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22.08.2016 | 11:00 Uhr | Julia Basic

Rio 2016: Achterbahn der Gefühle und übertroffene Erwartungen

Deutsche Reiter gewinnen sechs Medaillen bei den Olympischen Spielen

Rio de Janeiro/BRA (fn-press). Sechs olympische Medaillen für die deutschen Reiter, zwei in jeder Farbe – mehr Medaillen hat es seit den Spielen in Barcelona 1992 nicht mehr gegeben. Damit war die deutsche Mannschaft die beste der Reitwettbewerbe in Rio de Janeiro. Vor allem der Teamgeist war bei den Spielen in Brasilien ein mitentscheidender Erfolgsfaktor.

„Unsere Zielvorgabe, die wir im Vorfeld mit dem Deutschen Olympischen Sportbund vereinbart hatten, waren drei bis fünf Medaillen. Dieses Ziel haben wir nun sogar übertroffen. Das ist ein großartiges Ergebnis“, sagte Dr. Dennis Peiler, Chef de Mission der deutschen Reiter in Rio de Janeiro. „Besonders schön ist dabei auch, dass alle drei Disziplinen zu diesem tollen Ergebnis beigetragen haben.“

Mehr als drei Wochen waren Peiler und sein Assistent André Schoppmann in Brasilien, um alles rund um Reiter und Pferde zu organisieren, damit diese sich ganz auf den Sport konzentrieren konnten. „Das war angesichts der weiten Wege und eingeschränkten Transportmöglichkeiten, der Sicherheitslage und des zum Teil mangelhaften hygienischen Zustandes im Olympischen Dorf eine echte Herausforderung“, sagte Peiler. „Aber alle haben das Beste daraus gemacht.“ Schon am 31. Juli, eine Woche vor Beginn der Wettkämpfe, wurden die Vielseitigkeitspferde in Empfang genommen. Die erste Woche im Olympischen Reitsportzentrum Deodoro war turbulent. Nach der Verfassungsprüfung stand fest: Statt Andreas Ostholt (Warendorf) und So is et, der sich vor dem Abschlusstrainingslager ein Eisen abgetreten hatte, wird das Ersatzpaar Julia Krajewski (Warendorf) und Samourai du Thot starten.

Die deutsche Mannschaft führte nach der Dressur, rutschte jedoch nach dem schwierigen Geländekurs auf Platz vier ab. Nur Michael Jung (Horb) und Sam FBW waren fehlerfrei durch den Cross gekommen. Sollte das noch für eine Medaille reichen? Sandra Auffarth (Ganderkesee) und Opgun Louvo, Ingrid Klimke (Münster) und Hale Bob OLD sowie Jung und Sam zeigten Nerven wie Drahtseile, lieferten jeder eine Nullrunde im Parcours. Danach hieß es für das Team von Bundestrainer Hans Melzer auf die Fehler der anderen Nationen warten – und die kamen reichlich. Woran kaum noch einer geglaubt hatte, wurde wahr: eine Silbermedaille für Deutschland. Anschließend gab es für den unglaublichen Jung erneut Grund zum Feiern: Er blieb auch im zweiten Springen um die Einzelwertung – die Spezialität der Olympischen Spiele – fehlerfrei und gewann seine zweite olympische Einzel-Goldmedaille und seine vierte Olympia-Medaille insgesamt.

Ohne Pause ging es weiter mit den Dressur-Spezialisten. Die harmonische und gelöste Stimmung im Team zog sich durch alle vier Wettkampftage. Die Mannschaftsgoldmedaille war zu keiner Zeit in Gefahr. Nach einer kurzen Unterbrechung 2012 holten sich die deutschen Dressurreiter ihre Goldmedaille zurück. Der 21-jährige Sönke Rothenberger und sein Wallach Cosmo (Bad Homburg), mit neun Jahren das jüngste Pferd im Feld, erlebten ein souveränes Olympia-Debüt und hätten sich sportlich auch für das Einzel-Finale qualifiziert. Doch laut Regelwerk durften nur drei Paare pro Nation in der Grand Prix Kür starten.

Dorothee Schneider (Framersheim) und ihr erst zehnjähriger Wallach Showtime FRH zeigten, dass ihnen die Zukunft gehört und schlossen den Wettbewerb mit Platz sechs ab. Kristina Bröring-Sprehe (Dinklage) und ihr Hengst Desperados FRH gewannen ihre erste olympische Einzel-Medaille – Bronze! Und eine schrieb Geschichte: Isabell Werth (Rheinberg) sicherte sich mit ihrer Stute Weihegold OLD die Silbermedaille. Ihre insgesamt zehnte Olympia-Medaille. Damit ist sie die erfolgreichste Reiterin der Welt.

Einen Tag vor der Kür hatten die Springreiter bereits ihre erste Qualifikation bestritten. Auch im Team von Bundestrainer Otto Becker gab es einen Wechsel. Cornado NRW, der Hengst von Marcus Ehning (Borken), hatte sich nach dem Warm-Up-Springen vertreten und konnte nicht starten. Doch das Ersatzpaar Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen) und Fibonacci war sofort zur Stelle. Es hätte anschließend sportlich nicht besser laufen können für die deutschen Parcours-Spezialisten. Jeweils drei Nullrunden in den ersten beiden Qualifikationsspringen, lediglich zwei Abwürfe von Ludger Beerbaum (Riesenbeck) und Casello, die dasmit jeweils das Streichergebnis lieferten.

Der Finaltag des Nationenpreises wurde jedoch zur Zitterpartie. Sowohl Christian Ahlmann (Marl) und Taloubet Z als auch Daniel Deußer (Mechelen/BEL) und First Class sowie Michaels-Beerbaum und Fibonacci kassierten einen Abwurf. Nun kam es auf Beerbaum und Casello an, die dem deutschen Team mit einer Nullrunde wenigstens noch die Teilnahme am Stechen um Bronze ermöglichen konnten. Und die beiden lieferten. Gegen Kanada ging es nun um die ersehnte Team-Medaille, die sich die Deutschen in der finalen Runde nicht mehr nehmen ließen. Und wieder durfte das deutsche Reiter-Team seine Erfolge im Deutschen Haus in Rio ausgiebig feiern.

Seit den Spielen in Athen 2004 hatten die Springreiter keine Olympia-Medaille mehr gewonnen. Die Erleichterung war im gesamten Team zu spüren. „Heute hat der Teamgeist gesiegt. Die gesamte deutsche Mannschaft hat super funktioniert und einen sehr guten Job gemacht“, sagte Dr. Dennis Peiler anschließend. „Alle haben unfassbar gekämpft." Ludger Beerbaum fand für sich den richtigen Zeitpunkt, um seine Karriere in der Nationalmannschaft zu beenden. „Es war ein schönes Gefühl, hier noch einmal gebraucht zu werden und das Vertrauen von allen zu spüren. Ich bin sehr dankbar für alles“, sagte der 52-jährige, der insgesamt fünf Olympia-Medaillen gewonnen hat und nach dem Nationenpreisfinale in Barcelona im September aus dem Nationalteam zurücktreten will.

Auch in der Einzelentscheidung war noch mindestens eine Medaille für die Springreiter drin. Die deutschen Pferde waren trotz des zusätzlichen Stechens fit und konzentriert. Für Michaels-Beerbaum und Fibonacci war das Finale jedoch bereits nach dem ersten Sprung beendet. Die Distanz zum Auftakt-Oxer hatte nicht gestimmt. Ahlmann und Deußer jedoch kämpften sich mit ihren vom Feinsten springenden Pferde und fehlerfreien Runden in die zweite Runde vor. Das Stechen um die Medaillen verpassten jedoch beide nach jeweils einem Abwurf. Sie beendeten die Spiele in Rio gemeinsam auf einem hervorragenden neunten Platz.

„Wenn uns vorher jemand gesagt hätte, dass wir in Rio sechs Medaillen gewinnen, hätten wir wahrscheinlich gelacht und gesagt, wir wollen es mal nicht übertreiben“, sagte Soenke Lauterbach, Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). „Auf so ein tolles Ergebnis hofft man, erwarten kann man es aber nicht. Dass es nun so gekommen ist, übertrifft alle Hoffnungen. Alle Reiter und Pferde haben hier ihre besten Leistungen und großartigen Teamgeist gezeigt.“ FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau ergänzte: „Ich bin begeistert. Alle sind fantastisch geritten. Besonders schön war das gute Einvernehmen der Teams.“

Auch von DOSB-Präsident Alfons Hörmann, der sich die Medaillenentscheidungen in Deodoro angesehen hat, gab es Lob für die Reiter: „Sie haben allesamt zum richtigen Zeitpunkt Höchstleistungen gezeigt. Der Verband und die Reiter haben vorbildliche Arbeit geleistet.“ jbc