie erfahren neue Bewegungen auf und mit dem Pferd. Die richtigen Bewegungen des Schülers auf dem Pferderücken sollen als „Sprache“ verstanden werden, die einen Dialog mit dem Pferd führt. Es geht um das bewusste Agieren des Schülers und um das entsprechende Reagieren des Pferdes. Der Schüler soll sich in das Pferd hineindenken und -fühlen lernen.

Neue Bewegungsmöglichkeiten entdecken
Die Bewegungen auf dem Pferderücken sind einzigartig im Bewegungsleben des Menschen und beeinflussen ihn umfassend. Damit wird u.a. die Koordination aller Muskeln des Schülers in hohem Maße gefördert.

Umfassende Gesundheitsförderung
Der Umgang mit und das Bewegen auf dem Pferd fördern Gesundheit im umfassenden Sinne. Die Erlebnisse mit  dem Pferd und die vielfältigen Bewegungsanforderungen leisten einen Beitrag für das körperliche und gefühlsmäßige Wohlbefinden des Schülers. Grundschulkinder werden durch den spielerischen Umgang mit Ponys in ihrer geistig-seelischen und körperlichen Entwicklung unterstützt. Die vielfältigen Bewegungen des Pferderückens können beispielsweise bei Haltungsproblemen von Kindern und Jugendlichen vorbeugend oder ihnen entgegen wirken.

Entwicklung der Sinne
Der Umgang mit und das Bewegen auf dem Pferd fordern den ganzen Menschen. Eine partnerschaftliche Beziehung entwickelt die unterschiedlichen Sinne des Schülers. Das Pferd spricht viele Sinne an: Sehen, Riechen, Hören, Tasten.

Das Kind lernt soziales Verhalten
Über die Pflege lernen die Schüler das Artverhalten des Pferdes kennen und übernehmen Verantwortung für dessen Wohlergehen. Durch das gemeinsame Umgehen miteinander wird der Schüler empfindsam für das Wesen und Verhalten des Pferdes, das es ihm mit gewünschten Reaktionen dankt.

Das Pferd fordert/fördert Selbstorganisation
Der Umgang mit dem Pferd setzt genaue Planung voraus und erzieht zu Selbstorganisation. Die Vorbereitung des Pferdes auf die gemeinsamen Bewegungsaufgaben und das Eingehen aufeinander erfordert ein spezifisches Handeln, das selbstständig und kontrolliert vollzogen werden muss.

Steigerung des Selbstbewusstseins
Die neuen Erfahrungen mit und auf dem Pferd können auch für sportlich sonst weniger erfolgreiche Kinder zu einer Steigerung des Selbstbewusstseins führen. Auf dem Pferd geht es nicht vorrangig um das Sich-Messen mit   anderen Schülern. So kann z. B. schon das Halten der Balance eine Leistung sein. Wärme empfinden, Gleichgewicht, Rhythmus und Schwung erfahren – das sind innere Befriedigungen, die zu Selbstsicherheit beitragen.

3. So können Schulen und Kindergärten Pferde einsetzen

Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten für Schulen und Kindergärten, Pferde oder Ponys für die Bildungsarbeit einzusetzen und die Kinder mithilfe dieser vierbeinigen Lehrer zu fördern. Grundlage bildet in der Regel die Zusammenarbeit zwischen Schule/Kindergarten und Verein. Diese entwickeln ein gemeinsames pädagogisches Konzept, denn nur so lassen sich Maßnahmen im Rahmen der Schule oder des Kindergartens entwickeln und durchführen.

Projekttage/Projektwochen
Ziel dieser Veranstaltungsart ist das Hineinschnuppern und Kennenlernen neuer Sportarten. Die von den Kindern und Pädagogen gemeinsam erarbeiteten Inhalte können am Ende der Veranstaltung möglicherweise anderen Kindern oder den Eltern vorgestellt werden.

Förderunterricht
In den Förderunterricht an Grund- und Förderschulen lässt sich der Umgang mit dem Pferd und Reitmaßnahmen besonders sinnvoll einbringen. Gleiches gilt für Projekte in Kindergärten und Kindertagesstätten.

Arbeitsgemeinschaften
Arbeitsgemeinschaften finden in der Regel am Nachmittag und auf freiwilliger Basis statt. Im Mittelpunkt der sogenannten AGs steht der Einstieg in das Reiten oder Voltigieren. In Theorie und Praxis werden die Schüler an den Umgang mit dem Pferd herangeführt. Reiten oder Voltigieren als Wahlfach findet einmal wöchentlich an zwei Stunden am Nachmittag statt, die Teilnahme wird im Zeugnis vermerkt.

Schulsporttage
Mit einem schlüssigen und ausgefeilten Programm kann ein Schultag als Veranstaltung genutzt werden, um allen Schülern Pferde und das Reiten näher zu bringen. Je nach regionalen Gestaltungsmöglichkeiten werden Schulsporttage von Schülern, Eltern und Lehrern gemeinsam organisiert.

Wahlpflichtfach
Reiten oder Voltigieren kann ein schulsportlicher Ergänzungsbereich sein und wird als Erweiterung und Vertiefung der Sportarten im Kernbereich verstanden.

Klassenfahrten
Wochenfreizeiten können in Vereinsanlagen, Schulreitsportzentren und Reitbetrieben veranstaltet werden. Das Leben und Bewegen der Schüler orientiert sich hier am Tagesablauf der Pferde.

Schullandheimaufenthalte/Feriensportlehrgänge
Hier gilt gleiches wie bei den Klassenausflügen: Geeignete Reiterhöfe oder auf Reiterferien spezialisierte Anlagen bieten die Möglichkeiten für Schüler, den Pferdesport und das Lebewesen Pferd über einen längeren Zeitraum in Ruhe kennenzulernen. Innerhalb dieser Angebote sollen Schüler mit neuen Sportarten vertraut gemacht werden, die im Schulunterricht nicht oder nur selten angeboten werden.

Pferdesport und Ganztagsschule

Die Vereine und Pferdebetriebe können als qualitative Anbieter von Bewegung, Sport und Spiel dieses zusätzliche Angebot im Rahmen der „Ganztagsschule“ nutzen.

4. Weitere Informationen und Ansprechpartner

Sicher haben Sie jetzt noch zahlreiche Fragen wie zum Beispiel zu Genehmigungsverfahren, Rahmenbedingungen, Sicherheitsbestimmungen, Haftung und Versicherung, Finanzierungs- und  Fördermöglichkeiten. Auch möchten Sie sicher wissen, wie und wo Sie eine geeignete Reitschule als Kooperationspartner finden.

Internet
Ausführliche und weiterführende Informationen bietet die FN zu dem ganzen Thema im Internet unter dem Stichwort Kooperationen. Dort finden sich auch Arbeitshilfen sowie Hinweise auf Medien und Studien.

FN-Abteilung Jugend
Ihr Ansprechpartner in der Deutschen Reiterlichen Vereinigung ist die Leiterin der Abteilung Jugend, Maria Schierhölter-Otte. Sie ist telefonisch erreichbar unter 02581 / 6362-135, per Fax unter 02581 / 6362-403 oder per E-Mail unter der Adresse mschierhoelter@fn-dokr.de.

Schulsportbeauftragte
Darüber hinaus gibt es in den jeweiligen Landespferdeportverbänden sogenannte Schulsportbeauftragte. Eine Adressliste mit den regionalen Kontakten finden Sie in der Anlage unten auf dieser Seite. 

Universitäten
Es gibt mittlerweile zahlreichen Studien zum Thema Pferd und Kinder (siehe auch weiterführende Informationen unten). Einige Hochschulen beschäftigen sich sehr intensiv mit der einzigartigen Bildungswirkung des Pferdes. An der Leuphana Universität Lüneburg gibt es in der Arbeitseinheit Sportwissenschaft eine Ausbildung im Reiten. Innerhalb der Bachelor- und Masterstudiengänge Lehrämter (Primarstufe, Sekundarstufe I, Berufsbildende Schulen) kann Reiten als eine der Sportartenprüfungen (als ein Erfahrungs- und Lernfeld) absolviert werden. An der Universität Würzburg wird erziehungswissenschaftliche Forschung im Reiten betrieben. Unter dem Begriff „Equinopädagogik“ sind im Internet weitere Informationen zu dem Bereich Reiten zu finden.

Ansprechpartner

Foto von Maria Schierhölter-Otte

Maria Schierhölter-Otte

Tel 02581/6362-135
Fax 02581/6362-403

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