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Deutsche Reiterliche Vereinigung - Bundesverband für Pferdesport und Pferdezucht, Foto: FN-Archiv

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31.08.2018 | 22:00 Uhr | Julia Basic/Janet Mlynarski

Stellungnahme zum Beitrag "Exzesse unter deutschen Springreitern" in der aktuellen Ausgabe des Magazins "DER SPIEGEL"

Warendorf (fn-press). In seiner aktuellen Ausgabe berichtet das Nachrichtenmagazin „DER SPIEGEL“ über mutmaßliche Handlungen einer Gruppe junger deutscher Springreiter. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) nimmt hiermit Stellung dazu.

„Wir verurteilen sexualisierte Gewalt aufs Schärfste. Aus vollem Herzen können wir sagen, dass wir sexuellen Übergriffen und übermäßigem Alkoholkonsum den Kampf angesagt haben und klar durchgreifen. Nach unserem Kenntnisstand handelt es sich hier um Einzelfälle. Die überwiegende Mehrheit unserer Kaderathleten aller Altersstufen benimmt sich gut und nimmt an solch grenzüberschreitenden Aktionen nicht teil. Von ihnen erhalten wir großen Rückhalt für unsere bisher in diesem Bereich ergriffenen Maßnahmen“, sagte FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach (Maßnahmen siehe Anlage). „Wir begrüßen es, dass sich die Redakteure des SPIEGEL so eingehend mit diesen immens wichtigen Themen beschäftigen. Unser Ziel war und ist es, größtmögliche Transparenz zu schaffen sowie substanziellen Hinweisen auf Fehlverhalten nachzugehen, Beweise zu sichern und Regelwerksverstöße auch zu ahnden.“

Der FN liegt bisher ein konkreter Fall aus dem Umfeld junger Springreiter vor, in dem es um Vorwürfe aus dem Bereich sexualisierte Gewalt ging. Es ist das erste Mal, dass vor der FN-Disziplinarkommission ein solcher Fall verhandelt wurde. Die Disziplinarkommission hat eine 18-monatige Wettkampfsperre gegen den betroffenen Reiter ausgesprochen. Die Entscheidung ist jedoch noch nicht rechtskräftig. Die FN hat den Fall an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.

Die FN stellt sich bereits seit geraumer Zeit der Herausforderung, dass einige junge Springreiter dem Alkohol übermäßig zusprechen. Der FN sind bisher Einzelfälle bekannt. Wie im Artikel beschrieben, ist der Verband in genau diesen Fällen auch tätig geworden und hat Abmahnungen, Verwarnungen, Kadersuspendierungen und Geldstrafen ausgesprochen, sofern sie ein Fehlverhalten nachweisen konnte.

Die übrigen im Artikel genannten Fälle waren der FN jedoch bis zu einem Gespräch mit dem SPIEGEL in der vergangenen Woche nicht bekannt. Ihnen konnte deshalb bislang auch nicht nachgegangen werden. Die FN fordert die Redaktion auf, substanzielle Hinweise zu den genannten Vorfällen offenzulegen, damit diese weiter verfolgt werden können.

Aufgrund der vermeintlichen Aussagen von Ursula Enders von Zartbitter e.V. hat die FN umgehend Kontakt zu ihr aufgenommen. Hier finden Sie ein klarstellendes Statement von Ursula Enders.

Die FN bittet Betroffene und Zeugen, sich vertrauensvoll und gegebenenfalls anonym an den Verband oder den Verein Zartbitter zu wenden.

Kontakt FN:
Abteilung Jugend
Leiterin Maria Schierhölter-Otte
Tel.: 02581/6362-135
Fax: 02581/6362-7135
E-Mail: mschierhoelter@fn-dokr.de

Unter der Nummer 0171/2138631 steht donnerstags von 17 bis 18 Uhr eine Fachkraft von Zartbitter e.V. zur kostenlosen Beratung zur Verfügung. Per E-Mail ist die Beratungsstelle über pferdesport@zartbitter.de zu erreichen.


Anlage:

Die FN hat ein großes Interesse an der Aufklärung der Vorwürfe. Eine Reihe von Maßnahmen wurde in diesem Bereich bereits ergriffen:

  • 2015 wurde eine Verwarnung für einen Kaderreiter nach Entscheidung der Disziplinarkommission des Landesverbandes Rheinland ausgesprochen. Grundlage dieser Entscheidung war Fehlverhalten im Kontext übermäßigen Alkoholkonsums.
  • Während der Deutschen Jugendmeisterschaften 2016 in Riesenbeck wurde ein Reiter nach übermäßigem Alkoholgenuss und der folgenden Erregung von Ärgernis von der Veranstaltung suspendiert. Die FN-Disziplinarkommission sprach gegen ihn eine Geldstrafe aus.
  • 2017 gab es nach einer Sachbeschädigung während der Jugend-EM in Samorin Verwarnungen an zwei Kaderreiter. Nach erneutem Fehlverhalten erfolgte eine Kadersuspendierung eines Reiters bei den Deutschen Jugendmeisterschaften (DJM).
  • 2017/2018 sprachen sich FN-Präsidium und Vorstand Sport/DOKR klar gegen Alkoholmissbrauch und ungebührliches Verhalten aus und forderten ein konsequentes Vorgehen. Die Konsequenzen in solchen Fällen reichen vom Ausschluss eines einzelnen Teammitglieds bis hin zur Abreise einer gesamten Mannschaft vom Championat. Dies kann auch in einem Verfahren vor der Disziplinarkommission münden.
  • 2018 gab es in Hannover ein Pflichtseminar zum Thema Alkoholprävention für den Springkader der Altersklasse Junge Reiter. Die Aktiven erarbeiteten gemeinsam mit auf diesem Themengebiet geschulten Sozialpädagogen Handlungsrichtlinien zum Umgang mit Alkohol. Diese wurden von allen Kadermitgliedern und Eltern verpflichtend unterzeichnet. Die Unterzeichnung ist Voraussetzung für die Kadermitgliedschaft. In diesem Kontext wurde ein Reiter aus dem Kader ausgeschlossen, der nicht an dem Seminar teilgenommen hatte.
  • Erstmalig wurden bei Jugendturnieren 2018 (z.B. Preis der Besten, Future Champions Hagen) mit einem Alkoholmessgerät Atemkontrollen bei den Kaderreitern durchgeführt. Anlässlich der DJM München müssen alle teilnehmenden Reiter damit rechnen, getestet zu werden.
  • Im Juli 2018 hat die FN-Disziplinarkommission einen Reiter für 18 Monate gesperrt. Der Fall wurde auch an die Staatsanwaltschaft abgegeben. Die Sperre ist derzeit noch nicht rechtskräftig.

Präventiv hat die FN zudem seit vielen Jahren Maßnahmen zum Schutz gegen sexualisierte Gewalt im Pferdesport ergriffen:

  • Seit September 2011 kooperiert die FN mit der Missbrauchs-Beratungsstelle Zartbitter e.V. in Köln. Die Organisation hat in Abstimmung mit der FN eine eigene Hotline für Betroffene oder Personen eingerichtet, die eine sexuelle Grenzverletzung vermuten. Unter der Nummer 0171/2138631 steht donnerstags von 17 bis 18 Uhr eine Fachkraft von Zartbitter e.V. zur kostenlosen Beratung zur Verfügung. Per E-Mail ist die Beratungsstelle über pferdesport@zartbitter.de zu erreichen.
  • Das Thema "Schutz vor sexualisierter Gewalt" wurde durch die FN verbindlich in das Ausbildungssystem und die Lehrkonzeption der Amateurtrainer integriert. Seit dem 1. März 2012 müssen angehende Trainer einen Ehrenkodex unterschreiben.
  • In der Ausbildungs- und Prüfungsordnung (APO) wird bereits seit vielen Jahren als Zulassungskriterium zur Trainerprüfung die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses verlangt, das nicht älter als sechs Monate sein darf. Darüber hinaus kann die FN nach der Ausbildungs-Prüfungs-Ordnung (APO) die Führung der Bezeichnung "Trainer" und somit auch die Trainerlizenz "aus wichtigem Grund" aberkennen.
  • Seit Anfang 2014 muss jede Person, die einen Trainerschein ablegen möchte und dafür einen Lehrgang besucht, ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.
  • Als Lehrmaterial für Kindergärten und Schulen hat die FN den Lehrmittelkoffer "Fairness und Ethik rund ums Pferd" entworfen, in dem Unterrichtsmaterialien zur Thematik "Prävention" integriert sind. Ferner enthält das FN-Handbuch Lehren und Lernen im Pferdesport entsprechende Inhalte.
  • Es wurde Aufklärungs- und Infomaterial für Jugendliche in Kooperation mit Zartbitter erstellt. Für Vereine wurde das Poster „Packst du mich an, pack‘ ich aus“ erstellt, auf dem auch der Kontakt zu Zartbitter angegeben ist. Dieses Poster stellen wir den Vereinen kostenlos zur Verfügung.
  • 2013 wurde für die Landesverbände ein Handlungsleitfaden mit Hinweisen zum Vorgehen bei Meldung einer Vermutung, zum Thema Öffentlichkeitsarbeit, zum Thema Präventionsmaßnahmen, Maßnahmen der FN und Ansprechpartner der FN erstellt.
  • Aufgrund von Hinweisen der FN hat auch ihr Anschlussverband, die Bundesvereinigung der Berufsreiter, ihre Satzung im Hinblick auf Prävention von sexualisierter Gewalt ergänzt.
  • 2015 und 2017 wurde die FN-Satzung im Hinblick auf die Prävention von sexualisierter Gewalt ergänzt. Die Satzung finden Sie in den Anlagen unter diesem Link: www.pferd-aktuell.de/fn/wir-ueber-uns
  • Auch die Jugendordnung der FN wurde im November 2017 um einen entsprechenden Passus erweitert.
  • Es gibt eine intensive Kooperation mit DSJ und DOSB im Bereich Prävention von sexualisierter Gewalt.

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