Deutsche Reiterliche Vereinigung
29.08.2020 | 20:30 Uhr | Uta Helkenberg

BuCha 2020: Erste Finales haben begonnen

Vielseitigkeitspferde bestreiten Dressur und Springen / Finalqualifikationen für sechsjährige Springpferde und -ponys

Warendorf (fn-press). Am dritten Tag der etwas anderen Bundeschampionate wurden die letzten Weichen für den Showdown am Sonntag gestellt. Die Vielseitigkeitspferde und -ponys absolvierten bereits die ersten beiden Teilprüfungen ihres Finales – Dressur und Springen -, die sechsjährigen Springpferde bestritten ihre zweite und die fünfjährigen Springponys ihre erste Finalqualifikation. Und dann gab es noch eine Premiere: Erstmals wurde ganz offiziell der Bundeschampion des siebenjährigen Deutschen Springpferdes gekürt (siehe eigener Bericht).


Auf dem Springplatz machten am Vormittag die fünfjährigen Springponys im Preis des Garten- und Landschaftsbaus Brückner den Auftakt. Das beste Ergebnis von 8,7 lieferte dabei Paulanus SG (v. Paul SG – Mentos) ab, vorgestellt von Lara Tönnissen (15) aus Senden. „Paulanus wurde von meinem Opa Gerd Schulte-Geldermann gezogen. Ich habe ihn seit er vier ist, er ist fünfjährig das erste Turnier gegangen – und jetzt sind wir hier“, sagte sie. „Mein Opa hat das Pony gezogen, ich habe ihn seitdem er vier ist. Da ist er noch kein Turnier gegangen. Ab fünfjährig ist er auf Turnieren vorgestellt worden, hat das sehr gut gemacht und jetzt sind wir hier. Das ist unser erstes Bundeschampionat. Gestern war Paulanus schon gut, allerdings noch ein bisschen zu unbeeindruckt. Heute war es besser, er hatte mehr Zug drauf und ist noch besser gesprungen. Er ist im Alltag sehr verspielt und verschmust. Mein kleiner Bruder reitet ihn zuhause auch, er ist totenbrav. Bei mir ist er ein bisschen mehr an, aber ein tolles Kinderpony ist er auf alle Fälle“, sagte Tönnissen.

Ein ganz junges Paar sind auch die erst zwölfjährige Nele Marie Karshüning aus Borken und ihr in Westfalen gezogener Donnerwetter (v. Da Capo – Top Nantano) aus der Zucht von Petra Micheel aus Hamm. „Wir haben ihn erst im Winter gekauft, da konnte er noch nicht so viel. Jetzt hat es schon toll geklappt. Es ist erst sein sechstes Turnier, gleich auf unserem zweiten Turnier haben wir uns für die Bundeschampionate qualifiziert.“ Mit einer 8,5 belegte Donnerwetter Platz zwei vor dem ebenfalls in Westfalen gezogenen Little Star (v. A new Star – FS Champion de Luxe, Züchterin: Annette Lembeck-Heßling, Besitzer: Johannes-Hinrich Wollesen). Als letzter Starter erzielte dieser mit seinem Reiterin Madita Bruhn aus Leck die Wertnote 8,4. Die 16-Jährige war in dieser Prüfung mit gleich drei Ponys am Start.

Sechsjährige Springpferde: Drei Sieger und 40 Finalisten
Noch 88 sechsjährige Springpferde traten zur zweiten Finalqualifikation an. „Es ist in diesem Jahr eine ,Light-Version' des Bundeschampionats, aber die Qualität der Sprünge, des Bodens und der Pferde ist wie immer gut. Das Publikum fehlt trotzdem ein bisschen“, sagte Mario Maintz, der mit seinem Hengst Delestre (v. Diarado - El Bundy I) aus der Zucht von Tanja Ilken die schnellste Runde drehte und damit die erste Abteilung um den Preis der Familie Gisela und Franz Schockemöhle und der Firma High Score Perfomance Ground für sich entscheiden konnte. „Den Hengst habe ich Ende vierjährig vom Züchter erworben und seitdem bei mir in der Ausbildung gehabt. Er hat sich im letzten Jahr schon für das Bundeschampionat qualifiziert, da habe ich ihn aber nicht starten lassen. Dieses Jahr haben wir uns für den Start entschieden und sind sehr glücklich mit ihm. Wir freuen uns schon darauf, wenn er mal größere Springen gehen darf“, sagte Maintz. In der ersten Qualifikation hatte Delestre noch einen Fehler, im zweiten Versuch achtete der 31-jährige Altenbergener weniger auf die Wertnote als auf die Zeit, auch wenn beides am Ende über den Einzug ins Finale entscheidet. Insgesamt 40 Paare sind im Finale startberechtigt. 

In der zweiten Abteilung, dem Preis der Hengststation Gerd Sosath, siegte Kevin Lensky aus Braunschweig mit der Stute Hylanderhof's Kanta Lou (v. Kannan – Stakkato) aus der Zucht von Sina Dierking aus Gilten und im Besitz der Reitanlage Sonnenbrink. „Ich hatte leider einen ärgerlichen Fehler in der ersten Qualifikation, aber jetzt läuft es ganz gut. Dieses ist mein erstes Bundeschampionat, wir sind vor allem gekommen, um Erfahrung zu sammeln“, sagte Lensky über die Stute, die vierjährig ein Fohlen hatte und erst im letzten Jahr in den Sport kam. „Das heute war definitiv das schwerste Springen in ihrem bisherigen Leben, dafür konnte sie es super souverän meistern."

Um den Preis von Lutz Gössing ging es in der dritten Abteilung. Hier hatte Fabian Legros (Barsinghausen) mit in der Familie gezogenen Largentino-Tochter Lady Fussel die Nase vorn, ebenfalls eine Enkelin des Stakkato. „Von den Bedingungen her ist es super. Wenn volle Ränge da sind, macht es natürlich noch einmal mehr Spaß. Im letzten Jahr waren wir bei den Fünfjährigen dabei und konnten und nach drei Nullrunden auf Platz zehn platzieren. In diesem Jahr sind wir auch schon zweimal Null gewesen, gestern und heute. Jetzt wollen wir mal schauen, was da noch kommt“, so Legros.

Am morgigen ersten Finaltag der etwas anderen Bundeschampionate bilden die sechsjährigen Springpferde den krönenden Abschluss. Ihr Finale beginnt um 14 Uhr. Den Auftakt macht um 8.30 Uhr das Finale der fünfjährigen Springponys, gefolgt von den sechsjährigen um 9.45 Uhr. Ab 11.15 Uhr ermitteln die fünfjährigen Springpferde ihren Bundeschampion 2020.

Vielseitigkeit: Finalauftakt in Viereck und Parcours
Bot sich den Vielseitigkeitsreitern noch in den Finalqualifikationen und Kleinen Finals ein ähnliches Bild wie bei „normalen“ Bundeschampionaten, zogen sie für den ersten Teil ihres Finales auf neues Terrain um, die Burandtwiese. Wo sonst die Reitpferde ihre Champions ermitteln, war für das das Viereck aufgebaut. Am Nachmittag ging es dann ins Springstadion, das vor Jahren schon einmal Schauplatz ihrer Springprüfungen war, bevor sie später auf den Ebbe-Flut-Platz umzogen.

In den beiden ersten Teilprüfungen bestätigte der Vorjahreschampion der Ponyvielseitigkeitsponys, Namib W WE (v. Nutrix – Kennedy WE), vorgestellt von Hannah Weinkopf aus Helmstedt, als Einziger seine Spitzenposition aus der Finalqualifikation. Mit einer 8,5 in der Dressur und einer – eineinhalbfach gewerteten - 8,3 im Springen führt der in Weser-Ems von Hilde Wassmann (Badbergen) gezogene Rappe das Feld vor dem sonntäglichen Geländefinale an. Auf Platz zwei folgen Penny Lane (v. Calido G - Prince Thatch xx, Züchter: Friedrich Kuhlmann, Besitzerin: Isabella Karg), geritten von Laura Henning (zwei Mal 7,7) sowie Christina Schöniger aus Lengenfeld mit der in der Familie gezognenen Schoensgreen Maddy von Playback - Black Horse (7,2 und 8,0).

Bei den „Großen“ zeichnete sich dagegen ein neues Bild an der Spitze ab. Bei den Fünfjährigen hat Lagona v. Lavagon – Cartani die Nase vorn. Die braune Stute aus der Zucht von Theodor Sporkmann aus Bottrop und erst seit Kurzem im Besitz ihrer Reiterin, Junioren-Doppeleuropameisterin Anna Lena Schaaf aus Hünxe, überzeugte nicht nur im Viereck (8,4), sondern glänzte auch mit einer Nullrunde und der glatten 9,0 als im Springen. „Ein super eingeteilter Ritt, gleichmäßig im Rhythmus, das Pferd konnte sich an jedem Sprung voll entfalten“, so der Kommentar der Jury. Mit ebenfalls einer Nullrunde und der Note 8,6 schob sich die Hannoveraner Stute Peppermint Patty auf den zweiten Platz vor (Dressur 8,1). Die Tochter des Perigeux wurde von Diedrich Meyer (Köhlen) aus einer Vollschwester zu Sandra Auffarths Bundeschampionesse Corona gezogen und als Fohlen von Britta Züngel erworben. Vorgestellt wird die Fuchsstute in Warendorf von Stephan Dubsky (Verden). Den dritten Platz vor dem abschließenden Gelände belegt Nicolai Aldinger aus Salzhausen mit dem Cascadello I-Sohn Crosby (MV: Hosco) aus der Zucht und im Besitz von Hermann Hogreve aus Holstendorf. Er fügte seiner Dressurnote von 7,1 die Note 8,5 im Parcours hinzu.

Nur noch acht Pferde traten bei den Sechsjährigen im Parcours an, von denen gleich das erste den Vogel abschoss: Lillybelle EA v. Diarado – Lissabon, wie Lagona ein Oldenburger Springpferd, vorgestellt von Anna Siemer. „Ihre Züchterin und Besitzerin Elisabeth Ahn hat mich vor zwei Jahren bei den Bundeschampionaten reiten sehen und mich danach angerufen, sie hätte ein Pferd für mich“, berichtete die EM-Reiterin aus Salzhausen. Mit einer 7,0 in der Dressur und einer 8,4 geht das Paar am Sonntag als Spitzenreiter an den Start. Wie auch Jens Hoffrogge, der mit dem Trakehner Ibsen (v. Checkovich - Michelangelo) vom Gestüt Webelsgrund an zweiter Stelle rangiert, konnte Anna Siemer in der Vergangenheit bereits einen BundescCondhampion stellen. Von Position drei startet Pia Münker (Bonn) ins letzte Finale. Allerdings nicht mit Finalqualifikationssiegerin Cascablanca, sondern mit der erfahreneren Camisa Negra (v. Cascadello II – Contender) aus der Zucht von Reimer Detlef Hennings und im Besitz des Gestüts Fohlenhofs, die nach einer guten Dressur (8,5), im Parcours  allerdings zwei ärgerliche Abwürfe bei einer ansonsten sehr sicheren Runde hinnehmen musste.

„Wenn wir die Parcours gesehen haben, die waren sehr großlinig angelegt. Es gab viel zu galoppieren, was auch dementsprechend schwierig wird, denn man muss die Pferde auf den langen Wegen auch im Gleichgewicht halten. Bei den Sechsjährigen war eher etwas schwieriger. Es waren auch Pferde dabei, die erst gut sprangen, aber dann hintenraus etwas die Konzentration verloren und dann auch mal Fehler machten. Die langen Linien wurden auch in den Distanzen schwierig“, sagte dazu Fritz Lutter. Für den Bundestrainer der Ponyvielseitigkeitsreite besonders erfreulich: „Bei den Ponys gab es viele gute Ritte und gut springende Ponys.“

Die finalen Geländeprüfungen beginnen morgen um 9:30 Uhr mit den fünf- und sechsjährigen Vielseitigkeitsponys, gefolgt um 11.30 Uhr mit den fünfjährigen und um 14.15 Uhr mit den sechsjährigen Pferden. Die Noten für den Geländeritt fließen dann doppelt in die Gesamtnote ein, so dass es noch einmal richtig spannend zu werden verspricht. Wer als Zuschauer an den Bildschirmen einmal selbst in die Rolle des Richters schlüpfen möchte, kann dies via App oder ClipMyHorse.TV am Spectator Judging beteiligen. „Bislang haben die Ergebnisse weitgehend übereingestimmt“, berichte Daniel Göhlen vom Softwareunternehmen Black Horse One. Lediglich bei der Dressur der Ponyvielseitigkeitsponys sah das Publikum Nabucco mit Christina Schöniger um eine Nasenlänge vor Hannah Weinkopf und Namib W WE. Hb

Stand: 31.08.2020