Deutsche Reiterliche Vereinigung
12.05.2024 | 16:30 Uhr | Uta Helkenberg

Preis der Besten Vielseitigkeit: Sieg für Röming und Philipp

Europameisterinnen dominieren in Warendorf

Nell Röming gewinnt mit Majestro den Preis der Besten 2024 der Ponyvielseitigkeitsreiter. Foto (c) FN/Nina Böker

Nell Röming gewinnt mit Majestro den Preis der Besten 2024 der Ponyvielseitigkeitsreiter. Foto (c) FN/Nina Böker

Im Nachwuchsbereich Vielseitigkeit werden die Karten gerade neu gemischt. Beim Preis der Besten in Warendorf wurden daher in diesem Jahr nur die „Besten“ in den Altersklassen Junioren (U18) und Ponyreiter (U16) ermittelt. Da viele der Jungen Reiter noch ein internationales Qualifikationsergebnis für weitere Aufgaben in dieser Saison benötigen, fiel für sie der als nationale Vielseitigkeitsprüfung ausgeschriebene Preis der Besten aus. Ihren Status als „Beste“ bestätigten die amtierenden Doppel-Europameisterinnen - Nell Röming bei den Ponys und Smilla Maline Philipp bei den Junioren.

Sie war die unangefochtene Favoritin im Starterfeld des Preis der Besten der Ponyvielseitigkeitsreiter: Nell Röming aus Barsinghausen. Die Doppeleuropameisterin von 2023 ist die Einzige der so erfolgreichen deutschen Pony-Equipe, die altersmäßig noch im Ponysport verblieben ist. Es war allerdings nicht ihr EM-Pony, der Schimmel Marlon, mit dem sie sich den Titel sicherte, sondern der dunkelbraune Majestro, der am Ende auf Platz eins landete. Anders als im Vorjahr, als drei Abwürfe im Parcours noch einen Platz auf dem Podium verhinderten, kam jetzt nur ein Fehler zum Ergebnis aus Dressur und Geländeritt hinzu. Endergebnis: 33,1 Minuspunkte. „Er hat alles gegeben und konnte endlich auch mal beweisen, dass er es kann und das Zeug dazu hat“, sagte Nell Röming nach ihrem Sieg. Ihr Dank richtete sich auch an Sportpsychologin Gaby Bussmann. „Sie hat mir vor der EM geholfen, ruhig zu bleiben, durchzuatmen und meinen Pony die nötige Sicherheit zu geben.“ Das zahlte sich nicht nur bei der EM aus, sondern nun auch in Warendorf. Denn mit ihrem Sieg schlug Nell Röming in erster Linie sich selbst: Mit 33,5 Minuspunkten wurde sie auch noch Zweite mit Marlon. „Ich bin super stolz auf meine beide Champions“, sagte sie. Bereits zum zweiten Mal durfte Nell Röming in Warendorf auch den Stilpreis der Stiftung Deutscher Pferdesport entgegennehmen. 

Da bei Reitern mit zwei Pferden nur dasjenige mit dem besseren Ergebnis für die Preis-der-Besten-Wertung herangezogen wird, durfte sich Julia Maria Lentrodt aus Neufahrn mit Best Performance über den Silberrang freuen. Das bayerische Paar hatte auf dem Dressurviereck das zweitbeste Dressurergebnis erzielt und war im Gelände bis auf 0,4 Zeitstrafpunkte fehlerfrei geblieben. Im Parcours kassierten sie jedoch gleich zu Beginn einen Abwurf und gingen es danach ruhiger an. Das bedeutete zusätzliche 2,8 Strafpunkte für Zeitüberschreitung und einen Endstand von 36,5 Minuspunkten. Um sich für die Europameisterschaften in diesem Jahr empfehlen, fehlt dem Paar nun noch ein internationales Qualifikationsergebnis. Mit zwei Hundertstel Abstand (36,7) landete die amtierende Deutsche Vizemeisterin Emma Fischer aus Norderstedt mit dem erfahrenen elfjährigen Mas Que Dos auf dem dritten Platz. 

„Das Ergebnis brachte keine großen Überraschungen. Am Ende hat sich die Erfahrung ausbezahlt. Das Gelände hatte mittleres Niveau, gerade angemessen für dieses Starterfeld mit den vielen neuen Gesichtern. Und im Springen war alles drin, was in Richtung Europameisterschaften gefragt ist“, sagte der zuständige Bundestrainer Rüdiger Rau. Insgesamt traten 17 Paare bei den Ponyvielseitigkeitsreitern an. Im Gelände kamen fünf ohne Zeit- und Hindernisfehler ins Ziel, im Parcours gab es keine Nullrunde. Insgesamt beendeten 14 Paare die Prüfung.

Junioren: EM-Teilnehmer zeigen Nervenstärke und gutes Reiten 
Ein ähnliches Bild wie bei den Ponyreitern bot sich bei den Junioren. Hier waren es die drei Europameisterschaftsreiter aus 2023, die am Ende die Nase vorn hatten. Allen voran Doppeleuropameisterin Smilla Maline Philipp (Elsdorf) mit Sir Boggles, die sich lediglich im Parcours eine Sekunde zu viel Zeit ließ, um mit ihrem Dressurergebnis zu beenden. Ihr Endstand: 27,6 Minuspunkte. „Es ist unser erstes Turnier in diesem Jahr und auch das erste Turnier nach der EM, daher sind wir mit etwas weniger Erwartungen hergekommen, aber es lief an allen drei Tagen super. Er war sehr motiviert“, sagte die 17-Jährige über ihren Sportpartner Sir Boggles, mit dem sie jetzt in dritte gemeinsame Saison startet – natürlich gerne auch wieder mit einer EM-Teilnahme als Ziel.

Als Einzigem der insgesamt 18 Starter gelang Philipps Goldkollegen Matti Garlichs (Salzhausen) mit Ludwig nach einem fehlerfreien Gelände auch eine Nullrunde im Parcours, alle anderen hatten dort zumindest Zeitfehler. Mit seinem Dressur- und Endergebnis von 30,2 Minuspunkten stand Garlichs erstmals beim Preis der Besten auf dem Treppchen: Platz zwei. Auf Rang drei folgte die EM-Einzelreiterin von 2023, Ella Krueger (Hamburg) mit ihrem Vollblüter Königsblauer xx mit insgesamt 37,4 Minuspunkten. Die Hamburgerin war es auch, die bei den Junioren den Stilpreis der Stiftung Deutscher Pferdesport erhielt, der in diesem Jahr zum sechsten Mal vergeben wurde. Mit diesem Preis wird nicht nur die stilistisch beste Geländerunde mit Fokus auf die Sicherheit belohnt, sondern auch eine gute Vor- und Nachbereitung in Sinne des Horsemanships.   

Grundsätzlich zufrieden mit den Leistugen seiner Schützlinge zeigt sich Bundestrainer Frank Ostholt: „Es zeigte sich, dass wir mehrere junge Leute haben, die sich in den letzten Jahren gut entwickelt haben und hier nervenstark und gut geritten sind. Und die sich über den Winter weiter verbessert haben. Auf jeden Fall haben alle etwas von hier mitgenommen. Es ist schon etwas Besonderes, in so einer Atmosphäre zu reiten. Jetzt wissen sie, wo sie stehen und woran sie noch arbeiten müssen. Das gilt zum Beispiel für die Dressur, da hatten viele noch kleine Patzerchen, das geht sicher noch besser. Im Gelände lief es generell gut, aber gerade hier konnte man sehen, wer schon mehr Erfahrung hat und wer noch am Anfang seiner Karriere steht. Das Springen fand ich richtig gut, gerade weil die Zeit seher knapp bemessen war. Damit mussten sich alle auseinandersetzen, das ist wichtig gerade im Hinblick auf die Europameisterschaften. Selbst wer hier einen Fehler hatte, konnte immer noch erhobenen Hauptes den Parcours verlassen.“ fn-press/Hb

Alle Ergebnisse und Infos zum Preis der Besten unter www.preisderbesten.de

Stand: 14.05.2024