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Deutsche Reiterliche Vereinigung - Bundesverband für Pferdesport und Pferdezucht, Foto: FN-Archiv

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02.12.2015 | 18:00 Uhr | fn-press

FN-Tierschutztagung mit 130 Verbandsvertretern

Teilnehmer diskutierten Richtlinien und Regelwerke

Warendorf (fn-press). Gemeinsamen Sachstand herstellen als Grundlage für gemeinsames Handeln – mit diesem Ziel trafen sich rund 130 Vertreter der Landespferdesport-, Zucht- und Anschlussverbände Anfang der Woche zu einer zweitägigen Tierschutztagung. Dazu hatte die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) nach Warendorf eingeladen.

Eine zentrale Erkenntnis war, dass der Verband mit der Reitlehre und seinen Werken für die Ausbildung von Reitern, Fahrern, Voltigierern, Züchtern und Pferdehaltern in Sachen Tierschutz gut aufgestellt ist. Ob die Richtlinien für Reiten und Fahren, die Ethischen Grundsätze des Pferdefreundes oder die Regelwerke für den Turniersport, die Ausbildung und die Zucht - die sportlich faire Haltung gegenüber dem Partner Pferd, sein physisches und psychisches Wohlergehen und somit der Tierschutz ist in allen Werken fest verankert. „Die Tagung hat aber auch gezeigt, dass Anspruch und Wirklichkeit nicht immer übereinstimmen und es manchmal auch an der Akzeptanz unserer eigenen Regeln mangelt“, sagte FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach. „Wir müssen aber den Mut haben, genau hinzuschauen und Missstände offen anzusprechen, denn wir sind die Vorbilder, wenn es um die Umsetzung unserer Reitlehre und die richtlinienkonforme Pferdehaltung geht.“

Den gesellschaftlichen Hintergrund zum Thema Tierschutz lieferte Dr. Peter Kunzmann, Professor für angewandte Ethik in der Tiermedizin an der Tierärztlichen Hochschule in Hannover. „Das Thema Tier unterliegt einem kolossalen Wandel in der Gesellschaft“, berichtete er. Das Verhältnis zum Tier ist heute von hoher Emotionalität geprägt. „Es gibt gute Gründe, Tieren einen hohen moralischen Stellenwert einzuräumen.“ Eine Entwicklung, die keine „vorüberziehende Wolke“ ist, sondern eine gesellschaftliche Haltung, die von erhöhten Anforderungen an den Tierschutz bis hin zur Ablehnung von Tiernutzung reicht – eine Position, die von Tierrechtlern vertreten wird. „Tierschutz setzt Nutzung von Tieren voraus“, sagte Kunzmann. Allerdings mit dem Anspruch, übermäßige oder nicht zu rechtfertigende Belastungen zu verhindern, denn Pferde haben Bedürfnisse und erleben damit auch Emotionen wie Angst, Schmerz und Mangel. „Alle, die heute mit Tieren agieren, können sich schlechten Umgang nicht leisten. Die Gesellschaft akzeptiert Tierschutzvergehen nicht. Halten Sie Ihre Weste sauber. Ahnden Sie schwarze Schafe konsequent. Man wird sie dafür nicht loben, wenn Sie es tun, aber Sie haben einen ganz schlechten Stand, wenn Sie es nicht tun“, machte der Tierethiker die Konsequenzen klar. „Ich bin positiv überrascht, wie gut die Tagung besucht ist. Die Tagung ist ein wichtiger und richtiger Schritt. Zeigt sie doch, dass der Verband sich offensiv mit dem Thema Tierschutz auseinandersetzt und dass auch der Bedarf da ist“, sagte Dr. Esther Müller, Vertreterin des Deutschen Tierschutzbundes im FN-Fachbeirat Tierschutz.

Wie sich das konkret im Tierschutzgesetz widerspiegelt, erläuterte Dr. Nicole Schertl als Vertreterin des Referats Tierschutz im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMEL). Sie zeigte die bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen auf. „Das Tierschutzgesetz schützt das Leben und Wohlbefinden der Pferde. Der Mensch muss aber für angemessene Ernährung, Unterbringung, Pflege und Bewegung sorgen. Dies erfordert eine hohe Kompetenz und Sachkenntnis“, sagte sie.

Auf dem Tierschutzgesetz beruhen zum einen die Leitlinien Tierschutz im Pferdesport, die 1992 niedergeschrieben und vom BMEL herausgegeben wurden. Erarbeitet hat sie die Gruppe Tierschutz und Pferdesport. Zum anderen aber auch die Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltung unter Tierschutzgesichtspunkten, die von der Sachverständigengruppe tierschutzgerechte Pferdehaltung verfasst wurden. Die jeweiligen Arbeitsgruppen bestanden aus Vertretern von Ministerien, Veterinär-, Pferdesport- und Tierschutzverbänden. „Die Leitlinien zur Pferdehaltung gibt es seit 20 Jahren, weil man schon damals den Bedarf erkannt hat, gemeinsam einen Maßstab für die Haltung und Nutzung von Pferden zu erarbeiten“, sagte Dr. Christiane Müller, Mitglied im FN-Präsidium und dort zuständig für das Thema Tierschutz. „Mit den Leitlinien können wir zeigen, dass wir Pferdefreunde sind und das Wissen und die Expertise haben. Durch deren Einhaltung sollten wir dafür Sorge tragen, dass wir der Öffentlichkeit keine Angriffsfläche bieten.“

Dr. Margit Zeitler-Feicht, Leiterin der AG „Ethologie, Tierhaltung und Tierschutz an der Technischen Universität München-Weihenstephan ging explizit auf den Stellenwert der Leitlinien zur Pferdehaltung vor Gericht ein. Dieser ist hoch, da die Leitlinien zur Pferdehaltung ein Sachverständigengutachten sind, das von den Gerichten anerkannt ist. Sie wurden zudem in einem transparenten Verfahren erarbeitet, das heißt, alle Institutionen, die mit Pferden zu tun haben, wie die Pferdesport- und Pferdezuchtverbände, hatten mehrfach die Möglichkeit ihre Stellungnahme zu den überarbeiteten Leitlinien einzubringen. „Die Aufgabe der Leitlinien ist es, die Umsetzung des Tierschutzgesetzes zu unterstützen“, sagte Dr. Zeitler-Feicht. Schäden am Bewegungsapparat und Erkrankungen der Verdauungsorgane spielen in der heutigen Pferdhaltung eine bedeutende Rolle. Am Beispiel der Kapitel Bewegungs- und Futteraufnahmeverhalten erläuterte die Wissenschaftlerin, dass die Leitlinien zur Pferdehaltung eine sinnvolle Notwendigkeit im Sinne des Tierschutzes darstellen.

Die Tagungs-Teilnehmer waren sich darüber einig, dass verbandsintern und nach außen hin über die geltenden Richt- und Leitlinien intensiver informiert werden muss. „Wir wollten mit dieser Tagung Wissen schaffen und die Sensibilität für das Thema Tierschutz erhöhen“, sagte Soenke Lauterbach. Der nächste Schritt sei nun die Verarbeitung der Erkenntnisse. „Die Tagung war richtig. Es wurde zwei Tage lang sachlich und offen diskutiert. Der mehrheitliche Wunsch der Teilnehmer ist, diese Veranstaltung 2016 zu wiederholen. Jetzt müssen wir die genannten Dinge aber auch angehen und umsetzen, auf Experten zugehen und die Erkenntnisse in unsere Arbeitsgruppen und Gremien einbinden.“ Bo/jbc

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