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Disziplinen - Vielseitigkeit, Foto: Ronald Hogrebe

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Sicherheit in der Vielseitigkeit

Ausbildung, Ausrüstung, Geländeaufbau und medizinische Versorgung

Reflextraining, Fitnesstraining - Foto: Fotostudio Kaup

Es ist das Bestreben der FN, den Vielseitigkeitssport und dessen Regelwerk so zu gestalten, dass allen Beteiligten ein fairer Leistungsvergleich ermöglicht wird. Um dem Image der Vielseitigkeit als faszinierende, vielseitige, elegante und actionreiche Sportart gerecht zu werden und möglichst viele Aktive, Fans und Sponsoren zu gewinnen, muss die größtmögliche Sicherheit für alle Beteiligten gewährleistet sein. 

Ziel der FN ist es daher, einen Beitrag zu leisten, schwere Unfälle zu verringern oder möglichst ganz zu vermeiden. Die folgende Zusammenstellung gibt einen Überblick über die sicherheitsrelevanten Veränderungen der letzten Jahre. 

  1. Ausbildung/Aktive Sicherheit 
  2. Ausrüstung/Passive Sicherheit 
  3. Geländeaufbau: Konstruktion und Design 
  4. Regelwerk 
  5. Medizinische/Veterinärmedizinische Betreuung 
  6. Gremien und Statistiken 


Ausbildung - aktive Sicherheit

Die Disziplin Vielseitigkeit hat sich vom ursprünglichen Ausdauersport mit Schwerpunkt Geländereiten in Richtung einer anspruchsvollen Kombination aus drei beinahe gleichwertigen Disziplinen entwickelt. 

Die steigenden Anforderungen in Dressur und Springen haben für eine bessere Ausbildung der Vielseitigkeitsreiter in diesen Disziplinen gesorgt, dazu kommt gleichzeitig eine bessere Geländeausbildung (Sicherheitssitz!). "Kamikaze"-Reiter haben in dieser Sportart keine Erfolgschancen mehr. Erhöht hat sich dadurch auch der Qualitätsanspruch an die Pferde. Das reine "Buschpferd" ist nicht mehr gefragt, vielmehr das vielseitige Talent mit guter Veranlagung für Dressur, Springen und Gelände. 

Die FN/das DOKR schult regelmäßig intensiv nicht nur die Spitzenreiter, sondern auch die Vielseitigkeitstrainer, und bietet darüber hinaus über die Deutsche Akademie des Pferdes (DAP) und die Persönlichen Mitglieder (PM) Seminare für "jedermann" zum sicheren Reiten im Gelände an. Auch die ins Deutsche übersetzten Empfehlungen zum sichereren Geländereiten von William Micklem beinhalten viele wertvolle Anregungen.  Schwerpunktthemen sind unter anderem der sichere Geländesitz, aber auch Empfehlungen zur richtigen Ausrüstung (u.a. Zäumung, Bügellänge, Sattelbeschaffenheit).  

Seit längerer Zeit wird ein Übungs- und Trainingsprogramm zum Reflex-, Fall- und Fitnesstraining für (Vielseitigkeits-)Reiter erprobt. Der gezielte Reflex, sich geschickt abzurollen, kann Verletzungen beim Sturz reduzieren. Dieses Reflextraining wurde bereits in mehreren bundesweit durchgeführten Veranstaltungen angeboten, in die Kaderlehrgänge integriert und soll in Zukunft auch landesweite Umsetzung finden. In den Bundes-Nachwuchsvielseitigkeitsveranstaltungen ist mittlerweile eine "Verfassungsprüfung für Reiter" als ein Lauftest, integriert. 


Ausrüstung - passive Sicherheit
Sowohl Helme (empfohlen werden Schutzhelme "EN 1384"), als auch Schutzwesen (EN 13 158) werden unter maßgeblicher Beteiligung des TÜVs, des DIN-Normenausschusses und der FN regelmäßig weiter entwickelt und verbessert.

Innovative Unternehmen am deutschen Markt betreiben intensive Forschung. Die international besetzten Normungsausschüsse für Helme und Sicherheitswesten haben jeweils auch deutsche Vertreter, so dass eine direkte Einflussnahme auf die Prüfkriterien und Standards möglich ist. Auch Protektoren aus anderen, ähnlich gearteten Sportarten wurden auf eine Eignung für den Vielseitigkeitssport untersucht. 

Außerdem arbeitet eine Forschungsgruppe der Uniklinik Hamburg-Eppendorf unter dem Vorsitz von Prof. Norbert Meenen und unter Beteiligung von Mannschaftsarzt Dr. Manfred Giensch intensiv an der Erforschung von Unfallursachen im Reitsport und unterstützt die Entwicklung geeigneter Protektoren. 

Die folgende Ausrüstung ist derzeit für Vielseitigkeitsprüfungen vorgeschrieben: 

  • Helm (bruch- und splittersicherer Reithelm mit Drei- beziehungsweise Vierpunktbefestigung im Gelände schon immer Vorschrift) 
  • Schutzweste (seit 2000 für Geländeritte vorgeschrieben, seit 2008 der höchste Sicherheitslevel "3" empfohlen) 
  • Zusätzlich (nicht vorgeschrieben) gibt es zum Schutz verschiedene Arm- und Schulterprotektoren sowie einen Nackenschutz. An dessen Weiterentwicklung wird derzeit ebenfalls intensiv gearbeitet. 

Das Mitführen einer Medical Card ist international vorgeschrieben (enthält wichtige Daten des Reiters und liefert wichtige Daten bei der Notfallversorgung. z.B. Blutgruppe, Allergien, Vorerkrankungen, etc.) 


Geländeaufbau: Konstruktion und Design
Der moderne Geländeaufbau hat als oberstes Ziel, Stürze aller Art zu vermeiden. Gefragt sind Rittigkeitsaufgaben, die im Fehlerfalle nach Möglichkeit ein Vorbeilaufen oder eine Verweigerung, jedoch keinen Sturz provozieren. 

Verschiedene Sicherheitsmaterialien und Zubehörteile befinden sich entweder schon im Einsatz oder in der Erprobung (dazu zählen insbesondere Sicherheitspins, aber auch z.B. in sich zusammenfallende Kisten, zerbrechende Papp-Bäume). International hat es umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirkung der verschiedenen Kräfte auf das Hindernis bei Sturz des Pferdes gegeben. Unter der Leitung von Bundestrainer und Parcourschef Rüdiger Schwarz werden die verschiedenen am Markt erhältlichen innovativen Sicherheitssysteme am DOKR-Bundesleistungszentrum auf ihre Praxistauglichkeit getestet. 
Seit 2008 werden in der LPO für Hindernisse unter drei Metern Breite abknickende Flaggen empfohlen. 

Die Verantwortung für den Geländeaufbau liegt nicht beim Parcourschef allein, dieser wird unterstützt vom Technischen Delegierten oder FN-Sicherheitsbeauftragten (seit 2001). Die Freigabe des Kurses obliegt der Richtergruppe. Nicht zuletzt haben auch die Reiter einen Anspruch auf Mitsprache und haben davon gerade in jüngster Zeit immer wieder Gebrauch gemacht. Das bedeutet, dass oft noch kurz vor dem Start (aber auch während der laufenden Prüfung) etwas am Kurs geändert wird, z.B. bei entsprechenden Witterungsverhältnissen Hindernisse komplett aus der Prüfung genommen werden. 

Intensive regelmäßige Schulungsmaßnahmen der Richter, TDs und Parcourschefs, werden sowohl seitens der FN als auch der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) angeboten. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang auch die Entwicklung von Richtlinien zur "Gestaltung von Geländestrecken" und "Dokumentation der Geländestrecke der WM Aachen unter Sicherheitsaspekten".

Durch die Abschaffung der Rennbahn wurde der Ausdaueraspekt einer Vielseitigkeitsprüfung vermindert, wodurch es weniger erschöpfte Pferde gibt. 


Regelwerk/Qualifikation
Jeder Reiter muss bestimmte Vorleistungen bringen, wenn er Vielseitigkeitsprüfungen reiten und in die nächsthöhere Klasse wechseln will. 

Seit 2000 reicht als Vorleistung die Beendigung der Prüfung alleine nicht aus. Der Reiter benötigt dafür auch ein bestimmtes Qualifikationsergebnis. Die erbrachte Leistung zählt nur dann als Qualifikation, wenn der Reiter nicht mehr als eine Verweigerung im Gelände und nicht mehr als vier Abwürfe im Springen hatte. Folge: Viele Reiter hören nach der zweiten Verweigerung freiwillig auf. Zur Erfassung der Qualifikationsergebnisse hat die FEI eine Datenbank eingerichtet, in der alle Starts aller Reiter/Pferde mit allen Ergebnissen dokumentiert werden (z.B. auch, wenn eine Prüfung nicht beendet wurde). 

Bei mehr als zwei Stürzen in Folge oder in der laufenden Saison wird das betreffende Pferd "zurückgestuft" und muss erneut für dieses Niveau qualifiziert werden. Dieser Modus wird derzeit bei der British Eventing erprobt.

Ein Verwarnungssystem mit Meldung über den Sicherheitsbeauftragten (Richter/TDs/Trainer) an die FN soll in Zukunft gefährdete Paare eher entdecken und ggf. Trainings- oder vertrauensbildende Maßnahmen veranlassen. 

Zum sofortigen Ausschluss eines Reiters führt: 

  • ein Sturz des Pferdes
  • ein Sturz (Herunterfallen) des Reiters
  • die dritte Verweigerung am selben Hindernis oder auf dem Kurs
  • Findet das Springen vor dem Gelände statt, sind Paare mit mehr als 16 Hindernisfehlern (= vier Abwürfe) im Parcours nicht für das Gelände zugelassen
  • Gefährliches Reiten (mangelnde Kontrolle, Erschöpfung Pferd/Reiter) kann mit 25 Strafpunkten geahndet werden oder direkt zum Ausschluss führen
  • Nach entsprechender Entscheidung durch die Richtergruppe: 
    • Teilnehmer mit stark herabgesetzter Leistungsfähigkeit (z.B. nach schwerem Sturz) oder offensichtlichem Unvermögen oder unvorschriftsmäßiger Ausrüstung
    • Pferde, die den Anforderungen offensichtlich nicht gewachsen sind, z.B. nach schwerem Sturz, oder Pferde, die vor oder im Verlauf der Prüfung für lahm befunden werden oder bei Erschöpfung des Pferdes
    • Pferde, die sich im Verlauf einer LP oder auf dem Vorbereitungsplatz mehrfach der Einwirkung des Teilnehmers entziehen. 
Außerdem wurden sicherheitsorientierte Regelwerksdetails aus dem Ausland intensiv studiert und bzgl. ihrer Tauglichkeit eingeschätzt. 


Medizinische/Veterinärmedizinische Betreuung
Mindestanforderung ist laut § 40 LPO 2008 entweder die Anwesenheit eines Sanitätsdienstes (ein"Sanitätshelfer") plus Arzt oder eines Sanitätsdienstes (ein "Rettungssanitäter" sowie ein "Sanitätshelfer") plus schnellste Einsatzbereitschaft eines Arztes. Bei Vielseitigkeitsprüfungen wird diese Mindestanforderung in der Regel übererfüllt. Die FN hat Checklisten zur Einsatzabsprache zwischen Veranstalter und Arzt/Sanitätsdienst erstellt, die regelmäßig aktualisiert und optimiert werden. 

Bereits schon jetzt sind viele Hindernisrichter in Erste Hilfe-Maßnahmen geschult, dies soll weiter intensiviert werden. 

Bei allen Prüfungen im Gelände gilt, dass grundsätzlich ein Tierarzt während der gesamten Prüfung anwesend sein muss. (Durchführungsbestimmungen zu § 40 LPO 2004) 

Offizielle Vet-Checks dienen der gesundheitlichen Überprüfung und damit der Sicherheit des Pferdes zu Beginn der Veranstaltung und nach dem Geländeritt. 

Ein Forschungsprojekt zur Leistungsdiagnostik von Pferden inklusive Laktat-, Temperatur und Pulsfrequenzmessung wurde eingerichtet. Ziel ist es, Ermüdungserscheinungen rechtzeitig zu erkennen und ihnen durch gezieltes Training vorzubeugen. 


Gremien und Statistiken
1999 wurde von der FEI das Safety Committee zur Verbesserung der Sicherheit im Sport gegründet. Seine Hauptaufgabe ist es, Unfälle und Stürze aller Art, auch unspektakuläre, zu untersuchen und deren Ursachen zu erforschen. Dabei wurden auch externe Fachleute, z.B. aus der Formel 1, zur Beratung herangezogen. Im Frühjahr 2007 wurde ein entsprechendes Vielseitigkeits-Sub-Komitee eingerichtet, dem u.a. Chris Bartle angehört. Der Geländeaufbau-Beratungsgruppe gehört Rüdiger Schwarz an.

Eine detaillierte statistische Sturzforschung erfolgt in allen internationalen Prüfungen (in nationalen Prüfungen bisher qualitative Auswertung). Die Dokumentation und Analyse aller 

  • schweren Stürze
  • Stürze mit Anschlagen des Pferdes 
  • Stürze, bei denen "es noch mal gut gegangen ist" 
ist intensiviert worden. Dazu wurde u.a. ein eigens dafür ausgearbeiteter Fragebogen an die betreffenden Reiter versandt und die Antworten analysiert. 


FN-Pferdesport-Statistik, allgemein: Im Jahr 2006 gab es lt. FN-Jahresbericht 20.068 Starts bei Vielseitigkeitsprüfungen in Deutschland, das sind - bei durchschnittlich 25 Sprüngen pro Kurs - rund 500.000 absolvierte Sprünge, dazu kommt schätzungsweise die gleiche Zahl an Trainingssprüngen. 

Unfallstatistik im Sportartenvergleich: Laut Statistik der ARAG-Versicherung entfallen ca. 1,9 Prozent aller Unfälle im Vereinssport auf den Pferdesport. D.h. pro Jahr ereignen sich etwa 40.000 bis 45.000 Unfälle, davon ca. 2/3 im nicht-organisierten Sport (d.h. außerhalb von Vereinen) und der größte Anteil im Umgang mit dem Pferd.

Ansprechpartner

Philine Ganders-Meyer

Tel 02505/927903

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