Deutsche Reiterliche Vereinigung
27.11.2013 | 16:07 Uhr | Susanne Hennig

FN-Kongress: Wenn der Sattel drückt...

Klare Absage an dicke Pauschen

Warendorf (fn-press). Wenn sich das Pferd nicht wohl fühlt, in seinem Bewegungsablauf unter seinen Möglichkeiten bleibt und der Reiter mit seinem sprichwörtlichen Latein am Ende ist, kann die Ursache in einem falschen oder nicht passenden Sattel liegen. Wie man das erkennt, erfuhren rund 100 Besucher des Kongresses „Wenn der Sattel drückt“, zu dem die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) nach Warendorf geladen hatte.

 „Weil Pferde nicht sprechen können, ist eine richtige Diagnose bei Rückenschmerzen manchmal schwierig.“ Dr. Hilde Skowronek, Tierärztin an der Tierklinik in Telgte, führte mit ihrem Vortrag über den Pferderücken und seine Muskeln ins Thema ein. So erfuhren die Teilnehmer, welchen Schmerzreaktionen beim Pferd durch einen nicht passenden Sattel ausgelöst werden können. Besondere Bedeutung haben die direkt am Wirbelkörper sitzenden Muskeln (musculi multifidi), die über viele Schmerzrezeptoren verfügen. Durch punktuellen Druck des Sattels auf einen Muskel kann sogar eine Atropien, eine Rückbildung des Muskels, entstehen.

Die Sattlermeister Frank Peter (Siegen) und Tom Büttner aus Dresden verdeutlichten, warum ein nicht passender Sattel zum Gesundheitsrisiko von Pferd und Reiter werden kann. Im Anschluss an einen Überblick über Sattelarten und -materialien erklärten sie, wie der Sattel optimalerweise auf dem Pferd liegen muss. Keinesfalls darf er die Schulter und den Wirbelkanal einengen. Die Passform, die Form des Sattelbaums, muss dem Pferd entsprechen. Kleine Änderungen kann man durch Umpolsterung erreichen, aber ein nicht passender Sattelbaum kann durch Polstern nicht passend gemacht werden“, erläuterte Tom Büttner. Als problematisch bewerteten die Referenten die Tendenz in der Zucht, Pferde mit immer kürzerem Rücken zu züchten. Wenn dann noch ein Reiter eine große Sitzfläche benötigt, wird es für den Sattler schwierig. Informationen über Gurtungen, Sattelkissen und Pauschen ergänzten die Ausführungen.

Was der Sattel aus Sicht des Reiters und der Reitlehre leisten muss, war das Thema von Eckart Meyners, Sportpädagoge aus Lüneburg, und Thies Kaspareit, Leiter der FN-Abteilung Ausbildung und Wissenschaft. Während Thies Kaspareit Sitz und Einwirkung des Reiters anhand der Richtlinien für Reiten und Fahren erläuterte, legte Eckart Meyners den Schwerpunkt auf die bewegungsphysiologischen Zusammenhänge. Wichtig ist für ihn, dass Größe und Breite eines Sattel die dreidimensionale Bewegungen des Reiters zulassen müssen. Eine klare Absage erteilte er dicken Pauschen, die die Bewegung stark einschränken. Meyners machte auch deutlich, dass sich viele Reiter nicht genügend mit dem Thema Sattel beschäftigen: „Wenn man die Reiter fragen würde, was einen guten Sattel auszeichnet, dann hätten wir die abstrusesten Sättel.“

Abgerundet wurde der Kongress mit einem Praxisteil in der Reithalle. Hannes Müller, Leiter der Deutschen Reitschule, und die beiden Sattler zeigten am Beispiel dreier Reiterinnen und Pferde, we4lche Auswirkungen auf die Bewegung des Reiters und des Pferdes ein nicht passender oder falsch aufliegender Sattel hat.  hen

Stand: 27.11.2013