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Tina Pantel

Schreibwettbewerb 2008

Eure Siegergeschichten

Malwettbewerb 2009 Ulla Reimers (16) 3. Platz
© Ulla Reimers
Lupe

Schreibwettbewerb 2008: Die Siegergeschichten

Das falsche Pferd
Alice war unbestreitbar das glücklichste Mädchen der Welt. Wer bekommt schon ein leibhaftiges, lebendiges Pferd unter den Tannenbaum gestellt? Noch dazu eines, das man selbst ausgesucht hat? Natürlich stand Ganove nicht wirklich unterm Tannenbaum. Er hatte eine frisch gestrichene Außenbox in der Reitanlage Tanneneck bezogen. Alice würde den wunderschönen Dunkelfuchs mit seinen vier gleichmäßig weißen Fesseln und dem untadelig regelmäßig gezackten Stern von heute an täglich reiten dürfen. Ganove war ein tolles Pferd - nicht nur brillant aussehend, sondern auch hoch veranlagt... Das glücklichste Mädchen der Welt saß unter dem Weihnachtsbaum, packte einen riesigen Karton aus und unterdrückte ein paar vorwitzige Tränen.

Und wenn ihr wissen wollt, wie die Geschichte von Autorin Isabelle von Neumann-Cosel wirklich ausgeht, dann könnt ihr weiterlesen im Buch "Die Zügel in der Hand", das auch im FNverlag erschienen ist. Die besten zehn Geschichten-Schreiber unseres großen PM-Juniorclub-Wettbewerbes 2008/2009 konnten das Buch mit 15 Pferde-Kurzgeschichten, die von witzigen, spannenden, nachdenklichen und auch mal traurigen Begegnungen mit dem Pferd erzählen. Isabell von Neumann-Cosel (57) ist übrigens Richterin, Journalistin und Mutter dreier pferdebegeisterter Töchter sowie Lektorin des gesamten Kinder- und Jugendbuchprogramms des FNverlags. Die besten fünf Erzähler konnten zusätzlich noch je ein Pferde-PC-Spiel gewinnen.

Ihr habt die Geschichte "Das falsche Pferd" weitergeschrieben. Hier präsentieren wir euch die fünf besten Geschichten mit einem kurzen Kommentar von Isabell von Neumann-Cosel.

1. Platz für Laura Schulz (13) aus Rheda-Wiedenbrück

Das falsche Pferd

...in dem riesigen Karton war ein Ledersattel mit einer wunderschönen Trense, die am Stirnriemen mit kleinen Steinchen besetzt war. Auch ein toller Putzkoffer mit Zubehör war dabei. Erst da wurde Alice bewusst, wie ernst es jetzt mit dem Pferde werden würde. Doch sie riss sich zusammen und ließ sich nichts von ihren Bedenken anmerken. "Oh, vielen Dank Mama und Papa. Die Sachen sind wunderschön. Passen sie denn Ganove?" "Aber natürlich, das haben wir alles schon ausprobiert. Du kannst gleich morgen anfangen zu reiten, mein Schätzchen". Der Weihnachtsabend war wunderschön. Gegen elf ging sank Alice müde ins Bett, doch sie schlief nicht sofort ein, sondern dachte noch etwas nach. Warum habe ich nur eben beim Auspacken eine Träne unterdrücken müssen? Ich will doch ein Pferd, oder? Hoffentlich wird mir das alles nicht zuviel mit dem Pferd. Es ist ja eine riesige Verantwortung, und wir haben gar nicht richtig besprochen, wie ich das alles machen soll. Eigentlich wollten meine Eltern unbedingt ein Pferd kaufen. Sie wären ja dann so stolz auf mich. Meine Reitlehrerin ist nicht so begeistert, weil ich erst seit ein paar Monaten reite. Hoffentlich hat sie nicht recht mit ihrer Vermutung, dass ich mit dem Pferd nicht klarkomme.
Sie dachte noch ein bisschen über ihren Dunkelfuchs Ganove nach und wachte am nächsten Morgen ganz früh auf. Ihre Eltern wünschten ihr nach dem Frühstück viel Spaß beim Reiten. "Eigentlich wollte ich noch bis mittags warten und erst mit meinen anderen Geschenken spielen!" "Schätzchen, jetzt geh doch erstmal zum Reiten. Lass dein Pferd warten, okay?"

Sie fuhr mit dem Fahrrad zur Reitanlage Tanneneck. Als sie zur schönen Box von Ganove kam, rief sie seinen Namen. Ganove kam, und Alice gab ihm ein von den vielen Möhren, die ihre Mutter ihr mitgegeben hatte. Dann fing sie an, ihn gründlich zu putzen. Es ist total einsam hier, wenn keine Reitstunde ist. Dann fiel ihr auf, dass sie ihr eigenes Putzzeug in den Händen hielt. Sonst habe ich immer das Putzzeug von meinen Freundinnen benutzt. Dann führte sie ihr Pferd auf den schönen Außenplatz und stieg auf. "Mädchen, warum fängst du denn sofort mit dem Traben an? Du erstmal Schritt reiten, um das Pferd zu lösen!", sagte eine ältere Dame, die an ihr vorbei ritt. Das war Alice ein wenig peinlich, deshalb wechselte sie gleich zum Schritt. Ich glaube, ich weiß jetzt, warum ich an Weihnachten eine Träne unterdrücken musste. Ich wollte es nur nicht wahrhaben. Ich will eigentlich keine eigenes Pferd. Man reitet nur mit Erwachsenen, und ich kann einfach noch nicht gut genug reiten. Ich weiß ja noch nicht mal, dass man ein Pferd warmreiten muss. Ich glaube, Mama und Papa haben vor lauter Stolz ganz vergessen, dass ein Pferd eine große Herausforderung ist. "Pass doch auf, wo du hin reitest! Dir sollte man wirklich kein Pferd in die Hand geben, du kannst ja gar nicht reiten", sagte ein Mann, den Alice fast umgeritten hätte. Am Stall kam ihr Mia entgegen, die beim Reiten zugucken wollte. Sie betrachtete Ganove und sagte ihr tausendmal, wie hübsch und toll er sei. Dann kam Alice eine Idee. "Sag mal Mia, du hast doch keine Pflegepferd oder? Du reitest doch schon seit vier Jahren, und deine Eltern haben kein Geld, dir ein eigenes zu kaufen? Wie wäre es, wenn du Ganove ab und zu reitest und mir etwas Reitunterricht geben würdest?" "Das wäre ja großartig, dann können wir jeden Tag zusammen her fahren und alle gemeinsam machen". Alice strahlte: "Du musst auch nichts bezahlen, ich bin froh, wenn ich Unterstützung bekomme." Ganove ist einfach nicht das richtige Pferd, um es alleine zu reiten und zu pflegen. Ich bräuchte ein Pony, welches nicht so viel Bewegung braucht wie Ganove. Er ist einfach das falsche Pferd. (leicht gekürzte Version)

Wertung: Laura ist es  gut gelungen ist, die zwiespältigen Gefühle von Alice auszudrücken: das macht die Geschichte interessant. Sie hat dafür ein stilistisch interessantes Mittel gewählt: Die unausgesprochenen Gedanken von Alice sind im Text blau dargestellt. Der Konflikt, sich einerseits ein Pferd zu wünschen, aber andererseits noch nicht reif genug für ein eigenes Pferd zu fühlen, ist glaubwürdig dargestellt und die Lösung,  gibt der Geschichte ein versöhnliches, aber nicht kitschiges Happy End.

 2. Platz: Annalena Fenkner (16) aus Rentweinsdorf

Das falsche Pferd

Ein kleines bisschen traurig war Alice nämlich schon. Vor wenigen Wochen war sie mit ihren Eltern aus der Nähe von Hamburg ins tiefste Bayern gezogen. Ihre alten Freunde hatte sie seitdem nicht mehr gesehen und die Kinder im Süden waren ganz anders. So hatte sie noch keine Freunde in ihrer neuen Heimat gefunden. Aber wer weiß, vielleicht gab es ja auf Gut Tanneneck nette Mädchen, mit denen sie trainieren und ausreiten konnte? Alice war schon sehr gespannt. Gut, dass gerade Ferien waren, so konnte sie gleich morgen den ganzen Tag im Stall verbringen! Heute war es leider schon zu spät und außerdem hatte sie noch einige andere Geschenke auszupacken! Alice wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, die nun doch gekullert waren, und öffnete das große Paket. Ein Putzkoffer! Auf der hellblauen Kiste stand mit Goldschrift der Namen ihres neuen Pferdes: Ganove. Glücklich strich Alice über die funkelnden Buchstaben. Sie freute sich auf den ersten Ritt mit ihrem Pferd!

Am nächsten Morgen war Alice schon früh auf den Beinen. Vor lauter Aufregung hätte sie beinahe ihren Reithelm vergessen, als sie sich auf ihr Fahrrad schwang, um in den Stall zu fahren. Das gefiel ihr an ihrer neuen Heimat - zum Stall waren es nur 5 Minuten. Aber wie kalt es war! Über Nacht war der erste Schnee gefallen, er reichte ihr schon über den Knöchel. Alice beeilte sich. Und kurz darauf war sie auch schon auf Gut Tanneneck. Mit weichen Knien näherte sie sich der Box von Ganove. Doch was war das? Kein brauner Pferdekopf begrüßte sie über die Boxentür hinweg. Zitternd schaute Alice in die Box. Im Stroh lag ein geschecktes Shetlandpony! Wo war Ganove? Das war jedenfalls nicht ihr Pferd! Sie betrachtete das Schild an der Box, das ihre Eltern extra hatten anfertigen lassen. Alice hatte sich jedenfalls nicht in der Boxentür geirrt, es war eindeutig die Box ihres Weihnachtspferdes. Zitternd lehnte sie sich an die Boxentür, die daraufhin aufschwang. Sie war nicht verschlossen! Was hatte das zu bedeuten?

"Guten Morgen! Bist du neu hier?", begrüßte sie ein blondes Mädchen mit frechem Pferdeschwanz, das soeben um die Ecke kam. "Hallo! Ja, ich bin Alice, die Besitzerin von Ganove", gab Alice zur Antwort. "Super! Ich bin Maria, mir gehört der Rappe dort hinten. Er heißt Potzblitz", stellte sich das Mädchen vor, "Lust auf einen Ausritt im Schnee?" Alice erklärte: "Sehr gerne. Allerdings hat sich mein Pferd über Nacht in ein Scheckpony verwandelt!" "Waaas? Lass sehen!", Maria schaute in die Box, "ach was, das ist doch Pünktchen, das Hofpony!" "Aber wie kommt der in meine Box?", fragte Alice. "Pünktchen kann Türen öffnen. Sicherlich ist er wieder einmal ausgebüxt!", erklärte Maria. "Oh nein! Hoffentlich ist Ganove dann nicht weggelaufen! Er kennt sich hier doch noch gar nicht aus!", rief Alice besorgt, "Wir müssen sofort nach ihm suchen!" Maria schlug vor: "Lass uns den Hof nach Hufspuren absuchen, es hat ja über Nacht geschneit." Deutlich konnte man im Schnee ein paar kleine Hufspuren entdecken, die zur Box hinführten. Doch es gab auch größere Hufspuren, die von der Box wegführten. Daneben sah man den Abdruck großer, schwerer Stiefel. "Hoffentlich wurde er nicht gestohlen!", fürchtete Alice erschrocken. Die Mädchen verfolgten die große Spur. Sie führte um die Ecke des Stalles, am Misthaufen vorbei und nochmals um die Ecke zur Rückseite des Stalles. Dann führten die Spuren vom Stall weg. Es tauchten neue Spuren auf: die Schuhe kamen zurück, aber allein. "Oh nein, sicherlich hat der Dieb Ganove in einen Hänger verladen und ist weggefahren!", rief Alice. "Ach was, dann wäre er doch nicht zurückgegangen", winkte Maria ab. Immer schneller folgten sie nun den Spuren des Pferdes.  Sie führten gerade auf ein Tor zu. Inzwischen hatte es wieder zu schneien angefangen. "Wir müssen uns beeilen, sonst werden die Spuren verdeckt!", meinte Maria. Das Schneegestöber wurde immer dichter, man sah kaum weiter als 5 Meter. Die Mädchen erreichten das Tor und starrten angestrengt in das Treiben. Was war mit Ganove geschehn? Plötzlich lachte Maria laut los: "Weißt du was? Wir sind ja so dumm! Das hier ist ein Paddock, sicherlich hat der Stallbursche heute Morgen einfach nur dein Pferd in den Auslauf gestellt!" In diesem Moment trabte ein Schatten zum Tor - es war Ganove, dick eingepackt in seine Winterdecke. "Oh Pferd, hast du mir vielleicht einen Schrecken eingejagt!", fiel Alice ihrem Pferd überglücklich um den Hals. Befreit lachten die beiden Mädchen. "So, jetzt bringe ich dich aber besser wieder in deine Box!", beschloss Alice.

Zwei Tage später war das Wetter endlich wieder gut genug zum Ausreiten. Maria und Alice sattelten ihre Pferde und machten einen wunderschönen Ausflug in die verschneite Landschaft. "Na, vielleicht ist Bayern doch nicht so doof, die Ausritte machen jedenfalls einen Riesenspaß und Maria ist auch total nett!", dachte Alice. Lächelnd umarmte sie ihren Dunkelfuchs: "Ganove, du bist der beste!"

Wertung: Annalenas Text kommt ohne die üblichen Übertreibungen in Pferde-Mädchen-Geschichten aus und ist trotzdem nett und darüberhinaus glaubwürdig. Annalena hat routiniert, flüssig und anschaulich geschrieben.

3. Platz Alina Noel Vogt, Lüdinghausen (12 Jahre)

Das falsche Pferd

Nachdem Alice ein Achtel der frischen, braun gebratenen Gan und eine große Menge Kartoffelsalat verputzt hatte, und meinte, platzen zu müssen, stürmte sie hinauf in ihr Zimmer. Sie plumpste in einen der weichen Ledersessel und ließ den Tag in Gedanken noch einmal an sich vorbeiziehen. Sie war einer der glücklichsten Menschen der Welt, doch es gab auch noch andere Leute. Ihre Freundin Isabelle bekam zu Weihnachten nur eine neue Puppe und ein paar Süßigkeiten. Obwohl sie immer strahlte, fand Alice es ungerecht. Sie bekam so viel und... "Ach, ich kann es sowieso nicht ändern!" Sie seufzte, machte sich dann für die Nacht fertig und schlief nach einer Weile in ihrem weichen Federbett ein.

"Dring, dring, dring, dring!!!" Alices Wecker schrillte am nächsten Morgen in aller Frühe. Während sie sich mit einer Hand ein Kissen aufs Ohr drückte, hämmerte sie mit der anderen pausenlos auf den Wecker ein. Als er endlich verstummte, dämmerte Alice, warum er so früh am Morgen einen ohrenbetäubenden Krach von sich gegeben hatte: Sie wollte doch schnellstmöglich zu Ganove - ihrem neuen eigenen Pferd!  Als wenn es um sein Leben ginge, sprang das glücklichste Mädchen der Welt aus seinem Bett, schlüpfte blitzschnell in seine Reitwäsche und fegte die Treppe hinunter. In der Küche schnappte sich Alice ein Brot, warf ihrer Mutter einen Luftkuss zu, riss dann die Tür auf und stolperte atemlos zum Wagen ihres Vaters.

Am Hof angekommen, sah sich Alice genau um: Linkerhand befand sich das ältere, renovierungsbedürftige Gästehaus, neben ihm ein großer Hengststall, das Herrenhaus mit den Marmortreppenstufen, die riesige Reithalle und natürlich nicht zu vergessen, der Hauptstall. Hier befanden sich die Stuten mit ihren Fohlen, Schulpferde und Privatpferde, zu denen Ganove neuerdings auch gehörte. Weitläufige Weiden vor dichten Tannenwäldern rundeten das Bild ab.

"Alice, willst du noch weiter mit offenem Mund hier herumstehen, oder lieber mit mir kommen? Ganove wartet bestimmt schon auf dich!" Alice schrak auf, als sie die Stimme ihres Vaters hörte. "Natürlich will ich mit! Was für eine Frage!" Als sie den Stall betrat, strömte ihr die wohlige Wärme entgegen, und sie genoss das Geräusch der kauenden Pferde. Das Mädchen sog den Duft von frisch geputztem Leder tief ein lief halbblind vor Glück zu Ganoves Box. Der wunderschöne Dunkelfuchs guckte sie mit seinen großen dunklen Augen treuherzig an, und als Alice die Boxentür öffnete, fing er an, in ihre Haare zu pusten. "Na, du großer Strolch!", neckte sie den Wallach, halfterte ihn auf und führt ihn mit langen Schritten auf die Stallgasse. Dort band sie Ganove an, machte ihn für den Ausritt fertig und gab ihrem Vater einen Kuss. "Papa, ich reite noch ein wenig, bin in einer Stunde wieder da!" "Okay, du findest mich im Reiterstübchen." Während Alice aufstieg, hörte sie ihren Vater noch murmeln: "Immer diese Pferde..." Sie lächelte in sich hinein, gab Ganove einen Klaps mit der Gerte und ritt vom Hof. Nach einer halben Stunde beschloss Alice, eine kleine Rast zu machen. Sie band Ganove an einen Baum. Das Mädchen setzte sich auf ein grünes Fleckchen Erde und schloss die Augen. "He, ein Pferd kannst du doch nicht einfach an einen Baum binden! Das ist gefährlich!"

Alice wurde von einer Stimme aus den Gedanken gerissen. Aber da war niemand. Nur Ganove und die Stille des Waldes. "Naja, war wohl nur Einbildung." Sie versank wieder in ihren Gedanken. "He, ich wiederhole! Man soll keine Pferde an Bäume binden!" Diesmal sah sich Alice genauer um: Es war immer noch nichts zu sehen! Aber dann kam ihr ein Verdacht. "Ganove?", fragte sie vorsichtig: "Warst du das gerade?" "Ja,klar, wer denn sonst? Hab keine Angst! Nicht alle Pferde haben die Gabe, sprechen zu können. Aber du hast ein besonders gutes erwischt. Und nun, erzähl mir was!" "Äh ja, ich...", stotterte das Mädchen. Nach einer kleinen Weile des Schweigens, setzte sie sich auf und schwang sich wieder in den Sattel. "Ich weiß nicht, worüber ich mir DIRr reden soll!?!? "Erzähl mir einfach irgendwas... Zum Beispiel von deiner Familie", erwiderte Ganove. "Okay, wenn du es nicht weitersagst... Ich habe eine Freundin, deren Eltern ganz arm sind, und die deshalb nur eine Puppe zu Weihnachten bekommt. Kannst du mir sagen, wie ich ihr helfen kann? Soll ich ihr Geld geben oder noch etwas kaufen oder...?" Ganove unterbrach die vom Redeschwall überfallene Alice: "Du musst ihr nichts mit Geld kaufen. Weiß du, manchmal ist Freundschaft das beste Geschenk. Wenn du weiter eine treue Freundin für sie bist, ist ihr das ganz sicher tausend Mal wichtiger als alles Geld der Welt!" "Stimmt, so habe ich es noch nie gesehen. Ich verspreche dir, dass ich Isabelle immer zur Seite serde. Danke, Ganove!" Alice schlang die Arme um den kräftigen Hals ihres Pferdes, trieb ihn dann zum Galopp an und rief: "Das ist das tollste Weihnachtsgeschenk meines Lebens!" Und gemeinsam ritten Alice und Ganove dem Sonnenuntergang entgegen.

Wertung:Alina hat die einzige "phantastische", also nicht realistische Geschichte geschrieben, schön ausgedacht - da darf man zum Schluss auch "in den Sonnenuntergang" reiten.

4. Platz: Melina Peters, Bad Driburg (14 Jahre)

Das falsche Pferd

In dem Karton befanden sich Sattel, Zaumzeug, und eine himmelblaue Decke für Ganove. Alice war überglücklich. "Die wird ihm sicher super stehen!", rief sie aus. "Die Farbe passt super zu seinem Fell!", fügte sie hinzu, bevor sie ihren Eltern um den Hals fiel. Dann begann sie, auch die anderen Geschenke aufzureißen, doch selbst als das letzte Paket geöffnet war, gab es nicht, das Ganove auch nur im geringsten hätte übertreffen können. "Am liebste würde ich gleich zu ihm fahren", bemerkte Alice. "Gleich morgen früh darfst du zu ihm", versprach ihr ihre Mutter. Mit dieser Antwort war Alice ganz und gar nicht zufrieden, doch sie wusste, dass weder Bitten noch Betteln ihre Mutter umstimmen würden. Trotzdem. Bis Morgen... das dauert noch sooooo lange...

Natürlich saß Alice am ersten Weihnachtsfeiertag als erste im Auto. Etwas frösteln, aber sehr aufgeregt wartete sie. Nach scheinbar unendlich langen Minuten, setzte sich ihre Mutter endlich in den Wagen, und sie fuhren los.

Als sie auf Tanneneck vorfuhren, herrschte tiefe Stille. Friedlich und verlassen lag der Hof da. Nur ab und zu hörte man einen Pferdehuf scharren oder ein Wiehern. "Mach schon, Mami!", sagte Alice und zerrte ihre Mutter hinter sich her zu den Stallungen. In der Außenbox stand der hübsche Fuchs und kaute genüsslich auf seiner Frühstücksration Heu herum. "Hallo Ganove!", sagte Alice unsicher. Irgendetwas stimmte nicht. Langsam trat sie näher an die Box heran und sah sich das Pferd an. Es hatte keine weißen Beine, nicht einmal vier weiße Fesseln. Panisch trat Alice zurück. "Aber, hier hat er doch gestern gestanden", murmelte sie. "Mami, Ganove ist weg!", rief Alice und rast auf den Hof zurück, auf dem ihre Mutter mit Frau Nohrmann stand und sich unterhielt. "Hallo Alice. Du siehst ja ganz verstört aus!", sagte Frau Nohrmann freundlich. "Ist etwas nicht in Ordnung?"

"Ganove ist weg! Er steht nicht in seiner Box", klagte sie. Frau Nohrmann kicherte. "Das tut mir leid, Alice, ich hatte ja ganz vergessen, es dir zu sagen. Gestern ist eine noch größere Box frei geworden. Wir haben Ganove umgestellt!" Erleichert atmete Alice auf. Sie hatte in der falschen Box gesucht. Und tatsächlich. Als Frau Nohrmann sie zu den größeren Boxen führte, sah sie ihn. "Gott sei Dank!", sagte sie und grinste. "Und nun kannst du ihm seine hübsche Decke auflegen und einen Spaziergang durch den Schnee mit ihm unternehmen", sagte Frau Nohrmann. "Klar!", antwortete Alice. "Das machen wir."

Wertung: Melina hat sich eine ganz alltägliche Situation vorgenommen und daraus eine schlüssige Geschichte gemacht mit anschaulichen, realistischen Einzelheiten.

 

5. Platz: Jana Ehrmann (16), Haltern am See

Das falsche Pferd

Sie konnte ihren Augen nicht trauen, als sie ins Innere des Kartons starrte. Dort auf dem Boden lag ein Zettel mit der Aufschrift: "Kaufvertrag für Pferd Ganove". Aber als Käufer waren nicht nur ihre Eltern eingetragen, sondern ebenfalls die Eltern ihrer ehemals besten Freundin Jessica. Sie und Jessica hatten sich vor einem Monat sehr gestritten und seitdem kein Wort mehr miteinander gewechselt. Und jetzt sollten sie sich ein Pferd teilen? Ihr Pferd? Ihren Eltern hatte Alice nichts von dem Streit mit Jessica erzählt. Sie konnten ja nicht wissen, dass sie sich mit Jessica auf keinen Fall ein Pferd teilen konnte. "Aber, aber", stotterte Alice. "Wieso habt ihr mir nicht erzählt, dass ich mir Ganove mit Jessica teilen soll?" Vor ihrem inneren Augte zerplatzten gerade alle Träume wie eine Seifenblase. "Ach Schätzchen", sagte ihre Mutter. "Wir haben das Ganze noch mal durchgerechnet, und es wird ein bisschen knapp mit dem Geld. Schau mal, da sind die Kosten für die Boxenmiete, den Hufschmied, die Ausrüstung, den Tierarzt, und nicht zu vergessen der Kaufpreis. Es ist für uns einfacher, die Kosten mit Jessicas Eltern zu teilen." Jetzt konnte Alice die Tränen nicht mehr zurückhalten. Natürlich verstand sie ihre Eltern, aber es war doch ihr Pferd. Ihr Ganove! Wenn sie sich das Pferd schon teilen musste, warum dann ausgerechnet mit Jessica? "Ja, das verstehe ich", schluchzte Alice und rannte in ihr Zimmer. Hier ließ sie ihren Tränen freien Lauf. Als ihre Eltern nach ihr sehen wollten, stellte sie sich schlafend. Sie hatte wirklich keine Lust, darüber zu reden. Sie hatte sich doch immer so sehr ein eigenes Pferd gewünscht. Kein halbes Pferd, sondern ein ganzes eben!

Am nächsten Morgen kam Alice langsam mit ihren Wollsocken in die Küche geschlichen. Ihre Eltern saßen bereits am Frühstückstisch und tranken einen Kaffee. "Alice, wir möchten gleich mit dir zum Stall fahren. Wir treffen uns dort mit Jessica und ihren Eltern. Sie kennen Ganove ja noch gar nicht. Zieh dir bitte schnell etwas an, damit wir loskönnen." "Mhm", brummte Alice. Sie schnappte sich ein belegtes Brötchen vom Küchentisch und stapfte zurück in ihr Zimmer. Dieser Tag konnte gar nicht mehr schlimmer werden, fand Alice. Jetzt musste sie auch noch zu Ganove fahren und Jess vorstellen. Sie griff nach ihrer Reithose aus ihre Kleiderschrank, schlüpfte in einen warmen Pullover und setzte sich zu ihren Eltern ins Auto, die bereits auf sie warteten.

Als sie an der Reitanlage Tanneneck ankamen, entdeckte Alice sofort Ganove, der neugierig über seine Boxentür schaute und ein schrilles Wiehern ausstieß, als er sie sah. Ganove war zwar noch nicht lange da, aber es war, als würden sie sich schon eine Ewigkeit kennen. Alles war so vertraut. Sie streichelte gerade Ganoves Hals, als sie plötzlich einen Wagen auf den Hof rollen sah. "Na toll", dachte Alice, da kam ja auch schon Jessica. Die ganze Familie stieg aus dem Auto. Während die Eltern von Jessica und Alice sich noch unterhielten, kam Jess langsam zu den Außenboxen herüber geschlendert. "Hi", sagte sie leise und begutachtete dabei Ganove. "Das ist aber ein Hübscher, den du dir da ausgesucht hast." Alice war verwundert, Jessica tat so, als hätten sie sich nie gestritten. Ehe sie etwas sagen konnte, ergriff Jess erneut das Wort: "Hör mal Alice, ich weiß, dass das alles blöd war, was zwischen uns passiert ist, aber sollen wir das ganze nicht einfach vergessen? Immerhin sind wir jetzt gemeinsame Besitzer dieses Prachtkerls." Alice fiel es schwer, Jessica nicht mit offenem Mund anzustarren. "Was war denn plötzlich mit der los?" Natürlich freute sie sich sehr über das Friedensangebot, denn sie hätte bestimmt nicht den ersten Schritt zur Versöhnung getan. Überglücklich fielen sich die beiden in die Arme. "Natürlich können wir das vergessen!" Als sie sich wieder aus der innigen Umarmung gelöst hatten, sprach Alice dann aus, was sie auf dem Herzen hatten, denn Jessica hatte immer sehr gute Einfälle, um Probleme zu lösen und die alten-neuen besten Freundinnen überlegten sich sekundenschnell einen Plan. "Du Papa, kannst du mal herkommen", rief Jess ihrem Vater zu, der sich immer noch unterhielt. Er löste sich aus der Gesprächsrunde und kam schließlich zu den Mädchen herüber. "Na, wie gefällt dir dein Pferd", fragte er mit gewissem Stolz in der Stimme. "Also um ehrlich zu sein, er gefällt mir nicht so gut". Auf der Stirn von Herrn Müller bildeten sich ein paar Sorgenfalten. "Könntest du mir nicht ein anderes Pferd kaufen?", fragte Jess mit hoffnungsvollem Blick. Alice wusste, dass Herr Müller seiner Tochter keinen Wunsch abschlagen konnte, und Geld spielte in dieser Familie sowieso keine Rolle. Jessicas Vater schien angestrengt über diese neue Option nachzudenken, doch als Jess ihren schönsten "Bitte-Papa-Blick" aufsetzte, gab er sich schließlich geschlagen: "Na gut, wenn das dein Wunsch ist. Aber was machen wir dann mit ihm hier?", fragte Jessicas Vater und deutete auf Ganove: "Naja, ich würde ihn gerne behalten, wenn meine Eltern nichts dagegen haben", brachte sich jetzt auch Alice in das Gespräch ein. Die beiden Mädchen zwinkerten sich jetzt kaum sichtbar zu. Ihre Pläne funktionierten doch immer wieder.

Die beiden Familien unterhielten sich noch sehr lange und kamen zu dem Entschluss, dass ein bisschen arbeiten gehen sollte, um etwas Geld zu ihrem Pferd hinzu zu steuern. Alice war damit vollkommen zufrieden, für Ganove würde sie doch schließlich alles tun. Jessica hingegen sollte sich ein neues Pferd aussuchen, was sie sehr gerne tat. Alice war überglücklich und verbrachte die ganzen Weihnachtsferien bei ihrem Pferd. Es war ein tolles Gefühl. Ganove und sie verstanden sich blind. Es schien ihr manchmal, als könne er Gedanken lesen.

Am letzten Tag der Ferien bekam Alice einen Anruf: "Hi, ich bin es, Jess. Stell dir mal vor, wir haben ein Pferd für mich gefunden." Jessica redete so schnell, dass Alice sie kaum verstehen konntew. "Es ist ein dunkelbraune Stute, sie ist total klasse, und ihr Name ist Doreen", fuhr Jess bereits fort. Sie verabredeten sich am Stall und machten einen langen Ausritt durch den Schnee. Im Schnee konnten sie zwar nicht galoppieren, aber sie konnten sich ausgiebig unterhalten. Jessica erzählte ihr bei dem Ausritt von einem Turnier im Sommer, bei dem auch eine Kür für Paare auf A-Niveau ausgeschrieben war. Natürlich meldeten sich die zwei direkt an und gewannen diese mit großem Abstand zu den anderen. Und plötzlich war Alice wieder das glücklichste Mädchen der Welt. Sie hatte alles, was sie sich zu Weihnachten gewünscht hatte bekommen. IHR Pferd und ihre beste Freundin.

Wertung: Janas Geschichte vom beigelegten Zickenstreit kommt nicht ganz ohne Klischees aus, aber sie hat dafür Witz - vor allem in der Behandlung des Themas "Umgang mit Eltern".

 
 
 

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