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Deutsche Reiterliche Vereinigung - Bundesverband für Pferdesport und Pferdezucht, Foto: FN-Archiv

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28.06.2016 | 13:00 Uhr | fn-press

Bericht von der 9. FN-Bildungskonferenz

Rund 500 Besucher informierten sich über aktuelle Ausbildungsthemen

München (fn-press). Rund 500 Besucher strömten in die große Reithalle der Olympia-Reitanlage München-Riem, um sich bei der 9. Bildungskonferenz der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) über Neues und Bewährtes aus Theorie und Praxis zu informieren. Wie auch in den Jahren zuvor standen dabei nicht nur die Reittechnik und ihre Vermittlung im Fokus, es wurde auch wieder der Blick über den Zaun gewagt auf Erkenntnisse anderer Sportarten.

Waren es bei vorherigen FN-Bildungskonferenzen wissenschaftliche Fachvorträge zum Beispiel zu Erkenntnissen der Hirnforschung über menschliches Lernen oder zu Lernverhalten von Pferden stand in diesem Jahr die Frage nach der pädagogischen Qualität von Training im Fokus. Wie sieht gutes Training eigentlich aus? Woran lässt sich die Qualität überhaupt festmachen? Und wie kann sie zielgerichtet verbessert werden? Mit diesen Themen beschäftigte sich Professor Dr. Alfred Richartz von der Uni Hamburg, der in seinen Ausführungen klar machte, dass schon allein die Wahrnehmung guten Trainings sehr unterschiedlich und individuell sein kann. „Nicht jeder, der das Gleiche beobachtet, sieht und bemerkt auch das Gleiche“, erklärte er und führte dazu mit Hilfe eines kleinen Videos einen Test mit dem Auditorium durch. Und tatsächlich: Obgleich alle Anwesende denselben Film – in den jede Menge optische Fehler eingebaut worden waren – gesehen hatten, hatten die wenigsten diese überhaupt registriert.

Richartz verwies in diesem Zusammenhang auf ein Bewertungssystem, eine Art Handbuch, das er und seine Studenten erarbeitet haben und mit dessen Hilfe sich Training anhand von genau festgeschriebenen Kriterien beurteilen und verbessern läßt. Stichworte wie positives Lernklima, Respekt, Feinfühligkeit, Flexibilität und ähnliche tauchen in diesem Bewertungs-Manual auf, andererseits auch negative Beobachtungen wie Reizbarkeit, Wut, Sarkasmus oder Ungeduld des Trainers aber auch Aggressionen der Sportler untereinander als Zeichen eines negativen Lernklimas. Dabei betonte Richartz: „Negativ bedeutet hier nicht die Abwesenheit eines positiven Klimas, es ist mehr eine Frage von 'Was macht der Trainer aktiv falsch?'“

Dem Wissenschaftler war es dabei wichtig zu betonen, dass es bei der Beurteilung und Bewertung von Trainerleistungen nicht darum gehe, einen Trainer schlecht zu machen, sondern darum, ein Instrument zu finden, ihn zu verbessern. „Das kann auch jeder für sich selbst machen, indem er sich mal beim Unterrichten filmen lässt und sich dann selbstkritisch anhand der beschriebenen Kriterien beobachtet“, so Richartz. Erst wer sich selber bewusster und genauer wahrnehme, habe auch die Möglichkeit, sein Training zu verändern und zu optimieren.

Neues FN-Trainerportal vorgestellt
Um Qualitätsverbesserung ging es auch im zweiten Vortrag des Tages, diesmal direkt aus dem Hause FN geliefert: Dr. Dennis Peiler, FN-Geschäftsführer Sport, stellte das am Tag der Bildungskonferenz online gegangene Trainerportal der Deutschen Reiterlichen Vereinigung vor, das in den vergangenen zwei Jahren von der Abteilung Ausbildung und Wissenschaft entwickelt worden ist. „Wir müssen uns ständig Gedanken darüber machen, wie wir uns stetig verbessern können“, erklärte Peiler. „Inspiriert durch andere Sportverbände, die derartige digitale Portale bereits anbieten, ist jetzt auch bei uns eine solche moderne Lernplattform entstanden.“ Das Trainerportal richtet sich an Berufsausbilder, Trainer und jeden, der sich in Sachen Unterrichten/Ausbilden informieren und weiter entwickeln möchte. In dem neuen Portal (www.pferd-aktuell/trainerportal) finden Interessierte unter anderem ausführliche Infos zu Aus- und Weiterbildungswegen für Trainer und Berufsausbilder, detaillierte Ausführungen zur Unterrichtserteilung mit vielen Tipps oder auch Infos zu Versicherungen. „Kernstück unseres digitalen Trainerportals sind neben praktischen Beispielen und Übungsreihen vor allem die Videos zu Unterricht und Unterrichtsgestaltung“, so Peiler. Rund 90 Videosequenzen umfasst das Portal bereits, weitere sollen hinzukommen. Dabei soll das Portal keine Einbahnstraße sein. Die FN hofft vielmehr auf Anregungen und Videos aus den Reihen aller Ausbilder und Trainer, die nach entsprechender Prüfung dann gegebenenfalls auf dem Portal eingestellt werden. „Dieses Trainerportal ist ein erster Schritt Richtung internetgestütztem Lernen. Es wird sich immer weiter entwickeln und nie fertig sein“, betonte Peiler. „Es ist quasi ein lebendiges Gebilde.“

Sehr lebendig ging es dann nach der Mittagspause weiter, denn da demonstrierte Klaus Balkenhol mit drei Reitern und Pferden, wie qualitätsvoller Unterricht aussehen kann. Entsprechend seines speziellen Konferenzthemas „Bewegungsgefühl erlernen anhand der Ausbildungsskala“ beschränkte sich der Reitmeister auf absolute Basispunkte der Ausbildung und verwies immer wieder auf die Bedeutung von Takt, Losgelassenheit und Anlehnung im Zusammenhang mit dem gut ausbalancierten und fühlenden Reitersitz. „Beim Reiten geht es immer darum, die Sprache des Pferdes zu erfühlen“, betonte er. „Der Reiter muss nicht nur die Bewegungen seines Pferdes erfühlen. Er muss auch fühlen, wann und wie weit er sein Pferd fordern kann, wann es Pausen braucht, wann irgendetwas nicht stimmt, und sei es die Ausrüstung. Je besser der Reiter fühlt, was ihm sein Pferd 'sagt', desto mehr Freude haben beide an der Arbeit.“ Zur Freude der Konferenzbesucher sparte Klaus Balkenhol auch nicht mit Kritik an manchem Fehlverhalten im Pferdesport und mahnte am Schluss seiner Lehrdemonstration: „Nicht das Spektakuläre ist das wahre Highlight, sondern das zufriedene Pferd, das lange gesund bleibt.“

Um Gesundheit oder vielmehr fehlende beziehungsweise eingeschränkte Gesundheit ging es in der nächsten Praxis-Demonstration des Tages, bei der der Bayerische Berufsausbilder, Richter und ehemalige Vielseitigkeitsreiter Bruno Six sich des Themas Inklusion annahm. In einer kurzweiligen und beeindruckenden Abteilungssequenz mit sechs Reitern, davon vier Reiter mit mehr oder weniger schweren Behinderungen, zeigte er, dass gemeinsamer Gruppenunterricht durchaus möglich und vor allem auch erstrebenswert ist. „Leider bestehen bei manchen Reitschulen und Ausbildern immer noch gewisse Berührungsängste wenn es um Reitschüler mit Behinderungen geht“, erklärte Six, auf dessen Straußenhof in Waakirchen bereits seit Jahrzehnten erfolgreich mit behinderten und nicht behinderten Reitschülern gearbeitet wird. Den Zuschauern zeigte Six, wie sich mit passenden Ausbildertipps zu Sitz und Einwirkung körperliche Defizite der Reiter kompensieren lassen, so dass sie durchaus mit den nichtbehinderten Reitschülern mithalten konnten. Ein Blick in die strahlenden Gesichter aller Reiter sagte mehr als tausend Worte.

Einen großen Sprung zu einem ganz anderen Thema machte – vor der traditionellen Ehrung ausgewählter Amateurausbilder mit der Lütke-Westhues-Auszeichnung – der letzte Praxis-Beitrag des Konferenztages, präsentiert von Westerntrainer Thomas Christ aus Kraiburg am Inn. Auch wenn sicher die Mehrheit der Zuschauer aus der klassischen Reiterei kam und ihnen Jogg und Loop, beim Pleasure die sehr langsamen Varianten von Trab und Galopp, vielleicht ein wenig fremd vorkamen, so lauschten sie doch gebannt den klaren und gut nachvollziehbaren Erläuterungen von Christ. Mit drei Pferd/Reiter-Kombinationen erklärte er darüber hinaus auch unterschiedliche in der Westernreiterei gebräuchlichen Zäumungen und wies darauf hin, dass – egal ob mit oder ohne Gebiss – jede bei falscher Handhabung scharf wirken kann. „Eine gute Ausbildung des Reiters ist deshalb auch in der Westernreiterei die Voraussetzung für gutes und pferdefreundliches Reiten“, betonte er.

Dass, um den Bogen zum ersten Vortrag des Tages zu schlagen, alle Ausbilder einen qualitätsvollen Unterricht geben und gegeben hatten, bewiesen das ungebrochene Interesse aller Konferenzteilnehmer bis zum Schluss sowie die angeregten Diskussionen beim abschließenden Sektausklang. „Nach der Bildungskonferenz ist vor der Bildungskonferenz“, so Eva Lempa-Röller, Organisatorin der Bildungskonferenzen. Die Landreitschule Hoya ist bereits als Austragungsort für 2017 angefragt worden. Dr. Britta Schöffmann

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