Die Zukunft des Turniersports
Ergebnisse der FN-Online-Umfrage
Wie bleibt der Turniersport attraktiv für alle? Im Auftrag der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) fragte die HorseFuturePanel UG im Juni 2011 aktive Reiterinnen und Reiter in Deutschland nach ihre Meinung. Die Resonanz war überwältigend: 14.292 reitsportbegeisterte Personen nahmen an der Umfrage teil, machten Anregungen, lobten oder luden ihre Frust ab. So entstand ein gutes Bild der aktuellen Situation im Turniersport, das die Basis für die Beratungen um die anstehende LPO 2013 bildete.
Folgende Themen wurden im Fragebogen thematisiert: Bewertung des Deutschen Turniersports, Abfrage möglicher Veränderungen zur Optimierung des deutschen Turniersports, soziodemographische Aspekte sowie insbesondere reitsportspezifisches Verhalten, was aber auch Fahrer und Voltigierer nicht davon abhalten sollte (und zum Glück auch nicht tat), an der Umfrage teilzunehmen.
Neben vorgegebenen Antwortvorschlägen gab es die Möglichkeit, zu einzelnen Fragen auch Anmerkungen zu machen. Eine Chance, von der rege Gebrauch gemacht wurde. So konnten allein 5.000 mehr oder weniger umfangreiche Schlussbemerkungen gezählt werden. Diejenigen, die damit eine direkte Anfrage bei der FN verbunden haben, werden allerdings um Verständnis gebeten. Aufgrund der Anonymität der Umfrage lassen sich weder die Umfrageantworten, noch die einzelnen Bemerkungen einem Absender zuordnen.
Und das sind die Umfrageergebnisse im Überblick:
Alter und Berufstätigkeit
Alles unter einem Hut: Familie, Beruf und Pferd
Der Turniersport ist jung und weiblich. 86 Prozent der Umfrageteilnehmer sind Frauen, 38,5 Prozent unter 28 Jahre alt. Die meisten Befragten sind berufstätig. Insgesamt gaben 82 Prozent an, einem Beruf nachzugehen, davon etwa die Hälfte als Angestellte und je 15 Prozent als Leitende Angestellte oder Selbständige. Etwa zehn Prozent finden Lohn und Brot in der Pferdebranche. Rund 58 Prozent der Befragten sind verheirat oder leben in einer festen Beziehung. 28 Prozent haben Kinder und müssen nicht nur Beruf und Pferd, sondern auch Haushalt und Familie unter einen Hut bekommen. Denn Turniersport wird vorwiegend mit dem eigenen Pferd betrieben. 91 Prozent der Befragten gab an, mindestens ein Pferd zu besitzen.
Verbrachte Zeit im Stall
Ganz schön zeitaufwändig
„Ein bisschen schwanger“ geht nicht, „ein bisschen Pferd“ nur unter besonderen Bedingungen. 72 Prozent der Umfrageteilnehmer sitzt an fünf und mehr Tagen pro Woche im Sattel, 42 Prozent reiten täglich. Im Mittel sind es 20 Stunden pro Woche, die man im Stall verbringt und weniger als ein Fünftel der Befragten kommt mit zehn Stunden und weniger aus. Über die Dauer einer Reiteinheit sind sich fast alle einig: Im Mittel sitzen die Reiter 48 Minuten im Sattel und nur bei 8 Prozent geht die „Reitstunde“ schon einmal über 60 Minuten hinaus.
Pferdesportverhalten der aktiven Reiter
Aufs Viereck oder in den Wald? Persönliche Vorlieben
Die Nicht-Reiter bildeten bei der Umfrage mit nur 5 Prozent die absolute Minderheit. Die übrigen sitzen selbst im Sattel. Lieblingsdisziplin ist die Dressur. 84 Prozent der aktiven Reiter zieht es aufs Viereck, 67 Prozent in den Parcours und 58 Prozent hinaus in Wald und Feld. Vielseitigkeit reiten allerdings nur 17 Prozent. Und nicht alle gehen aufs Turnier. Etwa drei Viertel der Befragten gab an, an Turnieren teilzunehmen.
Gründe für die Turnierteilnahme
Aufs Turnier zu gehen macht Spaß, weil…
„Es macht Spaß, ist zwar oftmals stressig und nervenaufreibend. Aber man erhält gerne einen Preis und fremde Bestätigung für sein Training. Es unterstützt und wirkt motivierend. Man tauscht sich aus, sieht andere. Mannschaftsprüfungen oder Verbandsjugendwettkämpfe stärken den Zusammenhalt der Reiter eines Vereins.“ Eine der vielen Schlussbemerkungen zur der Umfrage bringt auf den Punkt, was viele denken. Trainingsaspekte, mehr Routine und der Austausch mit Gleichgesinnten sind die wichtigsten Gründe für eine Turnierteilnahme.
Zahl der Turnierbesuche pro Jahr
Turnierbesuche: Gelegentliche Abwechslung oder Fulltime-Job
Die willkommene Abwechslung vom Trainings- und Reiteralltag – das sehen viele Reiter in einem Turnierbesuch. Etwa ein Fünftel der Befragten (21,5 Prozent) geht eher sporadisch an den Start. Der größte Teil, rund 34 Prozent aller Turnierteilnehmer, ist zwischen fünf und zehn Mal pro Jahr auf dem Turnier anzutreffen. Zu den absoluten Vielstartern zählen rund 8 Prozent der Befragten: Sie sind fast jedes zweite Wochenende turniersportlich unterwegs.
Zufriedenheit: Veranstaltung- und Prüfungsangebot
Turniersportangebot: grundsätzlich gut
Grundsätzlich zufrieden sind die Reiter mit dem aktuellen Veranstaltungs- und Prüfungsangebot. Nur 13,7 Prozent sind eher nicht oder sogar gänzlich unglücklich mit dem, was auf deutschen Turnieren derzeit geboten wird. Etwas genauer drückt diese Schlussbemerkung aus, was viele stört: „Das Problem liegt meiner Ansicht nach nicht am Angebot, sondern in der Teilnehmereinstufung Profi / Amateur oder zum Beispiel Drei-Pferde / Ein-Pferd-Starter.“
Mögliche Differenzierung von Starterfeldern
Mehr Chancengleichheit, bitte
„Es gibt genügend Prüfungen, nur die zugelassenen Teilnehmer sollten besser geteilt werden. Ein Beispiel: eine Springpferdeprüfung für Profis und eine weitere für Amateure. Auch könnte man beispielsweise eine E-Dressur nur für Einsteiger mit Schulpferden ausschreiben. Das Problem sind nicht die Prüfungen, sondern wie die Veranstalter sie ausschreiben.“ Auf die Frage nach einer möglichen Differenzierung von Starterfeldern steht der Wunsch nach einer schärferen Trennung nach Ranglistenpunkten, Erfolgen und Leistungsklassen ganz weit oben.
Möglichkeiten zur Unterscheidung von Profis und Amateuren
Wer ist Profi, wer Amateur?
Wer sein Geld hauptsächlich als Reiter und mit Pferden verdient, ist ein Profi. Darüber sind sich die Befragten weitgehend einig. Für 77 Prozent der Befragten ist dies das wichtigste Unterscheidungskriterium. Ein Maßstab ist für viele auch die Zahl der gestarteten Pferde pro Jahr. Für fast die Hälfte ist dieses Kriterium aussagekräftiger als Ranglistenpunkte und Leistungsklasse. Doch wer startet mit wie vielen Pferden? Auch das verrät die Umfrage: 88 Prozent stellen ein bis drei Pferde pro Jahr auf dem Turnier vor, neun Prozent gehen mit vier und mehr Pferden an den Start.
Erweiterungsmöglichkeiten des Angebots an Turnierprüfungen
Mehr davon, bitte!
„Wünsch Dir was“ hieß es am Ende des Fragebogens und gemeint waren Vorschläge für eine Erweiterung des Turniersportangebots. Ganz hoch im Kurs stehen dabei gezielte Prüfungen für erwachsene Spät- und Wiedereinsteiger, wie auch die Schlussbemerkungen wie diese zeigen: „Es wäre wirklich interessant auf die Bedürfnisse „älterer“ Reiter und Spät- oder Wiedereinsteiger einzugehen. Dies habe ich in unserem Verein auch schon sehr oft gehört, dass dies auf Turnieren mehr gewünscht wäre, da ‚ältere’ Reiter sich nicht mit Kinder vergleichen möchten; sie kommen sich z.B. in einer E-Dressur lächerlich vor.“
Gegenleistungen für ein optimiertes Prüfungsangebot
Ich gehe meilenweit…
Von nichts kommt nichts, heißt es. Das gilt auch für ein optimiertes Prüfungsangebot. Für ein „besseres Turnier“ würden fast 60 Prozent der Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitsreiter eine längere Prüfungsdauer in Kauf nehmen. Fast ebenso viele Vielseitigkeitsreiter treten für ein solches Angebot auch eine längere Anreise an, egal in welcher Leistungsklasse sie starten. Im Springen sieht es etwas anders aus. Hier sind die Reiter der Leistungsklassen 1 bis 3 zur Hälfte zu längeren Anfahren bereit, ggf. auf einen Teil des Preisgeldes verzichten würde aber nur ein Viertel von ihnen. In den anderen beiden Disziplinen und bei den Springreitern in den unteren Leistungsklassen liegt die Bereitschaft zum teilweisen Preisgeldverzicht immerhin bei rund 40 Prozent.
Veränderungen zur Vereinfachung der Turnierteilnahme
Wanted: Ein Herz für Berufstätige
Flexibel und an die Bedürfnisse von Berufstätigen angepasst – so wünschen sich die meisten Turnierreiter das Turniergeschehen. 68 Prozent fordern kurzfristigere Nennmöglichkeiten und 62 Prozent Prüfungszeiten, die sich an normalen Arbeitszeiten orientieren. „Es wäre schön, wenn sich ein paar Dinge auf den Turnieren ändern würden. Z.B. Ausschreibungen mit grober Zeiteinteilung, damit Berufstätige besser planen können! “ beschreibt es ein Umfrageteilnehmer. 42 Prozent der aktiven Reiter wünscht sich darüber hinaus, dass Prüfungen für eine Zielgruppe möglichst zeitnah terminiert werden. So möchte man gerne aufs Turnier, doch angesichts der heute oft knapp bemessenen Freizeit nicht das ganze Wochenende dafür „opfern“.