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Deutsche Reiterliche Vereinigung - Bundesverband für Pferdesport und Pferdezucht, Foto: FN-Archiv

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06.03.2016 | 17:30 Uhr | Uta Helkenberg

Deutsche Voltigierer dominieren Weltcup-Finale in Dortmund

Siegreiche Abschiedsvorstellung des Duos Engelberty/Jacobs / erster Titel für Daniel Kaiser

Dortmund (fn-press). „Stolz und glücklich“ war Bundestrainerin Ulla Ramge im Anschluss an das Weltcup-Finale der Voltigierer im Rahmen des SIGNAL IDUNA CUP-Turniers in Dortmund. Sie hatte auch allen Grund dazu, denn das Duo Pia Engelberty und Torben Jacobs dominierte im Pas de Deux, bei den Herren sicherte sich Daniel Kaiser in einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen mit Europameister Jannis Drewell den Titel des Weltcupsiegers und in der Damenkonkurrenz rückte Kristina Boe ganz dicht an Simone Jäiser aus der Schweiz heran. „Besser geht’s wohl kaum“, so Ramge.

„Ich war so nervös wie schon lange nicht mehr“, gestand Simone Jäiser nach der zweiten Kür, die zugleich ihre letzte als aktive Voltigiererin war. Dabei seien ihr auch kleinere Patzer unterlaufen. "Da musst du dann Ruhe bewahren und dich zusammenreißen", sagte die Europameisterin. So trennten die Schweizerin, die von ihrer Mutter Rita Blieske auf Luk vorgestellt wurde, im zweiten Kürdurchlauf nur Hunderstel von ihrer Verfolgerin Kristina Boe. Insgesamt kam Jäiser auf ein Ergebnis von 8,651 Punkten, Boe beendete mit 8,490 Punkten auf Platz zwei – ihrem bislang besten Ergebnis in einem Weltcupfinale. „Ich bin sehr zufrieden, mein Ziel – einen Podestplatz – habe ich erreicht“, freute sich die Medizinerin, deren Stärke nach eigenem Bekunden vor allem Sprünge und Balanceelemente sind. In Dortmund hatte sie allerdings einige neue Kraftelemente eingebaut, die bereits zu ihrer neuen Kür gehören. Welches Thema sie für 2016 geplant hat, bleibt aber vorerst ein Geheimnis. „Es wird auf jeden Fall etwas ganz anderes sein“, sagt die zierliche junge Frau, die in Dortmund zu Herbert Grönemeyer „Der Weg“ in hellem Pastell auftrat, aber auch schon die böse Hexe Bellatrix Lestrange als Thema hatte. "Es macht mir Spaß, mich immer wieder neu zu erfinden“, erklärte sie. Kristina Boe startete im Weltcup mit dem bewährten Don de la Mar aus dem Besitz des Reit- und Fahrvereins Kirchwärder, der von Winnie Schlüter longiert wurde.

Insgesamt waren sechs Damen fürs Weltcupfinale zugelassen. Dritte wurde die Österreicherin Isabel Fiala mit Pink Floyd (Longenführerin: Veronika Greiberger) mit 8,032 Punkten, während die zum Kreis der Favoritinnen zählende Anna Cavallaro aus Italien lediglich Platz vier (7,304 Punkte) belegte. Die Vizeweltmeisterin startete in Dortmund erstmals mit ihrem neuen Pferd Dante und hatte anfänglich noch einige Abstimmungsschwierigkeiten. „Auch sich die Aufmerksamkeit meist auf den Voltigierer richtet – Voltigieren ist ein Teamsport, bei dem Pferd und Longenführer eine wesentliche Rolle spielen“, betonte Ulla Ramge.

Zu den emotionalen Höhepunkten des Weltcupfinales zählte die letzte gemeinsame Kür der Vizewelt- und -europameister Pia Engelberty und Torben Jacobs aus Köln, vorgestellt auf Danny Boy mit Ex-Weltmeister Patrick Looser an der Longe. Schon lange im Vorfeld stand fest, dass die 25-jährige angehende Lehrerin in Dortmund ihre Abschiedsvorstellung geben würde. Beide hofften darauf, die Küren in Dortmund „noch einmal richtig genießen“ zu können und spielten vor allem bei ihrer letzten Runde die lange Erfahrung und ihr Können voll aus. „Beim Abgang habe ich nur noch gedacht: Verdammt, das war geil!“, fasste Engelberty ihre Eindrücke vorm Stadionmikrofon zusammen – hin- und hergerissen zwischen Lachen und Weinen. Mit einem Endergebnis von 8,990 war den Kölnern der Weltcupsieg nicht zu nehmen.

Mit deutlichem Abstand, mit 8,147 Punkten, folgte das noch sehr junge Duo Erika Di Forti und Lorenzo Lupacchini aus Italien auf Platz zwei, das auf dem niederländischen Pferd Wim von Meta Jans vorgestellt wurde. Dritte wurden mit 7,812 Punkten die US-amerikanischen Schwestern Kimberly und Cassidy Palmer, die eigens aus Kalifornien eingeflogen waren und von Wolfgang Renz auf Leon vorgestellt wurden. Einen gelungenen Weltcup-Einstand und gleichzeitig ein echtes Heimspiel gaben in Dortmund Jolina Ossenberg-Engels und Timo Gerdes. „Wir sind stolz, überhaupt hier beim Finale starten zu dürfen“ hatte Longenführerin Claudia Döller-Ossenberg-Engels bereits im Vorfeld erklärt. Vor Ort fehlte dann nicht viel, um den Lokalmatadoren sogar einen Podestplatz zu bescheren. Mit ihrer „Romeo und Julia“-Kür belegten sie mit 7,700 Punkten nur knapp hinter den beiden Amerikanerinnen den vierten und letzten Platz. 

In der Herrenkonkurrenz war es Daniel Kaiser aus Delitzsch, der sich mit einem Gesamtergebnis von 8,757 Punkten den Weltcupsieg und damit seinen ersten internationalen Titel sicherte. Als einziger Deutscher präsentierte er bereits seine nagelneue Kür mit dem Entfesselungskünstler Houdini als Thema, deren zugehöriges Trikot gerade noch rechtzeitig für Dortmund fertig geworden war. Anstelle seines gewohnten Longenführer Andreas Bässler stellte Nina Vorberg Kaisers Pferd Down Under an der Longe vor.

Europameister Jannis Drewell aus Steinhagen wurde mit einem Sieg in der zweiten Runde seiner Favoritenrolle zwar gerecht, landete mit einem Gesamtergebnis von 8,617 Punkten am Ende aber auf Platz zwei. „Natürlich hätten wir hier gerne gewonnen“, sagte Drewell, der wie gewohnt im Team mit Schimmel Diabolus und seiner Mutter Simone Drewell an der Longe antrat. „Aber ich gönne auch Daniel den Sieg. Er hat unheimlich viel dafür gearbeitet. Und ich hatte nun einmal in der ersten Runde einen dicken Patzer. Insofern bin ich stolz, am Ende noch so dicht an ihn herangekommen zu sein.“ Nach ihrer Kür hatten beide Tränen in den Augen: Daniel Kaiser, der seinen Sieg kaum fassen konnte; Jannis Drewell, als ihm bewusst wurde, dass dies sein letzter Auftritt als „buddhistischer Mönch“ gewesen war. „Diese Kür passte einfach zu mir und hat mir in den letzten Jahren so viel Erfolg beschert“, sagte er etwas wehmütig. In der Voltigierszene ist es allerdings üblich, nahezu jedes Jahr eine neue Kür zu präsentieren. So beginnt auch für Drewell direkt im Anschluss an Dortmund eine neue Ära. 

Wie bei den Damen waren auch in der Herrenkonkurrenz sechs Voltigierer startberechtigt. Den dritten Platz in dem von Ulla Ramge als "Kampf der Giganten" bezeichneten Klassement belegte mit 8,402 Punkten der Franzose Vincent Haennel, vorgestellt von Fabrice Holzberger auf Quartz d'Olbiche.

Mit der Ausrichtung des Weltcup-Finales Voltigieren wurde beim Dortmunder Westfallenhallenturnier eine Premiere gefeiert. Erst im Januar war entschieden worden, das Finale nach Absage von Wien nach Dortmund zu vergeben. „Wir freuen uns, dass wir hier sein konnten. Es war eine tolle Atmosphäre und Kulisse für ein Finale. Unsere Sportler haben sich hier großartig präsentiert und kommen auch sicher gerne wieder", sagte Ulla Ramge. Hb

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