Deutsche Reiterliche Vereinigung

Geschichte der Ponyzucht

Entwicklung der Ponyzucht in Deutschland

Im vorherigen Jahrhundert wurden für Handel und Gewerbe oder für Gartenbaubetriebe eine große Zahl von Kleinpferden und Ponys vor allem aus den osteuropäischen Ländern importiert. Eine eigenständige Kleinpferdezucht gab es zu dieser Zeit noch nicht.

Erste Shetland Ponys im zoologischen Garten in Hamburg

Um die Jahrhundertwende führte der Tierpark- und Zirkusbesitzer Carl Hagenbeck aus Hamburg-Stellingen die ersten Shetland Ponys ein, stellte sie in seinem zoologischen Garten aus oder dressierte sie für seinen Zirkus. Aus diesen Anfängen entwickelte sich in den 30er und 40er Jahren eine eigenständige Shetland-Pony-Zucht mit Schwerpunkten im Rheinland, in Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Die Notwendigkeit, die Ponyzucht und Kleinpferdezucht auch in Stutbüchern zu erfassen, führte in den Jahren 1942/43 zur Gründung des „Verbandes der Kleinpferdezüchter Deutschland e.V.“. Aufgrund der Teilung Deutschlands stellte dieser Verband seine Tätigkeit wieder ein, so dass in den Nachkriegsjahren regionale Zuchtverbände gegründet wurden. Diese Aufbauphase führte zur Gründung der „Arbeitsgemeinschaft der Pony- und Kleinpferdezüchter“ in Westdeutschland im März 1949. In der früheren DDR wurde 1952 das „Deutsche Kleinpferdestammbuch“ gegründet.

Die Unterteilung der Stutbücher in P = Ponys bis 117 Zentimeter und K = Kleinpferde von 118 bis 148 Zentimeter umriss den Arbeitsbereich dieser neu entstehenden Verbände. Die einzelnen Länderbehörden unterstützten den Aufbau der Pony- und Kleinpferdezucht auch bei der Ausrichtung auf die erwünschten Rassen. So wurden als Kleinpferde - insbesondere als landwirtschaftliche Zugkraft - in den nördlichen Ländern einschließlich Hessen-Nassau und Rheinland-Pfalz das Norweger Fjordpferd eingeführt, während in Süddeutschland, in Kurhessen und als einzigem norddeutschen Gebiet in Westfalen der Haflinger eingesetzt wurde. Als Ponys wurden Shetland-Ponys gezüchtet, ohne jedoch auf die Größe Rücksicht zu nehmen.

Erst Mitte der 1960er Jahre begann ausgehend von Nord- und Westdeutschland die Zucht von Reitponys speziell auf britischer Grundlage oder wie in Westfalen durch Kreuzung von arabischen Hengsten mit den heimischen Wildbahnstuten.

Große Nachfrage nach Ponys Mitte der 1960er Jahre

Das Jahr 1965 ist als Wendepunkt der heimischen Pony- und Kleinpferdezucht anzusehen. Die Umwandlung der heimischen Ponyrassen und Kleinpferderassen durch Einkreuzung mit Veredlerhengsten hatte nicht zum Ziel geführt. Die Nachfrage nach geeigneten Kinder- und Jugendreitpferden stieg sprunghaft an, so dass viele Züchter - insbesondere mit reitbegeisterten Kindern - den Weg der Einfuhr suchten. Binnen weniger Jahre wurde eine Reitponyzucht aufgebaut. Heute werden in den Stutbüchern der Zuchtverbände die britischen Ursprungsrassen in Reinzucht weitergeführt. Daneben hat sich für sportliche Belange das „Deutsche Reitpony“, das auf verschiedene Ursprungsrassen zurückzuführen ist, in der deutschen Turnierszene etabliert.

In der Zeit wachsenden Wohlstandes und größerer Freizeit beschäftigen sich viele Menschen mit Pferden und suchen den Ausgleich ihrer beruflichen Tätigkeit. Zur Erfüllung dieses Wunsches bieten sich Ponys bzw. Pferde an, die einfach zu halten, umgänglich und charakterfest sind. Zunächst waren es Haflinger und Fjordpferde, die ein stetiges Aufblühen erlaubten. Aber auch Rassen wie Welsh Pony und Cob, Shetland Pony, Connemara Pony, Highland Pony, und ähnliche wurden importiert und in kleinen Rassegruppen weitergezüchtet. Pferde mit Spezialgängen wie das Islandpferd machten in dieser Zeit ebenfalls Furore.

Die vielseitige Verwendbarkeit der Ponys und Kleinpferde macht sie so beliebt. In allen Bereichen der Freizeit und des Sports haben sie sich heute einen festen Platz erobert.

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Stand: 24.10.2019