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Deutsche Reiterliche Vereinigung - Bundesverband für Pferdesport und Pferdezucht, Foto: FN-Archiv

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Reiter-Fitness Teil 2

© Jürgen StroscherVon wegen einfach „nur“ draufsitzen! Reiten ist natürlich viel mehr, als sich von seinem vierbeinigen Partner durch die Gegend tragen zu lassen. Fürs Reiten, egal ob im Sport- oder Freizeitbereich, braucht man körperliche Fitness sowie eine gute Koordinationsfähigkeit und Beweglichkeit.

In der ersten pferdenah-Folge mit Fitness-Tipps (Link) ging es darum, wie wichtig die körperliche Fitness (Ausdauer und Muskeltraining) für den Reiter ist. Diesmal erfahrt ihr mehr zur Koordination und Beweglichkeit. Die Voltigierer sind den Reitern da um einiges voraus, denn bei ihnen spielen Fitness, Koordination und Beweglichkeit eine große Rolle im täglichen Training und im Wettkampf, während Reiter oft „nur“ Reiten ohne sich vorher Aufzuwärmen oder eine Ausgleichssportart wie Schwimmen oder Laufen zu betreiben.

Koordination
Koordination heißt also für den Reiter, unterschiedliche Dinge im Sattel gleichzeitig zu tun.
Erinnert ihr euch noch an eure allerersten Reitstunden? Das war bestimmt gar nicht so einfach, auf so viele verschiedene Dinge gleichzeitig zu achten. Denn für den korrekten Sitz muss man ständig eine Menge Bewegungen aufeinander abstimmen. Unabhängig voneinander bewegt werden sollen Arme und Beine sowie natürlich der Oberkörper insgesamt und die Beine in Kombination mit der richtigen Hilfengebung. Das ist auch für fortgeschrittene Reiter manchmal gar nicht so einfach.

Worauf kommt es zum Beispiel beim Leichttraben an?
Hier müssen…

  • die Unterschenkel ruhig am Pferdebauch liegen, das Knie tief bleiben,
  • die Oberschenkel und der Oberkörper die Bewegung des Leichttrabens durchführen, wobei der Motor dieser Auf- und Abbewegung die Oberschenkelmuskulatur ist,
  • die Hände frei und aufrecht etwa eine Handbreit über dem Widerrist und eine Handbreit auseinander getragen werden,
  • Ellenbogen, Handrücken und Pferdemaul eine grade Linie bilden,
  • die Arme als Verlängerung des Zügels mit einem leichten Knick im Ellbogen dienen, so dass die Arme seitlich am Oberkörper gehalten werden können.

Außerdem passt sich der Reiter der Pferdebewegung an. Das heißt, beim Leichttraben den richtigen Takt und die Balance zu finden. Da jedes Pferd einen anderen Bewegungsablauf hat, sprich sehr schwungvolle große oder kleine kurze Tritte macht, muss sich der Reiter auch immer wieder ganz neu auf seinen jeweiligen vierbeinigen Partner einstellen.

Häufige Fehler beim Leichttraben sind das Mitnehmen der Arme und/oder Hände in der Auf- und Abbewegung des Oberkörpers bzw. das rhythmische Wegstrecken der Unterschenkel im Takt des Leichttrabens. Diese Fehler entstehen, wenn eure Balance oder die Koordination noch nicht stimmen. Oft ist beides der Fall. Am Beispiel Leichttraben könnt ihr sehen, wie wichtig die koordinative Schulung beim Reiten ist. Wusstet ihr schon, dass man die Unabhängigkeit der Bewegungen zwischen Armen, Beinen sowie dem Oberkörper sehr gut im Trockentraining sprich im Gymnastikraum oder zu Hause trainieren kann?

Regelmäßige Sitzübungen an der Longe mit einfallsreichen Koordinationsübungen unterstützen ebenfalls einen sportlichen Sitz und die Fähigkeit, Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen korrekt und fein aufeinander abgestimmt geben zu können. Fragt euren Ausbilder doch mal nach einer Sitzübungseinheit.

Beweglichkeit
Die Beweglichkeit ist beim Reiten unter anderem im Becken-, Hüft- und Wirbelsäulen-bereich wichtig. Wer in diesen Bereichen steif ist, hat auch Schwierigkeiten mit der Balance. Es entstehen Fehler bei Ausgleichsbewegungen des Kopfes sowie der Arme und Hände. Das überträgt sich dann direkt auf das Pferd, sprich es wird schief oder fest.
Das Reiterbecken, sprich die Mittelpositur, ist sozusagen die „Schnittstelle“ zum Pferderücken und daher zur Pferdebewegung. Die Mittelpositur muss in der Lage sein, sich den Bewegungen des Pferdes anzupassen und somit die Grundlage für das Gleichgewicht herzustellen. Das geschieht unter anderem durch die Bauch- und Rumpfmuskulatur, die sich an- und wieder abspannen kann wie jeder andere Muskel im Körper auch. Wenn das also mit der richtigen Beckenbewegung in allen drei Grundgangarten noch nicht richtig klappt, dann kann sich der Reiter auch nicht im Gleichgewicht befinden und es hat es keinen Sinn, an „Haltungs-Fehlern“ der Hände, des Kopfes oder der Beine zu arbeiten.

Ein häufiger Schwachpunkt im Reitersitz liegt auch im Bereich der Brustwirbelsäule und des Schultergürtels. Ihr kennt bestimmt die häufig gehörte Anweisung „Schultern zurücknehmen“. Darauf folgt beim Reitschüler meist ein schlagartiges Zurückziehen der Schultern, sprich die Schulterblätter werden krampfhaft mittig zusammengedrückt, das Becken kippt zu weit vor und die Lendenwirbelsäule fällt in ein Hohlkreuz. So kann man natürlich erst recht nicht korrekt im Sattel sitzen. Bei Haltungsfehlern im Rücken- und Schultergürtelbereich hilft sehr gut Rückengymnastik (Rückenschule), um diese zu beheben oder den Fehlern gleich von Anfang an vorzubeugen.

Wenn Reiter diese Übungen trainiert und verinnerlicht haben, sollten die ersten zehn Minuten der Reittrainingseinheit dafür genutzt werden, dass jeder Reiter spezielle Übungen für seine Problembereiche kurz durchgeht. Das kann übrigens auch sehr gut beim Warmreiten am langen Zügel passieren.
Beweglichkeitsmängel im Hüftgelenk, Verkürzungen der inneren Oberschenkelmuskulatur, des Hüftbeugers und des Wadenmuskels führen auch dazu, den Reitersitz nicht korrekt halten, beziehungsweise bestimmte Hilfen nicht deutlich geben zu können. Dehnungs- und Aufwärmübungen am Boden können dabei helfen.

Dies ist ein Thema des Newsletters „pferdenah“. Weitere bereits erschienene Themen finden Sie hier. Der Newsletter erscheint etwa alle sechs Wochen. Hier geht´s zum kostenlosen Newsletter-Abo.

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