Deutsche Reiterliche Vereinigung
30.08.2020 | 19:30 Uhr | Uta Helkenberg

BuCha 2020: Schärpen für Namib W WE, Dark Gambler und Camisa Negra

Drei Medaillen für Pia Münker

Warendorf (fn-press). Ein herausragendes Starterfeld bei den Fünfjährigen und qualitätsvolle und gut vorgestellte Ponys und eine überschaubare Abteilung Sechsjähriger – so präsentierten sich die etwas anderen Bundeschampionate des Deutschen Vielseitigkeitspferdes im Jahr 2020. Als neue Bundeschampions gingen Dark Gambler und Camisa Negra sowie Titelverteidiger Namib W WE bei den Ponys hervor. Erfolgreichste Reiterin auf dem Vielseitigkeitsplatz war Pia Münker, die mit ihren Nachwuchspferden Medaillen in allen drei Farben sammelte. 

In der Finalqualifikation noch ein bisschen zu langsam, sicherte sich der fünfjährige dunkelbraune Dark Gambler (v. Diacontinus Mutter v. Stalypso) seinen Weg an die Spitze über den „zweiten Bildungsweg“. Mit 8,7 gewann der Hannoveraner Wallach das Kleine Finale und brachte auch im Geländefinale die Jury ins Schwärmen. „Eine mustergültige Runde mit einem Pferd, das das ganz selbstverständlich absolviert hat“, kommentierte Thies Kaspareit. Dafür gab es eine glatte 9,0, die sogar doppelt ins Endergebnis von 37,5 Punkten einfloss. Nach Dressur (7,2) und dem eineinhalbfach bewerteten Springen (8,4) rangierte das Paar noch auf Platz vier. „Ehrlich gestanden habe ich nicht damit gerechnet“, sagte von Baath, die bislang die Einzige war, die im Sattel von Dark Gambler saß. „Er hat viele Sachen von hier noch nie gemacht, ist noch nie so was Schweres gesprungen. Ich wollte, dass er eine schöne Runde nach Hause läuft, dann wäre ich schon happy gewesen. Aber so ist es natürlich die Kirsche auf der Torte“, strahlte sie. Dark Gambler stammt aus der Zucht von Andreas Middelkampf aus Badbergen und befindet sich im Besitzt von Prof. Dr. Volker Steinkraus.

Mit zwei Topgeländerunden am Sonntag gelang es Pia Münker zu guter Letzt gleich zwei Pferde in die Medaillenränge zu reiten. Mit beiden erzielte sie exakt dasselbe Endergebnis von 37,4 Punkten, wobei der Hannoveraner Abraxas (v. Araldik – Now or Never) dank des besseren Geländeergebnisses die Nase vorn hatte. Für seine harmonische und geichmäßige Vorstellung im Gelände gab es sogar die 9,2. „Der Hengst ist ausbildungsmäßig auf dem richtigem Weg“, attestierte die Jury. Aus der Dressur brachte der Hengst eine 7,9 mit, aus dem Parcours eine 7,4 ins Finale. Abraxas stammt aus der Zucht des ehemaligen Vorsitzenden des Hannoveraner Verbandes Manfred Schäfer aus Vechelde, Besitzer ist das Gestüt Fohlenhof in Hassloch. Balou’s Mascot stammt dagegen aus eigener Zucht. Wie bei ihrem ehemaligen Erfolgspferd Louis ist Vater Franz-Josef Münker der Züchter. Balou's Mascot stammt ab von Balou du Rouet aus einer Mutter vom Angloaraber Cook du Midour AA. Ihre Noten im Finale ergaben sich aus 7,8 (Dressur), 8,5 (Springen) und 8,8 (Gelände). „Ich bin super stolz auf die beiden, das hätte jetzt nicht besser enden könnten“, sagte Münker strahlend. „Balou’s Mascot hat schon toll vorgelegt, hat den Kurs super einfach wirken lassen, und Abraxas war einfach phänomenal. Das hätte nicht besser laufen können.“ 

Des einen Freud‘, ist jedoch oft des anderen Leid. Das musste auch Pechvogel Anna Lena Schaaf erfahren. Die Doppel-Junioreneuropameisterin lag mit ihrer Stute Laguna, einem Oldenburger Sportpferd v. Lavagon – Cartani, nach Dressur und Springen in Führung und auch im Gelände sah es so aus, als könnte sie diese Position halten. Doch es stellte sich heraus, dass sie vor ihrem Ritt einmal durchs Wasser geritten war. Das war zwar bei der Finalqualifikation erlaubt, nicht aber im Finale. Damit blieb den Richtern nichts anderes übrig, als das vielversprechende Paar zu disqualifizieren.

Sechsjährige Vielseitigkeitspferde: Titel für Camisa Negra
Wie bei den fünfjährigen, war auch bei den sechsjährigen Pferden von Beginn an kein eindeutiger Favorit auszumachen. In den Finalqualifikationen und Kleinen Finals glänzten andere Pferde an der Spitze als später auf dem Viereck und im Springen. Und dann kam speziell bei den Sechsjährigen auch noch ein anspruchsvolles Geländefinale dazu. Als komplettestes Pferd kristallisierte sich in dieser Altersklasse die Holsteiner Stute Camisa Negra (v. Cascadello II – Contender) heraus, die ihrer Reiterin Pia Münker nach Silber und Bronze zu guter Letzt noch die schwarz-rot-goldene Siegerschärpe bescherte. „Mir fehlen die Worte. Camisa hat das Wochenende hier gekrönt, das war abnormal. Die Geländerunde war gigantisch. Ich hatte gehofft, dass sie es annimmt, wie sie es heute getan hat, denn ich kenne sie als Kämpferin“, schwärmte die 27-Jährige, die seit Oktober ihre Zelte wieder im Rheinland, auf dem Bonner Rodderberg, aufgeschlagen hat. Aus einer 8,50 in der Dressur, einer 6,7 im Parcours und einer finalen 8,8 im Gelände errechnete sich ein Endergebnis von 36,15 Punkten.

Der zweite Platz ging an Jens Hoffrogge, der ähnlich wie Pia Münker mit einer ganzen Reihe von Pferden in Warendorf an den Start ging, vorwiegend Nachkommen des auf seiner Hengststation in Dorsten stationierten Vollblüters Asagao xx. Bei den Sechsjährigen war es allerdings der Trakehner Ibsen (v. Checkpoint – Michelangelo) aus der Zucht und im Besitz des Gestüts Webelsgrund, der ihm die Silbermedaille bescherte. Der dunkelbraune Hengst sammelte insgesamt 35,5 Punkte - 7,30 in der Dressur, 8,5 im Springen und 8,1 im Gelände.

Auf dem Bronzerang landete der Fuchswallach Lou Daymen (v. Landor S – Come Back II), ein Oldenburger Sportpferd aus der Zucht und im Besitz von Anja Mauchert (Wurster Nordseeküste) und vorgestellt von Linn Sophie Mauchert mit einem Gesamtergebnis von 33,75 Punkten.

Von ursprünglich neun Pferden im Finale beendeten fünf die Prüfung. Nicht darunter die Siegerin der Finalqualifikation, Cascablanca von Pia Münker. „Cascablanca hat alle unsere Erwartungen schon vor dem Finale übertroffen. Die Stute ist Ende letzten Jahres zu mir in den Stall gekommen, hatte noch keine Turniererfahrungen bis dato und hat sich in dieser Einlaufprüfung so gigantisch gezeigt“, begründete Münker den Entschluss, die Stute nach dem Springen zurückzuziehen. Und auch Lillybelle EA sah das Ziel nicht. Die mit Anna Siemer (Salzhausen) im Sattel noch führende OS-Stute schied im Gelände überraschenderweise an einem Eck-Sprung aus. „Mein Pferd ging bis dahin sensationell, war rittig und voll bei mir. Sie hat den Sprung wohl nicht erkannt, ich habe keine Ahnung. Ich hätte es besser machen müssen ganz klar. Das ist meine Schuld und nicht die des Pferdes“, bedauerte die Reiterin.

„Der Kurs für die sechsjährigen Pferde war sicherlich anspruchsvoll, ein würdiger Kurs für eine Geländeprüfung Klasse M. Leider hatten wir relativ wenig Starter und dann sind natürlich relativ viele Pferde ausgeschieden. Ich glaube aber nicht, dass es zu schwer war. Es waren Pferde dabei, die das sehr gut bewältigen konnten, auch unerfahrenere Pferde“, sagte dazu Bundestrainer Fritz Lutter.

Fünf- und sechsjährige Vielseitigkeitsponys: Namib W WE gelingt Titelverteidigung 
Anders als bei den Großen nahm bei den Vielseitigkeitsponys der Vorjahressieger Namib W WE (v. Nutrix I Mutter v. Kennedy WE) von Beginn an Kurs auf die Titelverteidigung. Vorgestellt wurde der in Weser-Ems von Hilde Wassmann aus Badbergen gezogene Rappe wie im Vorjahr von der 22-jährigen Hannah Weinkopf aus Helmstedt, die von der Neuregelung profitierte, dass seit diesem Jahr auch erwachsene Ü21-Reiter die Vielseitigkeitsponys bei den Bundeschampionaten vorstellen dürfen. Das Paar startete mit einer 8,5 aus der Dressur und einer 8,3 aus dem Springen mit etwas Vorsprung ins Gelände, wo sich Namib W WE zunächst noch etwas am Sprung festhielt, dann jedoch seine Qualität am Sprung ausspielte und „die letzte Tour ganz sicher und geschmeidig nach Hause brachte“. Dafür und für die raumgreifende Galoppade, die es ihm ermöglicht, problemlos in die Zeit zu galoppieren, gab es die Note 8,5 und damit ein Endergebnis von 37,95 Punkten. Namib W WE, der zuhause in Helmstedt gemeinsam mit einem Dutzend anderer Pferde und Ponys in einem Offenstall lebt, ist ein Familienprojekt. Bei den Bundeschampionaten 2020 saß auch Schwester Maja Weinkopf in seinem Sattel und qualifizierte ihn zusätzlich fürs Finale der sechsjährigen Springponys.

Das beste Geländeergebnis im Preis der Familie Rosendahl erzielte im Finale der in Holstein gezogene Nightfire (v. Fehkamps Nightley - Aragon N) aus der Zucht von Karl-Heinz Hansen und im Besitz von Barbara Bast. Seine Reiterin Carlotta Müller (Hitzhusen) konnte im vergangenen Jahr bereits mit SF Magic Mike den Vize-Bundeschampion vorstellen. Nun gelang ihr mit „Norbert“ die Wiederholung. „Ein Pony, das durch seine kraftvolle Galoppade auffällt, das dennoch beim Zulegen nicht eiliger wird, sondern immer im Rhythmus bleibt“, urteilte die Jury und lobte neben der Rittigkeit auch die gute Beintechnik des Rappwallachs. Dank einer glatten 9,0 errechnete sich für Nightfire ein Endergebnis von 36,75 (Dressur 7,8 / Springen 7,3).

Den Bronzerang belegte mit 36,05 Punkten die in Weser-Ems aus einer Mutter von Prince Thatch xx gezogene Penny Lane von Calido-G. Züchter ist Friedrich Kuhlmann aus Neuenkirchen-Vörden, Besitzerin Isabella Karg. Vorgestellt wurde sie von Laura Henning aus Bad Tennstedt. Der von ihrer Vollblutmutter geprägten Stute attestierten die Richter genügendes Vermögen, wünschten sich lediglich eine bessere Bergaufgaloppade (Note 8,2). 

Mit dem diesjährigen Starterfeld bei den fünf- und sechsjährigen Vielseitigkeitsponys zeigten sich die Richter sehr zufrieden. Zwar sei die Qualität nicht unbedingt besser gewesen als im Vorjahr, jedoch wurden die Ponys besser vorgestellt. „Ältere Reiter zuzulassen, war der richtige Schritt. Man konnte sehen, dass die Ponys deutlich mehr Routine hatten. Die Reiter haben ihnen mehr Sicherheit gegeben am Sprung und Sprungablauf, so dass sie ihre Qualität besser darstellen konnten“, so Fritz Lutter. Hb

Mehr Informationen zum Verlauf der Bundeschampionate sind in den Tageszusammenfassungen unter www.Bundeschampionate.tv zu finden. 

Stand: 31.08.2020