EM Pony Vielseitigkeit: Britisches Team übernimmt Führung nach Gelände, Marisa Braig in der Einzelwertung vorne
von Uta Helkenberg
Bishop Burton/GBR (fn-press). Dem Ruf ihrer Heimat als beste Vielseitigkeitsnation der Welt wurden heute die englischen Ponyreiter gerecht. Bei den Europameisterschaften in Bishop Burton lieferte das britische Buschreiter-Quartett eine Meisterleistung ab und übernahm damit die Führungsrolle vor dem abschließenden Springen. Die deutsche Mannschaft fiel auf Platz zwei zurück, in der Einzelwertung hält allerdings Marisa Braig (Niederbiegen) mit Andy die Spitzenposition. Das belgische Team liegt nach Dressur und Gelände auf Bronzekurs
Die deutsche EM-Debütantin Saskia Wasserberg (Rhauderfehn) mit Lady Leslie machte bei der heutigen Geländeprüfung den "Pathfinder" nicht nur fürs deutsche Team, sondern auch für die übrigen 48 Titelbewerber. In einer schnellen Zeit, jedoch mit einem Vorbeiläufer am "Coffin" kam sie mit 22,4 zusätzlichen Strafpunkten ins Ziel (Zwischenstand 89,5 Minuspunkte). "Das Coffin war ein bisschen schwierig aus einer Linkswendung anzureiten und während des Coffins musste die Richtung nochmal verändern. Wenn man nicht aufpasste, liefen die Ponys schnell einmal am Aussprung vorbei", sagte Bundestrainer Fritz Lutter (Warendorf) und ließ die beiden nachfolgenden Teamreiterinnen die Alternative wählen. So kam Flora Reemtsma (Groß Walmstorf) mit Pamira LK mit nur 2,4 Zeitstrafpunkten ins Ziel und belegt damit Rang sechs in der Einzelwertung (52,4). Michelle Mothes (Rodewisch) mit Twobits hatte zwar am Coffin keine Probleme, kassierte allerdings eine Verweigerung am "Arrowhead" und viele Zeitfehler. "Der Schecke zog heute von Anfang nicht wie gewohnt", sagte Lutter. Mit 55,2 Minuspunkten büßte die 14-Jährige ihre gute Position nach Dressur ein (99,8). Dafür, dass das deutsche Team dennoch den zweiten Platz behaupten konnte, sorgte Schlussreiterin Marisa Braig (Niederbiegen) mit dem bewährten Andy. Um in der Zeit zu bleiben, ging sie überall und erfolgreich den geraden Weg, kam damit ohne Strafpunkte ins Ziel und setzte sich damit auch in der Einzelwertung an die Spitze (44,5).
Einen Versuch, ihre gute Ausgangslage nach Dressur durch einen schnellen Ritt zu sichern, unternahm auch die deutsche Einzelreiterin Stefanie Bendfeldt (Stöttwang) mit Dara. Dabei unterlief auch ihr ein Fehler am Coffin (76,0). "Der Versuch war es wert, den geraden Weg zu nehmen. Nur so hatte sie die Chance, ihr Dressurergebnis gegebenenfalls zu halten. Schade, dass es nicht geklappt hat, das hätte den dritten Platz bedeutet", sagte Fritz Lutter.
Die Einzigen, die auf dem Kurs generell keine Probleme hatten, waren die englischen Paare. Drei der britischen Teamreiter kamen strafpunktefrei ins Ziel, nur eine Reiterin musste ein paar Zeitfehler in Kauf nehmen. Damit ging die Mannschaft mit über 30 Punkte in Führung, in der Einzelwertung positionierten sich die vier unter den ersten Sieben. Die meisten anderen Nationen zogen eine schlechtere Bilanz. Von ursprünglich neun Mannschaften blieben nur fünf mit drei und mehr Paaren "im Rennen". 13 Paare schieden im Kurs aus, darunter die nach Dressur noch auf Platz zwei rangierende Edith Chardon, Tochter des zweimaligen Weltmeisters im Vierspännerfahren, Ijsbrand Chardon (Niederlande). Zwei Mal musste die Prüfung nach Stürzen angehalten werden. "Stürze sind im Ponysport eher selten. Das zeigt aus meiner Sicht, dass die Anforderungen bei dieser EM über das übliche Limit gingen. Unsere Reiterinnen konnten ja gut mithalten und ich bin sehr stolz auf sie. Aber es gab schon Nationen, die sich heute schwer taten. Damit will ich nicht die Erfolge der englischen Paare schmälern, die sehr routiniert geritten sind und super Leistungen gebracht haben. Sie werden damit, wenn alles gut geht, morgen verdiente und würdige Europameister. Aber im Sinne des Sports würde ich mir fürs nächste Jahr doch für alle wieder angemessenere Bedingungen wünschen."
