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Deutsche Reiterliche Vereinigung - Bundesverband für Pferdesport und Pferdezucht, Foto: FN-Archiv

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27.09.2018 | 09:25 Uhr | Julia Basic

"Das deutsche Team hat Werbung für unseren Sport betrieben"

Weltreiterspiele aus sportlicher Sicht so erfolgreich wie selten zuvor

Warendorf (fn-press). Mit 17 Medaillen im Gepäck, so viele wie keine andere Nation gewonnen hat, sind die deutschen Pferdesportler von den Weltreiterspielen in Tryon/USA zurückgekehrt. Aus sportlicher Sicht waren die Spiele so erfolgreich wie selten zuvor – und das, obwohl die deutsche Teamführung alle Hände voll zu tun hatte, etliche Störfaktoren von den Athleten so gut wie möglich fernzuhalten. Dr. Dennis Peiler, Geschäftsführer des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei und Chef de Mission in Tryon, zieht ein insgesamt positives Fazit dieser achten Weltreiterspiele.

FN-aktuell: Dr. Peiler, sind Sie zufrieden mit den Ergebnissen des deutschen Teams in Tryon?
Dr. Dennis Peiler: Absolut. Unsere Ziele lauteten, uns für die Olympischen Spiele und Paralympics 2020 in Tokio zu qualifizieren sowie es unter die Top-Drei im Medaillenspiegel zu schaffen. Alle Ziele haben wir erreicht. Wir führen sogar mit großen Abstand den Medaillenspiegel an. Das heißt, unsere Erwartungen wurden übertroffen. Besonders erfreulich ist, dass fast alle Disziplinen zum Ergebnis im Medaillenspiegel beigetragen haben. Das stellt einmal mehr unter Beweis, auf welch hohem Niveau der deutsche Pferdesport disziplinübergreifend aufgestellt ist. Das hat keine andere Nation in dieser Form geschafft.

Es gab an den 14 Wettkampftagen allerhand Grund zur Freude. Welche Momente haben Sie besonders positiv überrascht?
Ich glaube, es war für alle überraschend, dass Simone Blum und DSP Alice Weltmeister geworden sind. Jeder wusste, dass beide hochtalentiert sind. Aber bei den Weltreiterspielen über fünf Runden fehlerfrei zu bleiben, das ist außergewöhnlich. Mich freut es besonders, dass diese junge Springreitermannschaft mit ihrem erfahrenen Teamkapitän Marcus Ehning den Sprung aufs Treppchen geschafft hat. Die Reiner haben ihre erste WEG-Medaille gewonnen, seit sie an Weltreiterspielen teilnehmen. Das ist für diese Disziplin außergewöhnlich. Zu den Höhepunkten zählen aber auch ganz klar Isabell Werth und Bella Rose. Bei ihren Ritten hatte bestimmt nicht nur ich eine Gänsehaut. Das war eine Werbung für unseren Sport. Ebenso die Leistungen unserer Voltigierer, die für viel Begeisterung vor Ort gesorgt haben. Erfreulich ist auch, dass unsere Para-Dressurreiter, die im vergangenen Jahr bei der EM in Göteborg zum ersten Mal seit zehn Jahren keine Mannschaftsmedaille bei einem Championat gewonnen haben, in Tryon wieder den Sprung aufs Treppchen geschafft haben und auch noch ein paar Einzelmedaillen beisteuern konnten. Das stimmt uns sehr zuversichtlich in Richtung Tokio.

Im Voltigieren wurde erstmals ein Nationenpreis-Wettbewerb ausgetragen, in dem ein Team bestehend aus zwei Einzel-Voltigierern und einer Gruppe, gemeinsam um eine Medaille kämpft. Ist das neue Konzept in Tryon aufgegangen?
Das war eine sehr gute Idee. Das Konzept des Nationenpreises ist vor allem in Aachen, aber auch bei anderen internationalen Turnieren, in den vergangenen Jahren ausprobiert worden. Somit hatte man schon einmal Erfahrungswerte. Der Nationenpreis ist ein echter Mannschaftswettbewerb, weil er eben sowohl die Einzel-Voltigierer als auch die Gruppen mit einbezieht. Das hat für große Begeisterung und einen ebenso großen Zusammenhalt im Team gesorgt. Das Konzept ist in Tryon also voll aufgegangen. Und für uns war natürlich das i-Tüpfelchen, dass unsere Voltigierer diese Premiere gleich gewinnen konnten.

Wie war insgesamt vor Ort die Stimmung in der deutschen Mannschaft?
Wir hatten disziplinübergreifend eine sehr gute Stimmung im Team. Die Sportler haben sich gegenseitige die Daumen gedrückt – da haben zum Beispiel die Fahrer auf der Tribüne die Springreiter angefeuert oder die Voltigierer mit den Reinern eine spontane Medaillen-Party gefeiert. Es war insgesamt ein großer Zusammenhalt zu erkennen. Dazu haben sicherlich auch die Abende beigetragen, an denen wir uns gemeinsam auf die anstehenden Wettbewerbe eingestimmt oder zusammen Erfolge gefeiert haben. Es sind ja nicht nur 17 Medaillen gewonnen worden, sondern es gab auch viele gute vierte Plätze, die geradeso am Podium vorbeigeschrammt sind. Wir hatten also ein sehr hohes Leistungsniveau. Dass es immer mal auch sportliche Tiefpunkte geben kann, ist ganz normal, die haben sich diesmal aber sehr in Grenzen gehalten. Deswegen können fast alle Athleten und Trainer sehr, sehr zufrieden nach Hause fahren. Das deutsche Team hat eine Werbung für den Pferdesport und die deutsche Pferdezucht betrieben.

Tryon liegt zwar mit North Carolina in einem pferdebegeisterten US-Bundestaat, jedoch relativ weit entfernt von größeren Städten. Hat man dennoch vor Ort Begeisterung für die Weltreiterspiele gespürt?
Überall, wo wir waren, sind wir auf freundliche Menschen gestoßen - ob das die zahlreichen Volunteers waren, die sich hingebungsvoll darum bemüht haben, Top-Abläufe in die Veranstaltung zu bekommen, die Menschen im Supermarkt, die sich mitgefreut haben oder die deutschen Fans, darunter die Persönlichen Mitglieder der FN, die vor Ort die Daumen gedrückt haben und sich für unseren Sport begeistert haben. Das bleibt auch vielen in Erinnerung. Die Menschen in Amerika waren unglaublich freundlich zu uns. Dafür sind wir sehr dankbar und das hat auch für große Motivation gesorgt.

Dennoch waren die Spiele für alle Beteiligten ein hartes Stück Arbeit. Welche Ereignisse werden Sie in nicht ganz so guter Erinnerung behalten?
Zu den absolut negativen Aspekten dieser Spiele zählten aus organisatorischer Sicht die ersten anderthalb Wochen, in denen wir vor Ort waren. Dass es keine Unterkünfte für die Grooms gab und sie jeden Morgen mit gepackten Koffern wieder auf dem Veranstaltungsgelände standen und nicht wussten, wo sie abends schlafen, ist ein absolutes No-Go. Das war eine Höchstbelastung für alle Beteiligten. Und es war im Vorfeld abzusehen, dass die Unterkünfte nicht fertig werden. Es wäre sicherlich ganz anders gelaufen, wenn man den Föderationen früher Bescheid gesagt hätte, dass es ein Problem gibt. Dann hätte man sich darauf einstellen können und selbst um Unterkünfte kümmern können. So sind wir als Teamführung angekommen und von der Situation überrascht worden. Ein weiteres Problem war, dass die Pferdesport-Welt in einer Baustelle begrüßt wurde. Der Veranstalter war mit den Baumaßnahmen einfach viel zu spät dran – bei allem Verständnis, dass Tryon nur zwei Jahre Vorbereitungszeit hatte und für Bromont eingesprungen ist. Nichtsdestotrotz war die Summe der aufgetretenen Probleme eine enorme Belastung für alle Beteiligten. Wir waren die ganze Zeit höchst bemüht darum, die Störfaktoren von den Athleten fernzuhalten, damit sie sich voll und ganz auf den Sport konzentrieren konnten.

Sie sprachen bereits an, dass bei einem solchen Event bei aller Freude über die Medaillen auch sportliche Tiefpunkte nicht ausbleiben. Welche waren das aus Ihrer Sicht?
Der negative Höhepunkt in der ersten Woche war das Distanzreiten, weil organisatorisch chaotische Zustände herrschten. Die vielen Pferde mit metabolischen Problemen - die meisten hatten zu hohe Pulswerte - und die damit verbundene hohe Zahl an Ausfällen werfen einmal mehr ein sehr schlechtes Licht auf diesen Sport. Unsere Reiter hingegen haben sich sehr gut geschlagen. Mit Ursula Klingbeil und Bernhard Dornsiepen waren zwei von drei deutschen Reitern bis zum Abbruch des Rittes noch gut im Rennen und ihre Pferde in guter Verfassung. Das zeigt, dass sie ihre Pferde richtig eingeschätzt haben und gut mit ihren Kräften gehaushaltet haben.
Die Wettbewerbe der Vierspänner waren der Tiefpunkt der zweiten Woche. Leider kamen hier verschiedene Aspekte zusammen. Zum einen, dass alle drei Fahrer schon in der Dressur nicht die Leistungen haben abrufen können, zu denen sie in der Lage sind. Sie zählen traditionell zu den stärksten Nationen im Gelände. Wenn sie nicht sogar die stärkste sind. Doch dann kamen das unglückliche Verfahren von Georg von Stein an Hindernis fünf, das viel Zeit gekostet hat, und der Sturz eines Pferdes von Christoph Sandmann, was zum Ausschluss geführt hat. Das sind natürlich Dinge, die man nicht vorhersehen kann. Insofern war das für die Fahrer, die bislang immer um die Medaillen mitgefahren sind, sicherlich ein absoluter Tiefpunkt. Hier sind einige Hausaufgaben für die Zukunft zu tun, um künftig wieder auf Weltspitzenniveau mitfahren zu können.

Dass letztlich der Distanzritt abgebrochen wurde und die Grand Prix Kür gar nicht ausgetragen wurde, waren das rückblickend die richtigen Entscheidungen?
Der Abbruch des Distanzrittes war für die Athleten ein ganz bitterer Moment. Viele haben jahrelang auf diesen Moment hingearbeitet und sich darauf vorbereitet. Wenn am Ende der Ritt abgebrochen wird und in den Listen des Championats nicht stattgefunden hat, ist das ein ganz bitterer Moment. Ich habe vollstes Verständnis für die Enttäuschung der Athleten. Aber mit dem Blick auf das Wohlergehen der Pferde war es die absolut richtige Entscheidung. Denn die Gesundheit der Pferde hat oberste Priorität. Der Verlauf des Rennens war aber leider systematisch für den Verlauf der gesamten Veranstaltung.
Es herrschte insgesamt vollstes Verständnis dafür, dass die Kür nicht am Sonntag ausgetragen wurde. Das war aufgrund der Wettervorhersagen mit den drohenden Ausläufern des Hurrikans Florence die absolut richtige Entscheidung. Die Equipechefs hatten sich einstimmig gegen eine Austragung am Montag ausgesprochen, da bereits mittags die Pferde verladen werden mussten, weil ihr Flug nach Europa für den Abend fest gebucht und nicht zu verschieben war. Es wäre den Pferden nicht zuzumuten gewesen, am gleichen Tag sportliche Höchstleistungen zu bringen und direkt im Anschluss auf dem Flieger zu stehen. Meiner Auffassung nach gab es aber andere Möglichkeiten. Man hätte beispielsweise am Samstag das letzte Hindernis der Geländestrecke der Vielseitigkeitsreiter aus dem Hauptstadion herausnehmen können, um dort die Kür auszutragen. Das hätte der Vielseitigkeit keinen Abbruch getan, weil die Zuschauer ohnehin an der Strecke standen und nicht im Stadion saßen. Es hätte auch die Möglichkeit gegeben, die Kür am Samstag parallel zum Geländeritt im kleinen Stadion stattfinden zu lassen. Dass sich das negativ auf die Fernsehübertragungen ausgewirkt hätte, dafür habe ich auch vollstes Verständnis. Aber es hätte eben Möglichkeiten gegeben. Die Absage war natürlich bitter, denn wir hätten ein bis zwei Medaillen erreiten können. Insofern war das auch für unsere Athleten sehr schade.

Welches Zeugnis stellen Sie dem Veranstalter aus?
Ein geteiltes. Man muss an dieser Stelle die Organisatoren und die Mitarbeiter des Weltreiterverbandes FEI loben, die Tag und Nacht alles daran gesetzt haben, um diese Spiele gelingen zu lassen. Es wurde vor Ort auch nach Beginn der Spiele rund um die Uhr weiter intensiv gearbeitet. Jeden Tag waren bauliche Fortschritte erkennbar. Die Bedingungen für die Pferde, die Stallungen und Böden auf den Trainingsplätzen und in den Stadien, waren sehr gut. Das ist nicht überall so.
Die Probleme im Distanzreiten wären aber zu verhindern gewesen. Natürlich kann es immer schlechtes Wetter geben. Aber es war im Vorhinein bekannt, dass die rund 70 privaten Grundbesitzer entlang der Strecke ihre Flächen nur für einen Tag zur Verfügung stellen. Die Aktiven hätten sich ganz anders und besser vorbereiten können, hätten sie frühzeitig eine Karte der Strecke gehabt. Außerdem war der technische Leiter des Rittes viel zu spät vor Ort. Es kamen einfach so viele Dinge zusammen, bis dahin, dass etwa 100 Reiter am Start in die falsche Richtung geführt worden sind. Das geht natürlich gar nicht und ist in dieser Form noch nicht vorgekommen.

Glauben Sie, dass nach den Erfahrungen in Tryon noch einmal ein Veranstalter diese Mühen auf sich nehmen wird?
Ich hoffe sehr, dass die Weltreiterspiele eine Fortsetzung finden. Fakt ist aber auch, dass das bisher alle Veranstalter vor finanzielle und organisatorische Herausforderungen gestellt hat. Lediglich Aachen war 2006 in der Lage, dies mit Bravour zu meistern. Alle anderen hatten etliche Probleme, entweder finanzieller oder organisatorischer Art. Manche auch beides. Die FEI wird höchste Anstrengungen unternehmen müssen, um dieses Konzept so aufzustellen, dass es zu zukunftsfähig ist und um Veranstalter zu finden, die sich diesen Belastungen auch aussetzen wollen. Gerade für die nicht-olympischen Disziplinen sind die Weltreiterspiele die Plattform schlechthin, um eine Aufmerksamkeit für ihre Sportart zu bekommen, wie sie sie sonst nie haben. Weltreiterspiele sind die Olympischen Spiele der nicht-olympischen Sportarten – Fahren, Voltigieren, Reining, Distanzreiten. Nirgendwo sonst kann eine Nation in aller Breite zeigen, wie gut sie in Pferdesport und -zucht aufgestellt ist. Insofern gibt es ganz viele positive Aspekte, die man diesem Konzept abgewinnen kann. Nur: Die Spiele müssen auch zu stemmen sein.

Das Interview führte Julia Basic.

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